Drozd übernimmt die Regie
08.06.2010 | 16:48 Uhr 2010-06-08T16:48:00+0200
Es ist ein wenig ruhig geworden um Hernes Bundesliga-Basketballerinnen, seit sie im Playoff-Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft nach zwei knappen Niederlagen gegen den TSV Wasserburg ausgeschieden sind. Spielerinnen wie Carlene Hightower, Brianne O’Rourke, Anica Tomic oder Minja Terzic sind direkt nach dem letzten Spiel wieder Richtung Heimat gedüst, und die Verantwortlichen wollten die Eindrücke einer ereignisreichen Saison erst einmal sacken lassen, um den Kopf frei zu bekommen für die Planung der neuen Spielzeit.
„Im Nachhinein bin ich mit der letzten Saison fast zufrieden“, blickt HTC-Trainer Marek Piotrowski trotzdem noch einmal zurück. „Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatten wir in der Rückrunde eine starke Mannschaft, die bis auf Saarlouis jeden Gegner schlagen konnte und auch geschlagen hat. Sicher hätten wir mit einer Nadzeya Drozd in der Verfassung des Vorjahres noch mehr erreichen können.“
Dass es immer weiter vorwärts, immer ein Stückchen näher Richtung Spitze gehen muss, diese seine eigene ehrgeizige Einstellung stellt Piotrowski inzwischen in Frage. Zu denken gibt ihm nicht zuletzt die jüngste Entwicklung beim Doublegewinner der letzten beiden Jahre: Die TV Saarlouis Royals haben bislang keine Lizenz für die neue Saison erhalten, weil sie in den letzten Jahren über ihre Verhältnisse gelebt und Schulden angehäuft haben sollen. Bespiele anderer Vereine wie Leipzig oder Oberhausen belegen, dass immer wieder Menschen der Versuchung erliegen, den Erfolg kaufen zu wollen. „Jetzt finde ich es gut, dass unser Vorstand da immer eine Bremse einbaut“, sagt Piotrowski. „Auch wir gehen Risiken ein, aber wir setzen nicht den ganzen Verein mit seiner tollen Jugendarbeit aufs Spiel.“
Mit diesen Gedanken hat Piotrowski zugleich einige Pflöcke für die neue Spielzeit eingeschlagen. Erstens: Der HTC plant erneut mit einem vergleichsweise kleinen Budget. Zweitens: Er setzt weiter auf die Jugendarbeit. „Hier wachsen eine Menge Talente heran, von denen einige in den nächsten Jahren den Sprung in die Bundesliga durchaus schaffen können“, sagt der Cheftrainer am Rande der DM-Zwischenrunde. Und meint damit nicht nur die U-15-Mädchen auf dem Parkett,. „Vier U17-Spielerinnen aus dem letzten WNBL-Team werden künftig mit dem Bundesligakader trainieren“, kündigt Piotrowski an. „Da können sie am meisten lernen und sich am besten entwickeln..“
Lernen können sie weiter von gestandenen Topspielerinnen. Zum Beispiel von Minja Terzic. Die Serbin hat als Centerin konstant auf hohem Niveau gespielt und dem Team auch als Person viel Halt gegeben. Sie hat noch ein Jahr Vertrag und ist fest für eine Führungsrolle vorgesehen.
Auch eine weitere Schlüsselposition ist bereits vergeben: Als Pointguard wird Nadzeya Drozd eine weitere Saison für den HTC auf Korbjagd gehen. „Wir sind froh, dass sie wieder für uns spielt und hoffen, dass wir wieder die Drozd aus der Spielzeit 08/09 sehen“, freut sich Piotrowski auf die weißrussische Ausnahmespielerin, die der Verein gegen Ende der letzten Saison frei gestellt hatte. „Wir haben alle Probleme ausgeräumt und machen jetzt einen Neuanfang.“ Am 15. Juni wird Drozd aus ihrer Heimat zurück erwartet und sofort ins Training einsteigen.
Dort wird sie mindestens drei weitere Bekannte treffen: Emina Karic, Sophia Mücke und Melina Müller sind noch bis 2012 an den HTC gebunden. Karic hat sich als Bundesligaspielerin längst etabliert, Mücke hat sich im Laufe ihrer ersten Erstligasaison kontinuierlich verbessert, und die 18-jährige Müller hat immerhin schon reingeschnuppert. „Alle drei werden einen weiteren Schritt nach vorn machen“, ist Piotrowski sicher.
Mit zwei Deutschen
Müssen sie auch - schon wegen einer neuen DBBL-Vorschrift. Künftig müssen in jeder Sekunde des Spiels mindestens zwei Deutsche auf dem Feld sein. „Damit sind deutsche Spielerinnen zu Topverdienerinnen der Liga geworden“, weiß Piotrowski um die Schattenseite einer Regelung, in der er aber auch einen Anreiz zur Verstärkung der Jugendarbeit sieht. „Und das kann dem deutschen Damenbasketball nur gut tun.“
Konsequenterweise plant der HTC die nächste Saison nicht mehr mit sechs, sondern nur mit vier Ausländerinnen. Dass neben Terzic und Drozd weitere bekannte Gesichter auftauchen, ist eher zweifelhaft. Katja Zberch hat inzwischen bei NB Oberhausen angeheuert, Carlene Hightower steht angeblich vor einer Rückkehr zum TSV Wasserburg, Anica Tomic hat sich nicht für einen neuen Vertrag aufgedrängt. Und weil Drozd wieder Regie führen soll, ist für einen weiteren Guard von der Qualität einer Brianne O’Rourke wohl kein Platz mehr im Kader.
Der soll bis zum Beginn der heißen Vorbereitungsphase Anfang August komplett sein. Von zwei Neuzugängen mit deutschem Pass fehlt nur noch die Unterschrift, bei den beiden offenen Ausländerpositionen sieht sich Piotrowski noch nicht in Zugzwang. „Wir haben gute Kontakte, aber warten noch ab. Ich denke, wir werden schon für einige Überraschungen sorgen“, schmunzelt der Magier.
23:45
Ich würde mir da auch keine Sorgen machen , spätestens im Januar wird bestimmt etwas Geld gefunden und wenns knapp sein sollte reagiert
17:24
Abwarten...;-)
16:32
Und Drodz ist keine ORourke
16:31
Ohne Hightower und O`Rourke wird es nur Mittelmaß geben.
08:39
Ohne eine geniale O´Rourke und eine sichere Zberch wird es sehr schwer, insbesondere bei Verletzungen. Hoffen wir das Mücke und Müller gut einschlagen. Karic bleibt hoffentlich noch viele Jahre eine feste Größe.