Angriffswirbel fegt Firegirls aus der Halle

Mit ihrer starken Physis setzt sich Hernes Radostina Slavova-Naneva gegen Candace Williams durch und zieht zum Korb, beobachtet von Caroline Van der Velde (r.).
Mit ihrer starken Physis setzt sich Hernes Radostina Slavova-Naneva gegen Candace Williams durch und zieht zum Korb, beobachtet von Caroline Van der Velde (r.).
Foto: FUNKE Foto Services

Herner TC -
TuS Bad Aibling Fireballs 91:53

Viertel: 25:13, 23:8, 28:13, 15:19.

HTC: Müller (28/2 Dreier), Salomaa (18/2), Wright (14), Barnes (9), Davis (7/1), Van der Velde (5), Jankovic (5), Slavova-Naneva (5), Amojo.

Feldwurfquote: 64 % (32/50).

Freiwurfquote: 76 % (22/29).

Rebounds: 39 (30 defensiv, 9 offensiv).

Fireballs: Williams (19), Bradaric (8), Pölder (6), Duinker (6), Rupnik (6/1), Kancevic (6/1), Bellscheidt (2), Gehring, Lucillo.

Feldwurfquote: 34 % (18/53).

Freiwurfquote: 68% (15/22).

Rebounds: 22 (14 defensiv, 8 offensiv).

Hernes Bundesliga-Basketballerinnen sind für jede Überraschung gut. Noch am Freitag hätte der HTC die Partie gegen Bad Aibling am liebsten abgesagt, weil wegen der Grippewelle nur zwei deutsche Spielerinnen einsatzfähig waren. Keine Chance. Der HTC musste antreten, irgendwie. Marek Piotrowski hoffte dennoch auf Revanche für den einzigen Ausrutscher dieser Saison, das 66:70 beim Schlusslicht. „Es zählt nur der Sieg. Das Wie ist völlig egal“, sagte der Herner Trainer vor dem Sprungball. Knapp zwei Stunden später schwärmte auch er: Über das Ergebnis – und über das „Wie“.

„Das haben die Damen schön gemacht“, schmunzelte der „Magier“ nach dem höchsten Sieg der Herner Erstligageschichte. „Die Revanche ist sehr überzeugend gelungen.“ Er freute sich über die Vorstellung des ganzen Teams, hob zwei Spielerinnen aber besonders hervor. „Was Caro und Kitty heute geleistet haben, das war super. Hut ab.“

In der Tat waren es Caroline Van der Velde und Katharina „Kitty“ Müller, die aus einer vermeintlichen Schwäche eine Stärke machten. Beide wussten, dass sie über volle 40 Minuten gehen müssten, weil die „vergrippte“ Ireti Amojo nur für den äußersten Notfall auf der Bank saß. Beide wurden dieser großen Verantwortung mehr als gerecht und lieferten ihre beste Saisonleistung ab. Während Van der Velde vor allem in der Defense energisch und effektiv arbeitete, brillierte Müller auf dem ganzen Parkett: Sie stahl Bälle, lief Fastbreaks, wusste auch aus dem Setplay immer eine Lösung und traf aus jeder Lage. Mit 28 Punkten, allesamt aus dem Spiel heraus erzielt, und einer überragenden Wurfquote von 76 Prozent war Kitty Müller die auffälligste Spielerin auf dem Feld.

„Ich wusste um die Verantwortung und habe mir vorher meine Gadenken gemacht“, erzählte Müller später. „Aber ich war ganz gelassen. Ich wusste: Es gibt keine andere Chance, als alles zu geben und mich voll reinzuknallen.“ Beim Warm-up habe sie gespürt, dass sie ein „gutes Händchen“ hatte. „Als dann die ersten Dinger reingegangen sind, war das Vertrauen da“, so Müller. „Am Ende bin ich aber ganz schön auf dem Zahnfleisch gekrochen.“ Kein Wunder nach vierzig intensiven, temporeichen Minuten.

Schnelle Foulbelastung macht Sorge

Anfangs schien es so, als ginge der HTC zu verschwenderisch mit seinen diesmal arg knappen Ressourcen um. Fast so schnell wie die Punkte vermehrten sich die Fouls auf der Anzeigetafel – acht waren es allein im ersten Viertel, in dem sich der HTC allerdings eine respektable 25:13-Führung erspielte. Bis auf eine kurze Phase, als die Firegirls mit einem 6:0-Run auf 13:16 herankamen, war Herne in allen Belangen überlegen und auf jeder Position sichtbar besser besetzt. Einzig die Sorge, im Spielverlauf in Foultrouble zu geraten, ließ die HTC-Fans auf den Rängen noch um den 15. Saisonsieg bangen.

Doch diese Sorge erledigte sich schnell. Von der Härte und Aggressivität beeindruckt, schickten sich die Gäste im zweiten Viertel in eine Art „Opferrolle“ und gingen im Herner Angriffswirbel unter. Vor allem Kitty Müller lief nun heiß und sammelte Punkt für Punkt. Zur Pause war die Partie entschieden, die Herner Show aber noch lange nicht beendet. Vielmehr erhielt sie in Henna Salomaa, der zuletzt häufig etwas Wurfglück fehlte, eine weitere Hauptdarstellerin. Erlöst ballte die Finnin die Faust, als ihr Dreier zum 61:27 durch die Reuse rauschte, von da an spielte sie wie entfesselt und buchte allein im dritten Viertel zwölf Punkte auf ihr Konto. Beim 82:34 (32.) bahnte sich sogar ein Rekordsieg von historischen Ausmaßen an, aber dann ließen die Kräfte doch ein wenig nach, so dass die tapfer kämpfenden Gäste um eine dreistellige Schlappe herumkamen.