Frauen hören besser zu

Celia Sasic (links) gehört nach Ansicht von TSG-Trainer Andreas Krüger zu den besten Spielerinnen im deutschen Team. Das Bild zeigt die Stürmerin mit Torhüterin Nadine Angerer nach dem Sieg im Viertelfinale gegen Frankreich.Foto: DPA
Celia Sasic (links) gehört nach Ansicht von TSG-Trainer Andreas Krüger zu den besten Spielerinnen im deutschen Team. Das Bild zeigt die Stürmerin mit Torhüterin Nadine Angerer nach dem Sieg im Viertelfinale gegen Frankreich.Foto: DPA
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Sprockhövel..  Deutschlands U 21 hat sich bei der Europameisterschaft in Tschechien nach einem blamablen 0:5 gegen Portugal aus dem Turnier verabschiedet, Deutschlands Frauen hingegen haben bei der WM in Kanada nach dem Elfmeter-Krimi gegen Frankreich weiterhin beste Chancen auf den Titel.

Dieser Meinung ist auch Andreas Krüger, Trainer der Fußballerinnen der TSG Sprockhövel und gleichzeitig ein absoluter Fachmann in Sachen Frauenfußball. Der 50-Jährige war vor seinem Engagement bei der TSG Torwart-Trainer beim Frauen-Bundesligisten SG Essen-Schönebeck und davor der Cheftrainer des Regionalliga-Teams der Essenerinnen. Aktuell ist er zudem als Torwart-Trainer in der Jugendabteilung des VfL Bochum aktiv.

Krüger ist ein bekennender Freund des Frauenfußballs. „Mir hat die Arbeit immer sehr großen Spaß gemacht“, sagt er und nennt dann auch gleich ein paar Gründe. „Bei den Männern gibt es gelegentlich im Training auch blöde Sprüche, Frauen hören dagegen besser zu, Frauen haben meist eine bessere Einstellung, und Frauen setzen die vorgegebenen Trainingsinhalte schneller um“, sagt Krüger, der auch Erfahrungen im Männer-Fußball gesammelt hat. Zum Beispiel bei TuRa Rüdinghausen, beim FC Kray oder auch beim FC Iserlohn.

Am Frauenfußball schätzt er auch die Leidenschaft. „Frauen spielen ja fast ausschließlich deshalb Fußball, weil es ihnen Spaß macht. Auch der Zusammenhalt ist manchmal größer“, so Krüger. „Bei den Männern geht es ab einer gewissen Spielklasse fast nur noch um die Kohle. Das muss man einfach so sagen. In Essen-Schönebeck standen Spielerinnen im Team, die eigens aus Holland angereist sind und dafür nur einen minimalen Betrag für das Spritgeld bekommen haben.“

Auch in Sachen Fitness stellt Krüger den Frauen ein großes Lob aus. „Man muss natürlich immer den Aufwand, der letztlich betrieben wird, zu Grunde lagen“, sagt der Coach. „Und wenn man den als Maßstab nimmt, dann sind die Frauen erstaunlich fit.“ In Sachen Kraft, Kondition und Schnelligkeit gibt es natürlich aber auch Grenzen, das hat Andreas Krüger auch in seiner Zeit beim Bundesligisten SG Essen-Schönebeck erlebt. „Wenn es dann gegen einen A-Jugend-Landesligisten geht, dann ist schnell das Ende der Fahnenstange erreicht. Halt wegen der Körperlichkeit“, so Krüger.

Glücklicker Sieg gegen Frankreich

Auch bei den Torhüterinnen sieht Krüger noch Defizite. „Das liegt wohl daran, dass auf die Ausbildung in einigen Ländern nicht so viel Wert gelegt wird“, sagt der Trainer, der gerne auch Lisa Weiß von der SG Essen-Schönebeck bei der WM gesehen hätte. „Lisa hat aber ihre eigene Meinung“, so Andreas Krüger. „Vielleicht kam das bei der Bundestrainerin nicht so gut an. Kurz vor dem Turnier wurde sie aus dem Kader gestrichen.“

Doch zurück zur WM: Der deutschen Nationalelf traut Andreas Krüger am Mittwoch einen Sieg gegen die USA und damit den Einzug ins Endspiel zu. Und in dem könnte Japan, das am Donnerstag auf England trifft, der Gegner sein. „Allerdings muss sich die Mannschaft steigern“, sagt Krüger. „Der Sieg gegen Frankreich war sehr glücklich. Und auf das Glück sollte man sich nicht verlassen.“