Altmeister trumpfen im Parcours auf

Mareen Flemming vom RFZV St. Hubertus Herne-Bochum-Gerthe blieb mit Skyrocket bei einer Zwei-Phasen-Springprüfung der Klasse A fehlerlos und wurde Sechste.
Mareen Flemming vom RFZV St. Hubertus Herne-Bochum-Gerthe blieb mit Skyrocket bei einer Zwei-Phasen-Springprüfung der Klasse A fehlerlos und wurde Sechste.
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Was wir bereits wissen
Am Ende ging alles gut. Trotz tropischer Hitze brachte die RSG Herne-Börnig ihr großes Sommerturnier ohne größere Probleme über die Bühne.

Wer seit 60 Jahren im Sattel sitzt und schon 1972 bei den Olympischen Spielen am Start war, dem machen 35 Grad im Schatten nichts aus. „Uns Alte stört das weniger“, sagt Hellmuth Gille und nippt an seinem Wässerchen. Der 76-jährige Reitlehrer des RV St. Hubertus Herne/Bochum-Gerthe, der in München mit der „Buschreiter“-Equipe der DDR Platz fünf belegte, hat es sich selbstredend nicht nehmen lassen, die benachbarte RSG Herne-Börnig bei deren Dressur- und Springturnier auf der Reitanlage Egert mit seiner Anwesenheit zu beehren – und ganz nebenbei noch bei wichtigen Prüfungen abzuräumen. Ein gut besetztes L-Springen entschied der kleine Altmeister mit Lady Shutter Speed für sich, bei der Zwei-Phasen-Springprüfung der Klasse A verpasste er mit demselben Pferd nur wegen der schlechteren Zeit einen weiteren Sieg und wurde Dritter.

Zu jung für ein M-Springen

Zum abschließenden M-Springen mit Stechen aber wollte er Lady Shutter Speed nicht mehr satteln. Nicht etwa wegen der Hitze, die war inzwischen auf ein erträgliches Maß geschrumpft. Sondern wegen des Alters – nicht seines, sondern dem seiner vierbeinigen Freundin. „Sie ist erst Sechs und geht erst seit einem Jahr A-Prüfungen“, schmunzelte Gille. Der Mann weiß, was er seinen Pferden abverlangen kann.

Das wussten auch viele andere. Und so tauchten gerade am brütend heißen Samstag etliche gemeldete Reiter nicht an der Sodinger Straße auf, und auch die Schar der Besucher hielt sich in Grenzen. „Schade“, meinte Hubert Borg, der Vorsitzende der ausrichtenden RSG, die sich mächtig angestrengt hatte, Teilnehmern wie Zuschauern optimale Bedingungen anzubieten. Was in seinen Kräften stand, hatte der Verein getan, aufs Wetter hatte er keinen Einfluss. „Das ist live, Reitsport im Hochsommer“, nahm Borg das Unabänderliche hin. „Was das Wetter angeht, war’s ein Chaosturnier.“

Am Donnerstagabend noch hatte man wegen der Hitzewelle eine Absage erwogen, nach vielen Gesprächen mit Tierarzt, Wertungsrichtern und weiteren Fachleuten am Freitag aber grünes Licht gegeben. Zusätzlich zu den üblichen Einrichtungen gab es Wasser für alle: Für die Pferde wurden Tränkeimer aufgestellt und ein weiterer Abspritzplatz eingerichtet. „Und für die Parcourshelferinnen haben wir einen Pool aufgebaut. Nach 20 Minuten Stangenauflegen wurden die Mädchen abgelöst und konnten in den Pool springen“, berichtete Dirk Egert von der Besitzerfamilie. Wenn trotzdem jemand die Kraft der Sonne unter- oder die eigene überschätzte, wachten zwei Sanitäter und Tierarzt Dr. Peter Tilkorn über die Gesundheit von Ross und Reitern. Und so ging dann auch dieses Hitzeturnier am Ende ziemlich problemlos über die Bühne.

Für die Kinder der RSG Börnig hatten die geringen Teilnehmerzahlen auch etwas Gutes: Sie waren in den Reiterwettbewerben fast unter sich und durften sich über viele Schleifen freuen. Einige Herner Reiterinnen wie Lisa Simonsmeier, Isabel Egert, Michelle Vierhaus (alle RSG), Lisa-Maria Sude oder Paula Noack (beide St. Hubertus) konnten sich auch in Prüfungen der Klassen A und L weit vorn platzieren.

Im M-Springen aber waren die auswärtigen „Profis“ unter sich. Drei der 24 Pferde blieben im Normalumlauf mit zwölf Hindernissen fehlerfrei. Zum Stechen musste Hermann Ostendarp (ZRFV Borken) seinen Lemon Tree nicht mehr bemühen. Er hatte sich schon mit Comander 6 Platz eins gesichert, zwei Hundertstel Sekunden vor Simply Red unter Alois-Adolf Schläger (Essen). Der ist mit 75 ein halbes Jahr jünger als Gille und ebenfalls fit wie ein Turnschuh. Respekt.