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Bald fünfmal um die Erde

21.09.2011 | 18:00 Uhr
Bald fünfmal um die Erde

Jürgen Borgmann hat mal nachgerechnet. An ungefähr 4100 Tagen hat er bis heute im Ruderboot gesessen. Das sind gut elf Jahre, wie der Hattinger feststellt. „Ein bisschen bekloppt muss man schon sein“, fügt der 68-Jährige schmunzelnd hinzu.

Jürgen Borgmann hat mal nachgerechnet. An ungefähr 4100 Tagen hat er bis heute im Ruderboot gesessen. Das sind gut elf Jahre, wie der Hattinger feststellt. „Ein bisschen bekloppt muss man schon sein“, fügt der 68-Jährige schmunzelnd hinzu.

Oder einfach nur ruderverrückt. Rund 176 000 Kilometer hat der begeisterte Wanderruderer vom Hattinger RV seit 1980 in den Booten zurückgelegt, vom Einer bis Achter. Und das in mehr als halb Europa. Litauen, Kroatien, Italien, Frankreich, England, Ungarn, Tschechien sind nur einige der bereisten Länder.

Sogar in Ägypten, auf dem Nil, zog er die Blätter. Oft mit dabei seine Frau Cäcilia, die er 1970 im HRV kennenlernte. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie den Rudersport 2005 aufgeben. Einige Wimpel an der Wand erinnern an die Ägypten-Reise. „Wir sind dort abends entweder vom Bürgermeister oder dem Gouverneur der Provinz empfangen worden“, sagt Borgmann schmunzelnd. Alles hoch offiziell.

Weniger staatstragend ging es in Polen zu Zeiten des Eisenern Vorhangs zu. Auf der Autobahn-Raststätte hing Zeitungspapier abgezählt an einer Leine – als Klopapier. „Wer Landdienst hatte, musste durch drei Dörfer fahren, bis er eine Kiste Bier für alle zusammenhatte“, erzählt der Maschinenbau-Ingenieur lachend.

Immer mit dabei, die Zelte. Oft wird in der wilden Natur gecampt. Gerade die Ruhe und natürliche Umwelt begeistern Jürgen Borgmann. „Man hört kein Auto und es ist Natur pur“, sagt der Vater einer Tochter. Da macht es auch nichts, dass auf einer Mehr-Tages-Tour häufig schon um 5 Uhr die Nacht zu Ende ist. Aufstehen, frühstücken, frisch machen, Zelte abbauen und einladen. Da ist es schnell 8 Uhr, bevor die mehrköpfige Crew ins Boot einsteigt. Und dann bis zu zehn Stunden auf dem Wasser fährt.

Die Hausstrecke von Jürgen Borgmann liegt auf dem Rhein. Von Bonn nach Neuss – 83 Kilometer. Regelmäßig finden sich Ruderbegeisterte aus der Region, teilweise kommen sie sogar aus Bremen, Oldenburg und Berlin, um dort gemeinsam die Ruder durchs Wasser zu ziehen. Abwechselnd übernehmen die Ruderer dabei den Landdienst. Fahren den Materialwagen oder sorgen sich ums Essen. „Ich habe mal einen Stempel Bonn – Neuss fürs Fahrtenbuch geschenkt bekommen“, erzählt der 68-Jährige grinsend. Damit er nicht immer jede Fahrt von Hand eintragen muss.

Mehr Preise gibt’s nicht

Borgmann hat den den dritten Äquatorpreis mit Goldener Nadel vom Deutschen Ruderverein erhalten. Mehr gibt’s nicht. Zumindest offiziell. Er hat sich eine vierte Ehrengabe (inoffiziell) besorgt. Die geforderten Kilometer hat er locker zusammen.

Nicht so viel aber wie sein Freund Christoph Stephan (Neuss). „Der bastelt im Moment an seinem 14. Äquatorpreis.“ Vierzehn Mal um die Erde. „Für ihn hatte der Verband schon überlegt, einen Mondpreis auszugeben“, lacht Jürgen Borgmann, der nicht nur beim HRV, sondern auch noch beim TV Kupferdreh, Homberger RK und Drum 80 Mitglied ist.

„Ich habe schon viele Flüsse abgeklappert“, sagt Borgmann. Auf heimischem Gewässer, dem Baldeneysee, hat er eine neue Riege aufgemacht. Unter anderem mit einem 91- und einem 85-Jährigen im Boot. „Der 91-Jährige kommt mit dem Bus zum See, anschließend fahren wir ihn ins Altenheim zurück.“

Rudern hält offensichtlich fit. Auch Borgmann ist noch drahtig. Und in ihm brennt noch die Begeisterung, Neues zu entdecken: „Wenn mir einer die USA anbieten würde, ich würde mitmachen.“ Auch Rom würde ihn reizen.

Demnächst will Jürgen Borgmann ein neues Fahrtenbuch anfangen. Endlos Platz für neue Fahrten.

Rupert Joemann



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