Zur Reaktion gezwungen
28.01.2009 | 20:05 Uhr 2009-01-28T20:05:03+0100Amateurvereine im Fußball beginnen mit der Organisation des Widerstands gegen ein Bundesligaspiel am Sonntag Nachmittag
FUSSBALL AMATEURE Die Erwägungen der Deutschen Fußball-Liga (DFL), sonntags ein Erstligaspiel um 15.30 beginnen zu lassen, bereitet den Amateurvereinen schon länger Sorgen. Weil in absehbarer Zeit eine Entscheidung zu erwarten ist, formulieren sie nun ihre Kritik.
Im Kreis Gelsenkirchen, Gladbeck, Kirchhellen hat schon ein Meinungsaustausch unter den Vereinen stattgefunden. Das Ergebnis: Die Klubs drohen, den ersten Spieltag der Kreisliga A zu boykottieren. Auch die Vertreter der Hattinger Vereine sind alarmiert. Fachschaftsleiter Egon Schmidt befürchtet verheerende Auswirkungen für den Amateurfußball: "Ich denke da auch an die Vereine mit Jugendabteilungen. Es besteht die Gefahr, das ein Jugendspieler in der Halbzeit seine Sachen packt und abhaut, um Bundesliga-Fußball zu sehen." Ganz ähnlich sieht es Georg Tietz von der SG Hill: "Ich spreche jetzt mal für meinen Verein: Wir spielen in der Kreisliga B, da sehen viele Spieler das eher als Hobby. Wir haben auch einige Dauerkartenbesitzer dabei. Deswegen befürchte ich, dass es Aktive geben wird, die nicht mehr zu ihrem eigenen Spiel kommen." Dramatische Auswirkungen könne es deshalb auch auf die Situation der Betreuer und ehrenamtlichen Helfer haben, so Tietz: "Immer mehr Ehrenamtliche sagen ja so schon: Wir haben keine Lust mehr." Deswegen fordern Schmidt und Tietz: "Der Profifußball darf sich weiterhin nicht terminlich mit dem Amateurbereich überschneiden."
Eines ist klar: "Wir müssen auf unseren Protest aufmerksam machen, das muss in die Presse und ins Fernsehen", sagt Georg Tietz. "Wir müssen zeigen, dass uns so was nicht egal ist." Deswegen wird es auf einer außerordentlichen Lokalkonferenz am 2. Februar in Bochum wohl auch hoch hergehen. "Ich könnte mir auch den Boykott eines Spieltages vorstellen", hat Tietz eine ähnliche Aktion wie die der anderen Kreise vor Augen, und fügt hinzu: "Ich bin mir sicher, dass sich dem alle Hattinger Vereine anschließen würden."
Hinter den Beschwerden der Amateurvereinen steht vor allem das Gefühl, dass ihre Belange die große Sportpolitik nicht interessieren. "Wenn ich mir unser Vereinskonto anschaue, dann sehe ich da nur Gelder, die zum Verband fließen", sagt Tietz. Und genau das sei ja auch der Sinn eines Sonntagsspiels: "Da geht es nur um Fernsehgelder." "Reinhard Rauball aus dem Vorstand der DFL kommt eigentlich von einem Bezirksliga-Verein. Ich weiß nicht, ob er daran gedacht hat, dass er den auch noch gleich mit kaputt macht", sagt Egon Schmidt.
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