„Westfalenliga war eine Herausforderung“

Rainer Beckert, SV Hohenlimburg 1910
Rainer Beckert, SV Hohenlimburg 1910
Foto: WP

Hohenlimburg..  „Sport und Karriere“ lassen sich nicht immer verbinden. Aber es gibt genug Beispiele, dass es funktionieren kann. So bei Rainer Beckert, Co-Trainer des Fußball-Landesligisten SV Hohenlimburg 1910. Er wird zwar am Saisonende aus beruflichen Gründen aufhören, aber der 54-jährige Kriminalhauptkommissar war fast drei Jahrzehnte lang – mit Unterstützung seiner Ehefrau Gaby und den Kindern Marcel und Charline – als Trainer tätig. Es geht also! Dieser Zeitung hat er verraten wie.

Herr Beckert, wie haben sich Sport und Ihr zeitaufwendiger Beruf so lange verbinden lassen?

Rainer Beckert: Manchmal frage ich mich das auch. Das geht natürlich nur, wenn die Familie mitmacht. Da hatte ich ja das Glück, dass erst Marcel und später Charline Fußball gespielt haben und das immer noch tun. Aber es hat viel Spaß gemacht. Ich hatte ja auch Erfolg, und das macht alles leichter.

Was waren Ihre Stationen als Spieler?

Ich habe in der Jugend von Eintracht Hohenlimburg angefangen, ehe mich Gerd Tauer 1975 zum SV Hohenlimburg 1910 als Torwart geholt hat. Ich habe in der ersten Mannschaft in der Bezirksliga gespielt. Nach einer Ellenbogenverletzung bin ich ins Feld gewechselt, musste dann mit 27 Jahren nach einer Knieverletzung aufhören. Ich habe dann noch ein Jahr mit Willi Strüwer in der dritten Mannschaft des SV 1910 gespielt.

Und als Trainer?

Hartmut Kittner und Alfred Hermann haben mich angesprochen, ob ich bei den Minikickern mal helfen könnte. Da hat mein Sohn angefangen. Aus dem ,mal helfen’ wurde dann die Hauptverantwortung. Ich bin dann mit meinem Sohn sämtliche Jugendaltersklassen durchlaufen. Danach wollte ich eigentlich aufhören, bin dann aber bei Alfredo Pais in der SV 1910-Reserve eingestiegen. Zunächst als Co-Trainer, als Alfredo zu Hagen 11 gewechselt ist, als erster Mann. Aber das ging nur eine Saison, die Belastung war zu hoch. Danach war ich noch 1,5 Jahre bei SF Geweke und 1,5 Jahre beim FSV Witten, jeweils als Co-Trainer.

Und dann zurück zum SV 1910?

Richtig, das war vergangene Saison in der Westfalenliga und noch einmal eine Herausforderung. Außerdem liegt ja das Kirchenbergstadion direkt vor meiner Haustür.

Wollten Sie immer schon zur Polizei?

Ich bin ausgebildeter Maschinenschlosser. Ich wollte eigentlich Ingenieur werden, aber dann kam die Bundeswehr dazwischen. Anschließend war ich beim Bundesgrenzschutz und danach beim Land NRW.

Was waren ihre größten sportlichen Erfolge?

Als Spieler war ich in der A-Jugend Kreismeister und Pokalsieger, wir sind bis in die Landesliga durchmarschiert. Als Erfolg werte ich auch, dass ich mich nach der Ellenbogen-Verletzung noch zum Feldspieler umgeschult habe. Als Trainer habe ich mit der Jugend diverse Titel geholt. Die Tätigkeit in der Westfalenliga beim SV Hohenlimburg war trotz des Abstiegs auch eine schöne Sache.

Gehört der Abstieg zu Ihren sportlichen Enttäuschungen?

Der Abstieg war keine Enttäuschung. Nach der Hinrunde war die Situation eigentlich aussichtslos, aber die Jungs haben eine klasse Rückrunde gespielt und wir hätten es fast noch geschafft. Ansonsten gab es in meiner Laufbahn eigentlich keine großen Enttäuschungen. Niederlagen gehören eben dazu.

Wie reifte der Entschluss, zum Saisonende aufzuhören?

Eigentlich war geplant, dass ich zu Auswärtsspielen gar nicht mitfahre, was ich jetzt aber tue. Roman Reichel braucht einen zweiten Mann, der ständig da ist. Durch viele Überstunden und Bereitschaftsdienste wird das immer schwerer. Das kann ich meiner Frau nicht mehr länger zumuten. Außerdem möchten meine Kinder auch, dass der Vater mal zuschaut. Marcel spielt in Garenfeld, Charline in Holzwickede. Ich war mehr als 25 Jahre Trainer, da darf man auch aufhören.

Gibt es einen Rücktritt vom Rücktritt? Wird man Sie noch mal im Kirchenbergstadion antreffen?

Einen Rücktritt vom Rücktritt schließe ich aus. Vielleicht einmal die Woche mal helfen, wenn Not am Mann ist, aber das war es dann auch. Ich werde mir sicherlich noch Spiele der Mannschaft im Kirchenberg angucken, aber nicht jeden Sonntag.