Der Letzte macht das Licht aus

Mit einer plakativen Kampagne wirbt der DFB für seine Amateure. Die fühlen sich jedoch im Stich gelassen.Foto:Martin Möller
Mit einer plakativen Kampagne wirbt der DFB für seine Amateure. Die fühlen sich jedoch im Stich gelassen.Foto:Martin Möller
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Die Gedankenspiele über eine weitere Streckung der Bundesliga-Spieltage verärgern die heimischen Amateur-Fußballer.

Hattingen/Sprockhövel..  Der englische Fußball hat es vorgemacht, und die Verantwortlichen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) schauen neidvoll auf die Insel. 9,5 Milliarden Euro kassieren die Vereine der Premier League in den kommenden drei Jahren aus der TV-Vermarktung. Und auch die DFL will jetzt mehr. „Wir sind mit Blick auf unseren neuen TV-Vertrag bereit, notfalls auch unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen“, sagt Christian Seifert, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga. Im Klartext heißt das: Der Bundesliga-Spielplan könnte noch weiter gestreckt werden. Bei den Amateurvereinen stoßen diese Gedankenspiele nur auf wenig Begeisterung.

„Ich habe neulich irgendwo gelessen, dass es zu einem Tabubruch käme, wenn die Bundesliga jetzt auch am Montagabend spielte“, sagt Jürgen Meister, Vorstandsmitglied des Oberligisten TSG Sprockhövel. „Diesen Satz habe ich, ehrlich gesagt, nicht ganz verstanden. Den Tabubruch hat es schon vor Jahren gegeben, als die Sonntagsspiele eingeführt wurden. Das hat uns damals richtig weh getan. Früher hieß es immer, der Sonntag gehört den Amateuren, aber diese Zeiten sind lange vorbei.“

Wenn die Bundesliga nun auch den Montagabend belegen wolle, interessiere ihn das dagegen weniger, so Meister weiter. „Da spielen wir ja ohnehin nicht. Und es ist auch egal, ob Hoffenheim oder Freiburg spielen, aber wenn Dortmund, Schalke und Bochum im Einsatz sind, dann merken wir das schon.“

Brief an den DFB-Präsidenten

Günter Ecker, Fußball-Abteilungsleiter des TuS Hattingen, hatte schon nach Einführung der Sonntagsspiele vor einem Einbruch der Zuschauerzahlen bei den Amateuren gewarnt. Damals hatte er einen Brief an den damaligen DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger geschrieben. Der schrieb auch zurück – mit der Empfehlung, dass die Amateure auf die Wochentage ausweichen sollten. „Nachdem ich dann geantwortet habe, dass viele Spieler berufstätig sind und dass man von Auswärtsspielen manchmal erst kurz vor Mitternacht wieder zurück ist, habe ich dann nichts mehr gehört“, sagt Ecker, der sich keine Hoffnungen macht, dass das Rad noch einmal zurückgedreht wird. „Die Profis organisieren sich selbst“, sagt er. „Die feiern sich selbst, und sie feiern ihre tollen Stadien. Die brauchen uns nicht mehr. Die Talente gehen schon im Kindesalter in die Fußball-Internate, so eine Karriere wie sie früher Uwe Neuhaus (spielte früher für TuS Hattingen und VfL Winz-Baak; d. Red.) gemacht hat, gibt es nicht mehr. Den Profivereinen sind die Amateure egal, wahrscheinlich gibt es irgendwann die Empfehlung, dass wir den achten Tag der Woche nutzen sollen.“ Beim TuS Hattingen seien nach Einführung der Sonntagsspiele die Zuschauerzahlen um 30 Prozent zurückgegangen, so der Abteilungsleiter.

Bedenken hat auch Bertold Pieper, Fußball-Abteilungsleiter der Sportfreunde Niederwenigern. „Da gibt es vom DFB Kampagnen wie „Unsere Amateure, echte Profis“, doch man ist dabei, uns das Wasser abzugraben“, sagt Pieper, der mit seinen Sportfreunden noch in einer vergleichbar komfortablen Situation ist. „Wir hatten hier am Sonntag beim Spiel gegen Hedefspor 200 Zuschauer“, sagt Pieper. „Und das bei einem Testspiel. Doch in unteren Klassen sieht es sicherlich anders aus. Da macht dann irgendwann der Letzte das Licht aus.“ Pieper sieht auch die Gefahr, wenn die Profis unter der Woche spielen. Allerdings nicht wegen der dann ausbleibenden Zuschauer bei den Amateuren. „Es geht auch um die Spieler“, sagt Pieper. „Die wollen ja auch Fußball gucken. Und wenn es hochklassige Spiele gibt, geht auch die Trainingsbeteiligung zurück.“

So sieht es auch Ulrich Jeromin. Der Vorsitzende des Fußballkreises Bochum diskutierte noch am Montagabend im Vereinsheim des VfB Langendreerholz über dieses Thema. Zur Gesprächsrunde gehörte auch der Präsident der Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen, Hermann Korfmacher. „Wir reden zurzeit über Dinge, die erst in knapp drei Jahren aktuell werden“, so Jeromin. „Denn die alten Fernsehverträge laufen bis dahin noch. Man kann sich aber schon vorstellen, in welche Richtung es gehen wird. Das Geld spielt eine große Rolle. Bei den Amateuren müssen wir dann nicht nur auf die Bundesliga-Spiele am Sonntag schauen, sondern auch auf die unter der Woche. Was meinen Sie denn, was los ist, wenn am Montagabend Dortmund gegen Schalke spielt. Dann kommt kaum noch ein Amateurspieler zum Training.“