Wetteraner tingelt durch die Fußball-Welt

Heiner Backhaus trainiert momentan Inter Leipzig. Hier im Derby gegen Chemie Leipzig.
Heiner Backhaus trainiert momentan Inter Leipzig. Hier im Derby gegen Chemie Leipzig.
Foto: imago/Picture Point WP
Heiner Backhaus hat als Kind beim TuS Wengern vor den Ball getreten. Es folgte eine Karriere mit über 20 Clubs in zahlreichen Ländern.

Wengern/Leipzig..  Es hätte anders kommen können in Heiner Backhaus Fußball-Karriere, davon ist er überzeugt: „Wenn ich bei Schalke geblieben wäre, wäre ich Profi geworden.“ Doch als 16-Jähriger wechselt er vom königsblauen Revierclub zu Werder Bremen, findet nie wirklich Anschluss, verpasst den Durchbruch in Deutschland und wird zum fußballerischen Wandervogel. So steht er zum Beispiel in Hongkong, Saudi Arabien oder Malta auf dem Platz. Mittlerweile versucht er sich als Trainer beim FC Inter Leipzig in der sechsten Liga. „Meine Heimat bleibt aber Wetter“, sagt Backhaus. Hier ist er aufgewachsen, hat beim TuS Wengern vor den Ball getreten und „hier kommen die schönsten Frauen her“. Fußballer-Humor – den verändert die Welt nicht.

Nächte verbringt er im Hotel

Wir erreichen Heiner Backhaus zwischen zwei Trainingseinheiten in einem Leipziger Hotel, in dem er momentan seine Nächte verbringt. „Unser Sponsor stellt mir und ein paar Spielern die Unterkunft zur Verfügung“, erklärt er am Telefon. Wirklich sesshaft wird der Wandervogel dann scheinbar doch erstmal nicht. Und auch den FC Inter Leipzig, für den Backhaus als Trainer an der Seitenlinie steht, kann man nicht als ganz normalen Verein bezeichnen. Der Club existiert erst seit etwa einem halben Jahr. Gegründet hat Backhaus ihn gemeinsam mit seinem Kumpel Christian Meyer. „Wir wollten einen Verein schaffen, der eine soziale Aufgabe übernimmt“, betont der Wetteraner. Das Spielrecht hat Inter vom SV See 09 übernommen und konnte so direkt in der sechsten Liga starten – dort steht die Mannschaft auf dem zweiten Tabellenplatz.

„Da ich in der ganzen Welt vernetzt bin, habe ich viele Spieler in unseren Verein gelockt“, erklärt Backhaus. Diese stammen etwa aus Spanien, Argentinien oder Japan und sehen Leipzig als Sprungbrett für die große Profikarriere. Sie wollen das, was Heiner Backhaus nicht geschafft hat: „Ich habe irgendwann gemerkt, dass es fußballerisch nicht für die Bundesliga reicht.“ Deswegen beschließt er damals, sein Geld nicht in der dritten oder vierten Liga zu verdienen, sondern die Welt zu entdecken. So wird er etwa Meister auf Malta mit dem FC Valetta, wechselt danach zum SC Kitchee in Hongkong und trägt das Trikot von Olympiakos Nikosia auf Zypern. „Jedes Land hat sicherlich seine Vorzüge, mir ging es aber vor allem um den Fußball“, erklärt Backhaus und ergänzt: „20 Jahre lang nur bei einem Verein zu spielen, das hätte mich nicht erfüllt.“ Deswegen fällt es auch schwer, keinen Verein in der Karriere des 33-Jährigen zu vergessen – es sind über 20 Clubs, verteilt auf der ganzen Welt.

Osterhase wird zum Verhängnis

Wenn man nach Informationen über die Profikarriere von Heiner Backhaus sucht, findet man verschiedenste Anekdoten. Den Präsident von Union Berlin soll er mal als „Osterhasen“ bezeichnet haben, die fristlose Entlassung folgte. „Ich bin sicher auch angeeckt, was nicht immer förderlich war“, sagt Backhaus heute. Und wenn er über den Fußball – „So wie Pep bei Bayern München“ – spricht, den er mit Inter Leipzig spielen will, wird sein nicht allzu kleines Ego deutlich.

Angefangen gegen den Ball zu treten hat Heiner Backhaus aber beim TuS Wengern. Noch heute leben seine Großeltern in dem wetterschen Stadtteil: „Dort hole ich meine Kraft, wobei es nach vier bis fünf Tagen auch wieder genug ist, dann zieht es mich weiter.“ Im vergangenen Jahr trainierte er während einer Auswärtstour mit seiner Mannschaft auf dem Brasberg. „Ich habe beim Verein angerufen und wir konnten ohne Probleme auf den Platz. Das war klasse“, sagt Backhaus.

Länger als ein Jahr

Möglicherweise kehrt er irgendwann wieder zurück in die Ruhrstadt oder es zieht ihn doch zu einem Verein ins Ausland. Erstmal will er mit Inter Leipzig Erfolge feiern und vielleicht mal länger als ein Jahr bei einem Club bleiben.