Arbeit für die Steuerberater

Der Fußball und das liebe Geld: Für die Amateure bringt der Mindestlohn neue Probleme.
Der Fußball und das liebe Geld: Für die Amateure bringt der Mindestlohn neue Probleme.
Foto: imago

8,50 – diese Zahl bereitet den Managern und Geschäftsführern vieler Amateurclubs Kopfzerbrechen. Dabei geht es jedoch nicht um Tore oder Punkte, sondern um harte Euros. 8,50 Euro beträgt seit dem 1. Januar der Mindestlohn, und der gilt nicht nur für Friseurinnen, Maurer und Postboten, sondern auch für Fußballer.

Die millionenschweren Profis in den Bundesligen überschreiten diesen Betrag natürlich um ein Vielfaches, am Übergang vom Profi- zum Amateurbereich gibt es aber offene Fragen, auch bei Westfalia Herne und DSC Wanne-Eickel. Eine „ernstzunehmende Sache“ sei der Mindestlohn, sagt Jörg Kowalski, sportlicher Leiter des DSC. Und der SCW-Vorsitzende Sascha Loch meint: „Da zerbrechen wir uns den Kopf drüber.“

Bis an die Verbandsspitze ist das Thema inzwischen durchgedrungen. Der für die Amateure zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch sagte der Welt am Sonntag: „Einige Vereine, deren Verträge mit Spielern und Trainern betroffen sind, werden es schwer haben, die nötigen Budgets für die Bezahlung des Mindestlohns zu finanzieren.“

Inwieweit der DSC Wanne-Eickel betroffen sei, konnte Jörg Kowalski noch nicht sagen, aber: „Wir sind gemeinsam mit unserem Steuerberater in der Umsetzung des Themas.“ Auch Westfalia hat den Steuerberater bereits eingeschaltet, die SCW-Verantwortlichen stehen zudem im Kontakt mit anderen Clubs: „Auch andere Vereine wissen damit noch nicht wirklich etwas anzufangen“, sagte Sascha Loch.

Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt: Die Sache ist kompliziert. Der DFB sieht für Vertragsamateure ein Mindest-Monatsgehalt von 250 Euro vor. Nach Angaben von Loch verhandelt auch der SCW auf dieser Basis: „Das ist das Minimum, für einige Spieler aber auch schon das Maximum. Dazu kommen ja noch Sozial- und Versicherungsabgaben, so dass so ein Spieler den Verein dann etwa 380 Euro im Monat kostet.“

Bei einem Stundenlohn von 8,50 Euro könnte ein Verein knapp 30 Stunden im Monat auf seinen Spieler zurückgreifen. Bei vier Trainingseinheiten in der Woche steht ein Spieler im Monat aber schon etwa 24 Stunden auf dem Trainingsplatz – der deutlich höhere Zeitaufwand bei Spielen durch früheres Treffen und die Anfahrt zu Auswärtsspielen ist so nicht realisierbar.

Während der Saison beträgt der Zeitaufwand eines DSC-Spielers hochgerechnet etwa 40 Stunden pro Monat – dann müsste jeder Schwarz-Gelbe mindestens 340 Euro vom Verein bekommen. Besonders bei Spielern aus der Jugend völlig unrealistisch. Wobei auch da Fragen offen bleiben. Kowalski: „Wann endet die Arbeitszeit? Beim Abpfiff? Nach dem Duschen? Der eine braucht dafür zehn Minuten, der andere 30 Minuten“, überspitzt er. Loch sucht Lösungsansätze: „Dann muss ein Spieler eben zehn Stunden pro Monat unentgeltlich spielen – der Trainingsbetrieb ist dann freiwillig.“ Oder: „Es gibt nur noch Einsatz- und Punktprämien. Dann sind die Spieler auch galliger.“

„Durch das Mindestlohngesetz können klamme Clubs unterhalb der 3. Liga durchaus in die Bredouille geraten“, ist Rainer Koch besorgt über die unklare Situation. Soweit wie Sacha Loch scherzhaft ausmalt, wird es aber wohl doch nicht kommen: „Trainieren müssen wir schließlich – aber dann wird der Spielbetrieb nach der ersten Hälfte der Rückrunde eingestellt.“