Wachkamps Medaillenhunger nicht gestillt

Im Fitnessstudio bringt sich Kurt Wachkamp in Form. Mit Trainer Andreas Liedtke absolvierte er jetzt seine 1 000. Einheit.Foto:Manfred Sander
Im Fitnessstudio bringt sich Kurt Wachkamp in Form. Mit Trainer Andreas Liedtke absolvierte er jetzt seine 1 000. Einheit.Foto:Manfred Sander
Foto: WAZ FotoPool

Hattingen..  Erst vergleichsweise spät ist Kurt Wachkamp zu seinem sportlichen Hobby gekommen. Seit zehn Jahren nimmt der 64-jährige Strandsegler an hochkarätigen Wettkämpfen teil. Mit großem Erfolg. Kurt Wachkamp startete bei Welt- und Europameisterschaften und kehrte mit Edelmetall im Gepäck zurück. Medaillen gewinnen will auch er in diesem Jahr. Darauf hat er sich im Winter vorbereitet.

Weil sein Strandsegler zurzeit noch eingemottet ist, bringt sich der Architekt im Ruhestand durch Krafttraining in Form. Wachkamp geht regelmäßig ins Fitnessstudio, in diesem Monat absolvierte er seine 1000. Trainingseinheit.

Sein Ziel ist die Europameisterschaft, die im September im belgischen De Panne ausgetragen wird. Im März will Wachkamp in De Panne ein einwöchiges Trainingslager einlegen, danach fährt er seine erste Regatta des Jahres 2015. Ernst wird es dann im April, wenn es in St. Peter-Ording um Punkte für die Qualifikation zur Europameisterschaft geht. Unter die ersten Acht muss der Hattinger kommen, doch in dieser Hinsicht macht er sich keine Sorgen. „Das hat immer geklappt, das werde ich auch diesmal schaffen“, sagt ein Mann, den seine Erfolge selbstbewusst gemacht haben.

Konzentration auf eine Klasse

Wachkamp konzentriert sich in diesem Jahr auf die Regatten in der großen Klasse, auf die in der Klasse 2. Im vergangenen Jahr versuchte er auch einmal etwas Neues. Parallel fuhr er Rennen in der Kategorie der Mini-Yachten. Wie sich das anfühlt, weiß er nun. Und er weiß auch, dass er das nicht mehr braucht. „Das ist eher was für die jungen Leute“, so der Hattinger, der seine Medaillenchancen vor allem im Mannschaftswettbewerb sieht. Und das aus gutem Grund. „Es sind neue richtig gute Segler dazu gekommen, unsere Mannschaft wird in diesem Jahr noch stärker sein“, sagt Wachkamp. „Das wird noch komfortabler.“

Seine Erfahrungen auf internationaler Ebene haben den 64-Jährigen abgeklärter werden lassen. Er weiß, dass sein Sport auch gefährlich werden kann, immerhin erreichen die Segler Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h. Inzwischen wägt Wachkamp die Risiken ab. Im vergangenen Jahr verzichtete er so auf einen Start bei der Deutschen Meisterschaft. Die fand im Anschluss an die Weltmeisterschaft in den USA statt. Da hatte Wachkamp gerade erst die Hochgeschwindigkeitsrennen auf einem Salzsee in Nevada hinter sich gebracht. Dieses Abenteuer hatte ihn aber reichlich ernüchtert. Zu anspruchslos, aber auch zu gefährlich war es ihm.

Erst einen Tag vor der Deutschen Meisterschaft waren dann die Yachten in St. Peter-Ording eingetroffen. Es war also keine richtige Vorbereitung möglich. Zudem waren die Bedingen nicht gut. „Das war mir zu riskant“, sagt Wachkamp. „Man muss auch den Mut haben, nein zu sagen. Jüngere Sportler unterliegen wohl mehr dem Gruppenzwang.“

Strandsegeln ist ein anspruchsvoller Sport. Die Bedingungen ändern sich ständig. Zunächst einmal der Untergrund. Der Strand vor St. Peter-Ording zum Beispiel ist eine schwierige Strecke. Etwa fünf Kilometer sind bis zur Wendemarke zu bewältigen. „Außerdem wechseln die Bedingungen nach jeder Flut“, so Wachkamp. Der Strand vor De Panne, auf dem es nur zweieinhalb Kilometer bis zur Wende sind, sei dagegen leichter auszurechnen.

Und natürlich kommt es auf den Wind an. Drei Windstärken sind das Minimum, sonst bekommt man die Segler nicht richtig in Bewegung. Ab Windstärke sechs wird es gefährlich, bei Windstärke sieben geht nichts mehr. Extrem seien die Bedingungen im Jahr 2008 bei der Weltmeisterschaft in Argentinien gewesen, erinnert sich Wachkamp. „Der Wind kam in Böen vom Land her. Es wehte also nicht kontinuierlich, der Wind war kaum auszurechnen“, sagt der Strandsegler, der damals in Patagonien mit der Mannschaft Bronze gewann. Fünfmal gelang ihm dieses Kunststück schon bei Welt- und Europameisterschaften. In der Einzelwertung schrammte er dagegen ganz knapp am Edelmetall vorbei. Im Jahr 2010 war das, als er bei der Weltmeisterschaft in De Panne Vierter wurde.

Jetzt geht es also in die neue Saison. Mit großem Ehrgeiz, denn der Medaillenhunger von Kurt Wachkamp ist noch nicht gestillt.