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In der Dressurschule

05.07.2012 | 14:58 Uhr
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In der Dressurschule
Harmonie von Pferd und Mensch: Der siebenjährige Rocky hat unter seiner Reiterin Andrea Timpe schon viel gelernt.

Hattingen. Dennis Viebahn legt sich mit dem Oberkörper auf Quid’or, einen Fuß im Steigbügel. Das Pferd spitzt die Ohren, hört aufmerksam, was um ihn herum geschieht.

Quid’or ist ein sogenannter Remonte und befindet sich noch am Anfang seiner Ausbildung zum Dressurpferd beim Zucht-, Reit- und Fahrverein Hattingen und Umgegend (ZRFV Hattingen), der in Nierenhof beheimatet ist. Die Dressur-Ausbildung eines Pferdes beginnt mit ungefähr drei Jahren, wobei zunächst die Gewöhnung an Halfter und Co. und an einen späteren Reiter im Vordergrund steht. „Am Anfang geht es vor allem darum, Vertrauen zum Menschen aufzubauen“, erklärt Pferdewirtschaftsmeisterin Inge Wolters die Übung, die Viebahn, der beim ZRFV als Pferdewirt mit dem Schwerpunkt Reiten arbeitet, mit Quid’or zeigt.

Beim ZRFV Hattingen werden momentan circa 40 Pferde von sechs Ausbildern und einem Lehrling ausgebildet. Für den dreijährigen Quid’or geht es an der Longe im Kreis weiter. Sein Kopf ist dabei gesenkt und mit den Zügeln fixiert. So hat das Pferd schon die korrekte Haltung, um die Muskulatur richtig auszubilden. „Das ist wie bei anderen Spitzensportlern auch: Die müssen die Muskulatur richtig trainieren, um den Belastungen ihres Sports standzuhalten“, erklärt Wolters.

Als nächstes wird der fünfjährige „For the memory“ in die Halle geführt. Er ist schon wesentlich weiter in seiner Ausbildung und kann schon viele Lektionen zeigen. Was für den Laien tänzerisch elegant und so gar nicht natürlich wirkt, ist laut Wolters keineswegs wider die Natur: „Das sind alles Bewegungen, die Pferde auch in freier Wildbahn machen würden“. Grundlegend beim Dressurreiten sei, dass die natürliche Veranlagung des Tieres gefördert werde. „Dressurreiten hat nichts mit Dressieren zu tun, dressiert wird im Zirkus“, sagt Wolters.

Bei der Ausbildung zum Dressurpferd gehe es mehr um die systematische „Gymnastizierung“. So ist ein Unterschied zwischen dem dreijährigen Quid’or und dem zwei Jahre älteren „For the memory“ auch für den Laien leicht erkennbar – die Muskulatur des älteren Pferdes ist wesentlich ausgeprägter.

Ständiges Wiederholen der Übungen

„Dass ‘For the memory’ breiter und muskulöser ist als Quid’or, liegt also nicht daran, dass er mehr zu Fressen bekommt, sondern daran, dass er schon länger trainiert wird“, sagt Carola Timpe, die beim ZRFV ausbildet, aber selbst auch erfolgreiche Dressurreiterin ist und lacht.

Die als „Lektionen“ bezeichnete Schrittfolgen, Bewegungsabläufe und Übungen führen die Pferde aufgrund von minimalen Signalen, genannt „Hilfen“, ihrer Reiter aus. „Hier gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten“, erklärt Ausbilder Dennis Viebahn, „die Gewichtshilfe, bei der der Reiter über eine Verlagerung seines Körpergewichts mit dem Pferd kommuniziert, die Schenkelhilfe, bei der die Signale an das Tier mit den Beinen gegeben werden und die Zügelhilfe“. Durch ständiges Wiederholen und Üben bekommen die Pferde in ihrer Ausbildung vermittelt, zu welcher Hilfe welche Bewegung gehört. Dabei lernten manche Tiere schneller, mache langsamer; das sei auch eine Frage der Veranlagung, so Timpe. „Jedes Pferd hat einen eigenen Charakter, darauf muss man bei der Ausbildung eingehen.“

Und wenn ein Pferd lernunwillig ist? „Das ist ganz schlicht pädagogisch, wie bei Kindern auch – es gibt Lob und Belohnung, wenn etwas richtig gemacht wird“, erklärt Wolters. Wichtig ist ihr, dass die Ausbildung der Tiere ohne jeglichen Zwang geschehe. Die Basis der „Hilfen“ hätten die voll ausgebildeten Tiere alle verinnerlicht, sagt Carola Timpe: „So kann im Profisport theoretisch jedes Pferd von jedem Reiter geritten werden.

Langjährig aufgebautes Vertrauen

Allerdings gibt es natürlich individuelle Feinheiten bei der Ausführung der Hilfen“. Deswegen sei die Verbindung zwischen Pferd und Reiter auch so wichtig. „Das ist Teamarbeit, die auch auf langjährig aufgebautem Vertrauen basiert“.

So ist für alle Ausbilder die Vorstellung, dass beispielsweise ein Anfänger ein Grand Prix Pferd reitet, eher amüsant: „Das ist so, als wenn sie einen Fahranfänger an das Steuer eines Ferraris lassen“, sagt Inge Wolters lachend, „die voll ausgebildeten Pferde reagieren eben auf kleinste Signale ihres Reiters.“

Großes Turnier am Wochenende

Über den Dressursport näher informieren können sich Interessierte am kommenden Wochenende. Denn am 7. und 8. Juli findet auf der Anlage am Balkhauser Weg wieder das traditionelle Turnier des ZRFV Hattingen statt. Mit dabei sind Reiter aus Italien, Spanien und sogar Südafrika. Von Prüfungen der Klassen L geht es aufwärts bis zur schwersten Dressur Kl. S*** Grand Prix Kür, die als Höhepunkt am Sonntagnachmittag stattfinden wird.

Jule Körber

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