Verfolgungsjagd von zwei Schalke-Fans endet in Sackgasse

Für zwei Schalke-Anhänger endete der Besuch eines Bundesligaspiels in der Veltins-Arena am 21. Februar mit einem bösen Nachspiel in Wengern.
Für zwei Schalke-Anhänger endete der Besuch eines Bundesligaspiels in der Veltins-Arena am 21. Februar mit einem bösen Nachspiel in Wengern.
Foto: Imago
  • Quartett im Auto jagt alkoholisierte Schalke-Anhänger durch Wengern
  • Die Bedrohten wehren sich - und landen vor Gericht
  • Richter stellt Verfahren wegen geringer Schuld ein und tadelt die „Jäger“

Wetter..  In einer Februarnacht fühlten sich vier junge Männer dazu auserkoren, in Wengern für Ordnung zu sorgen. Sie jagten zwei alkoholisierte Schalke-Fans mit dem Auto durch den Ort und bauten eine Drohkulisse auf. Als die Verfolgten im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Rücken zur Wand standen, wehrten sie sich und zwar nachhaltig. Jetzt hatte der Fall ein juristisches Nachspiel.

Ein versehentlich oder mutwillig umgestoßene Mülltonne hatte den Stein am 21. Februar ins Rollen gebracht. Das Quartett im Auto hatte den Vorfall beobachtet und kam nicht etwa auf die Idee, die Polizei zu rufen. Die Vier wollten die Sache offenbar selbst regeln. Das, was dann kam, kann nur mit dem Wort Verfolgungsjagd beschrieben werden. Sie fuhren hinter den 24- und 25-jährigen Fußballfans her und, darf ihren Gegnern Glauben geschenkt werden, auch gerne rasant und mit aufheulendem Motor. Der Sturz eines Gejagten und zwei Aufforderungen, sie doch bitte in Ruhe zu lassen, fruchteten offenbar nicht. Auch die Versuche der Gegner, sie abzuhängen, waren nicht von Erfolg gekrönt. In einer Sackgasse eskalierte die Situation.

Auto und Fahrer erhielten Schläge

Die beiden jungen Männer, die in dieser Lage ebenfalls nicht daran dachten, die Polizei zu rufen, hatten aus ihrer Sicht die Wahl zwischen einem eher erfolglosen Verstecken oder der Möglichkeit, nun selbst aktiv zu werden. Fatalerweise entschieden sie sich für die zweite Variante. Auto und Fahrer erhielten Schläge. Am Pkw entstand ein Schaden von etwa 3000 Euro und der Fahrer, so der spätere Klinikbefund, erlitt eine Gesichtsprellung.

Wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung saßen die gejagten Fans nun im Amtsgericht auf der Anklagebank. „Die wollten uns Angst machen“, betonte einer. Die Verfolger hätten unter anderem geäußert: „Gleich knallt es.“ Das Ganze sei ein „schmutziges, ekliges Gefühl“ gewesen. Der Andere erklärte, dass sie in der Sackgasse Furcht gehabt hätten, „jetzt richtig was auf die Mappe zu kriegen“. Allerdings waren sich beide auch darüber im Klaren, dass ihre Reaktion falsch war. „Ich weiß, dass das total überzogen und daneben war.“ Wer von ihnen wann und wohin schlug, konnten sie nicht sagen. Später hätten sie in der Zeitung etwas über den Zwischenfall gelesen. Da seien sie zur Polizei gegangen. „Wir wollten Gerechtigkeit.“

Anklage, Verteidigung und Gericht verzichteten unter den gegebenen Umständen darauf, die Gegner zu hören. Das Verfahren wurde ohne Auflagen eingestellt. Allerdings redete Richter Christian Potthast Tacheles, in erster Linie an die „Jäger“ gewandt: „Das ist hart an der Grenze zur Nötigung. Das war schlicht und ergreifend eine Verfolgungsjagd. Wenn man zwei offensichtlich Betrunkene in eine Sachgasse jagt – das geht so nicht. Letztendlich haben Sie sich selbst als Ordnungshüter aufgespielt, um zwei alkoholisierte Fußballfans zu disziplinieren.“

Sicherlich gehe es auch nicht, dass sie dann ihrerseits angegriffen hätten. Und das hätten sie auch mit Bedauern eingeräumt. Ihre Schuld sei hier aber als gering anzusehen. Sein Rat richtete sich an beide Seiten: Beim nächsten Mal sollten Sie die Polizei rufen.“

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