Favorit unter Druck
11.08.2009 | 16:42 Uhr 2009-08-11T16:42:00+0200
Knaller am Schloss Strünkede: Westfalia Herne empfängt den beim Start gestrauchelten Titelanwärter Sportfreunde Siegen.
Kaum läuft der Ball wieder, geht es Schlag auf Schlag. Drei Tage nach dem Auftaktspiel in Hüls (1:1) erwartet Westfalia Herne am Mittwoch um 19 Uhr am Schloss Strünkede den heißesten Titelfavoriten der NRW-Liga, die Sportfreunde Siegen. Lockt der heutige Knaller eine gut vierstellige Zuschauerzahl ins Stadion, schnappt sich der SCW zudem einen oder gar alle drei Punkte, könnte das die positive Herner Entwicklung beschleunigen, die schon in Hüls in Ansätzen zu sehen war.
Doch die Sportfreunde sind nicht irgendwer. Sie unterlagen zwar zum Auftakt daheim gegen Germania Windeck mit 2:3, aber bis auf das Ergebnis hatte der neue Trainer Jörg Jung kaum etwas zu bemängeln. Richtig flott sei die Kugel gelaufen, meinten Beobachter, und nur einige Abstimmungsfehler in der Innenverteidigung hätten einen verdienten Sieg verhindert. Auch die Kulisse passte mit 2500 Zuschauern, was die Siegener Sonderstellung in der Liga ebenso unterstreicht wie ihre jüngste Einkaufsliste. Mit Torhüter Christoph Müller, lange in Nürnberg unter Vertrag, Monir Ibrahim und Orhan Özkara kamen drei Stützen vom Regionalligaabsteiger Kleve, dazu von RW Oberhausen der talentierte Innenverteidiger Tino Westphal sowie Tim Reichert, ein Sechser, der in der letzten Saison 16 Oberhausener Zweitligaspiele mitmachte. Von Bayreuth bis Berlin war Manager Gerd Kehrberg auf Einkaufstour – kein Wunder, dass 13 der 18 NRW-Liga-Trainer die Siegener als Meistertipp nannten.
So wie Frank Schulz. „Das wird eine heiße, ganz schwere Partie”, sagt der SCW-Coach voraus. „Als Topfavorit können es sich die Siegener nicht erlauben, mit zwei Niederlagen zu starten. Sie werden alles versuchen, das zu verhindern.” Keine allzu gewagte Prognose. Und keine schlechte Ausgangsposition für die eigene Mannschaft. „Gegen so eine Truppe zu spielen, muss einfach Spaß machen. Und wir können zeigen, dass wir gegen eine hochfavorisierte Mannschaft bestehen können.”
Seine Überlegungen im taktischen und personellen Bereich behält Schulz wie gewohnt für sich. „Das muss ich dem Gegner ja nicht auf dem Silbertablett servieren.” Andererseits wird er die Siegener auch kaum überraschen können. Dreimal haben die den SCW in den letzten Wochen beobachtet, zuletzt in Hüls. Und weil dort vieles klappte, weil die Abwehr stabil stand, die Ordnung stimmte und der Ball oft auch schnell in die Spitze gespielt wurde, wird Schulz sicher nicht alles wieder umkrempeln. Wunschlos glücklich ist er dennoch nicht. „Wir müssen durchschlagskräftiger werden und unsere Konter besser ausspielen”, lautet seine Forderung. Wenn das klappt, ist vieles möglich.
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