TuS Ferndorf hat VfL Eintracht bei 31:21-Sieg fest im Griff

Meist hatte die Ferndorfer Abwehr Matthias Aschenbroich und seine Eintracht-Kollegen gut im Griff. Hier packt Heider Thomas zu.Foto:Biene Hagel
Meist hatte die Ferndorfer Abwehr Matthias Aschenbroich und seine Eintracht-Kollegen gut im Griff. Hier packt Heider Thomas zu.Foto:Biene Hagel
Was wir bereits wissen
Die Spieler klatschten sich auf der Bank ab, die Fans erhoben sich und applaudierten stehend. Schon Minuten vor Schluss war Feier-Abend in Ferndorf.

Kreuztal.. Der Sieg des gastgebenden TuS im Handball-Südwestfalenschlager gegen den Drittliga-Rivalen VfL Eintracht Hagen stand längst nicht mehr in Frage, offen war nur noch, ob er mit ein- oder zweistelliger Differenz ausfallen würde. Am Ende durften die rund 1000 Fans der Gastgeber einen 31:21 (14:10)-Erfolg beklatschen. Rund 100 mitgereiste Eintracht-Anhänger konnten es nicht fassen.

Keinen Zugriff auf den Gegner

„Es gibt solche Tage. Die eine Mannschaft bekommt keinen Zugriff auf den Gegner, die andere spielt sich in einen Rausch.“ Als Trainer von Oberligist TuS Volmetal war Stefan Neff ein objektiver Beobachter in der Halle Stählerwiese. „So etwas passiert im Sport. Lars Hepp hat alles probiert, es zu verhindern, mit Umstellungen in der Abwehr wie im Angriff.“

Keine Maßnahme des Eintracht-Übungsleiters fruchtete. Zum einen weil die Ferndorfer zwei überragende Akteure in ihren Reihen hatten. Lukas Puhl hielt mehr als 20 Bälle, Regisseur Simon Breuer lief zur Höchstform auf und erzielte allein zwölf Treffer. „Für Puhl hat es mich gefreut, ihn habe ich zwei Jahre in der Gummersbacher Jugend trainiert“, so Stefan Neff. Kollege Hepp hatte seine eigene Erklärung für die herausragende Statistik des Ferndorfer Schlussmanns: „Wir hatten besprochen, dass man gegen ihn nicht flach werfen soll, aber die Spieler haben noch in der 55. Minute versucht, ihm unten einen reinzuwurschteln.“ Nicht die einzige Fehlleistung, die zur „Watschen“beitrug, wie Hepp die Zehntore-Packung nannte.

Einziger Ausgleich des VfL beim 2:2

Nur ein einziges Mal, zum 2:2 durch Marius Kraus, konnten die als verlustpunktfreier Spitzenreiter angereisten Eintrachtler ausgleichen. Danach gab es kein Halten mehr, über 5:2, 9:4 und 12:6 zog der TuS davon. Äußerst druckvoll in der Abwehr, sehr ideenreich im Angriff, so präsentierte sich das zuvor schon viermal in Folge siegreiche Team von Trainer Erik Wudtke. Immer wieder fand Ferndorf Lücken in der Hagener Abwehr, hinter der Tobias Mahncke vor der Pause gar nicht schlecht parierte. Was mit der Grund dafür war, dass die Gäste zur Halbzeit noch halbwegs auf Tuchfühlung waren.

Nach Wiederanpfiff schien es so, als trüge Hepps Pausenansprache Früchte. Mehrmals wurde in der Abwehr der Ball erobert. „Aber die Spieler sind dann wie von der Tarantel gestochen nach vorne gerannt“, musste der Hagener Übungsleiter mit ansehen, wie der Ball genauso schnell durch technische Fehler wieder verdaddelt wurde.

Drei Breuer-Treffer in Serie zum 16:12

Als Ferndorfs überragender Feldspieler Simon Breuer nach dem 16:12 drei Tore in Serie draufpackte, war das schon die Vorentscheidung. Mit jeder Minute schienen Kapitän Jens Reinarz, der das Ruder nicht an sich reißen konnte, und seine Kollegen weniger an die Wende zu glauben. Die Ferndorfer dagegen wurden immer euphorischer. Auch die Bankspieler fügten sich angesichts des näher rückenden Triumphes nahtlos ein.

„Wir waren heute in allen Belangen unterlegen“, gab Andreas Griesel, Sportlicher Leiter des VfL, am Ende unumwunden zu. „Ferndorf wollte den Sieg mehr. Was für uns jetzt zählt ist wie sich die Mannschaft am Freitag gegen Korschenbroich präsentiert.“

VfL Eintracht Hagen: Mahncke, ab 46. Conzen; Pütz, Hinkelmann, Krause, Rink, Tebbe (2), Renninger (3), Aschenbroich (3), Reinarz (7/5), Kraus (1), van Walsem, Sonnenberg (5), Ciupinski.

TuS Ferndorf: Puhl, Wellen (bei einem Siebenmeter); Keusgen, John, Koke, Breuer (12/4), Thomas, Weis (4), Johnen (3), Reuter (2/2), Bettig, Barkow (1), Schneider (1), Mestrum (6).

Kommentar: Abhaken, aufstehen und alles geben

Man kann verlieren, auch mal hoch. Wichtig ist, dass man wieder aufsteht. Dies war der Tenor nach der 21:31-Schlappe des bis dahin verlustpunktfreien Handball-Drittliga-Spitzenreiters VfL Eintracht Hagen in Ferndorf. Dass mit der Abfuhr die Tabellenspitze an Krefeld abgegeben wurde, ist sekundär.

Was zählt wird sein, wie sich die Mannschaft am kommenden Freitag beim Heimspiel gegen Korschenbroich präsentiert. Die Gäste haben am Wochenende auch gepatzt, sie haben überraschend zu Hause gegen Soest verloren.

Überraschend?

Für Ferndorfs Trainer Erik Wudtke gibt es in dieser Saison kaum Favoriten - und folglich auch kaum Überraschungen. Die aktuellen Ergebnisse des Wochenendes stützten seine Einschätzung. Dazu gehörten die Niederlage der stark gestarteten Schalksmühler in Wiesbaden genauso wie die 26:33-Schlappe des bisherigen Tabellenzweiten Zweibrücken in Gladbeck. Jedes Team muss sich jeden Sieg hart erkämpfen.

Ferndorf hat in dieser Saison schon zweimal gepatzt. Der VfL Eintracht will die zweite Saisonschlappe noch eine Weile vermeiden. Das Ferndorf-Spiel abhaken, aufstehen und in den nächsten Spielen alles geben - so kann es gehen. Rainer Hofeditz