Der kleine Unterschied

Hasan Ülker ist in dieser Szene zwar schneller als sein Gegenspieler, hatte sonst aber meist das Nachsehen.
Hasan Ülker ist in dieser Szene zwar schneller als sein Gegenspieler, hatte sonst aber meist das Nachsehen.
Foto: Fischer / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Trotz einer ordentlichen ersten Halbzeit verlor die TSG Sprockhövel mit 0:4 gegen den neuen Tabellenführer Erndtebrück. Jimmy Antwi-Adjej spiele stark auf, wurde aber zum tragischen Helden.

TSG Sprockhövel -
TuS Erndtebrück 0:4 (0:2)

Tore: 0:1/0:3Wassinger (13./81.), 0:2 Schattner (38.), 0:4 Böhmer (86.)
TSG: Knieps – Balaika, Kwadwo, Meister, Hodzic – Wasilewski, Dudda (72. Akyürek) – Antwi-Adjej (72. Karaca), Heiserholt, Ülker – Bukowski.
TuS: Hammel – Lima Ribeiro, Schattner, Wasem, Tuysuz – Kaminishi, Ziegler – Lubaca (75. Nakai), Kadiata – Waldrich (75. Böhmer), Wassinger (84. Schilamow).

Das war nichts: Nur kurz durfte die TSG Sprockhövel von der Überraschung gegen Aufstiegskandidat TuS Erndtebrück träumen. Am Ende stand ein 0:4, das allerdings zu hoch ausfiel, weil die TSG in der ersten Hälfte gut mithielt – allein die miese Chancenverwertung verhinderte ein offenes Spiel. „Deshalb steht Erndtebrück oben und wir unten“, erklärte TSG-Trainer Robert Wasilewski: „Wir lassen Riesenmöglichkeiten liegen, Erndtebrück trifft mit der ersten Chance. Das ist der kleine Unterschied.“

TuS trifft mit dem ersten Schuss

Und der entscheidende, wie der Blick auf die Anzeigetafel bewies. Erndtebrück eroberte das Baumhofstadion spätestens nach dem zweiten Tor mit der Selbstverständlichkeit einer Spitzenmannschaft, die zwar nicht ihren besten Tag erwischt hatte, aber trotzdem keine Zweifel am Auswärtssieg zuließ.

Zu Beginn trat die TSG mutig auf, störte den Gegner schon vor der Mittellinie. Erndtebrück wirkte fahrig und hatte Glück, dass Torwart Florian Hammel in höchster Not vor Jimmy Antwi-Adjej klärte. Auf der Gegenseite zeigte sich dann der von Wasilewski angesprochene Unterschied: Lima Ribeiro zog eine Flanke von links mit rechts auf den langen Pfosten, Knieps zögerte, Kwadwo verschätzte sich, Erndtebrücks Torjäger Laurenz Wassinger köpfte das 1:0. Der erste Angriff des TuS brachte direkt die Führung, die TSG erfuhr bitter, was die alte Floskel „im Stile einer Spitzenmannschaft“ bedeutet.

Das ist die TSG nämlich nicht: Antwi-Adjej schoss im unmittelbaren Gegenzug viel zu unplatziert, die Versuche von Dudda und Ülker in den folgenden Minuten waren harmlos. Anstatt wie zu Spielbeginn mit flachen, schnellen Pässen Erndtebrück auszuspielen, versuchte die TSG es immer mehr mit langen Bällen, es war das falsche Rezept: Erndtebrück erlangte Spielkontrolle, Innenverteidiger Waldemar Schattner traf nach einer Ecke zum 2:0. Wieder vergab Antwi-Adjej nur eine Minute später die Chance auf die direkte Antwort, diesmal per Flugkopfball. Der Außenstürmer wurde so zum tragischen Helden, er war zwar der Beste in Gelb-Blau, machte aber zu wenig aus seinen Chancen. „Wir konnten mit dem 2:0 zur Pause glücklich sein“, meinte TuS-Trainer Florian Schnorrenberger, „Sprockhövel hätte jeweils direkt zurückkommen können.“

Kamen sie aber nicht und nach der Pause genau so wenig: Erndtebrück kontrollierte die TSG ohne allzu hohen Aufwand, erneut Wassinger und der eingewechselte Philipp Böhmer erhöhten in den Schlussminuten auf 4:0 – beim letzten Tor sah Knieps nicht gut aus. Er konnte einen Freistoß direkt in die Tormitte nicht abwehren, was aber Nebensache war.

Mit Leroy Kwadwo, Simon Bukowski und Finn Heiserholt hatte Wasilewski von Anfang an auf drei A-Jugendliche gesetzt, Emre Karaca wurde als Vierter eingewechselt. „Ich kann von 18 oder 19-Jährigen nicht erwarten, das Spiel gegen eine Topmannschaft zu drehen“, sagte der Trainer nachher. Er schien trotz des deutlichen Ergebnisses nicht allzu enttäuscht: „Das Ergebnis ist ein bisschen zu hoch. In der ersten Halbzeit war nicht alles schlecht, in der zweiten kam dann offensiv zu wenig. Ich kann den Jungs aber keinen Vorwurf machen.“