TSV Berge-Westerbauer bewegt die Menschen

Kraftmaschinen gibt es nicht im BiB-Zentrum des TSV Berge-Westerbauer. Stattdessen kommen teilweise Bälle, Kleinhanteln und dergleichen zum Einsatz.
Kraftmaschinen gibt es nicht im BiB-Zentrum des TSV Berge-Westerbauer. Stattdessen kommen teilweise Bälle, Kleinhanteln und dergleichen zum Einsatz.
Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen..  Mit rund 350 Mitgliedern ist der TSV Berge-Westerbauer ein relativ kleiner Verein. Im Bereich Gesundheitssport ist der Klub aus dem Hagener Westen aber ganz groß. Ein Riese geradezu, der ein rasantes Wachstum hinter sich hat.

Alles begann im Jahr 2008 mit der Zuwanderung einer Diabetes-Sportgruppe von einem anderen Verein. Das Bewegungsangebot für Diabetiker gibt es immer noch, zudem inzwischen mehr als 20 weitere Gruppen, in denen Präventions- und Rehabilitationssport betrieben wird. Das Ganze ist heute eine eigene Abteilung, die einen nicht nur in Haspe bekannten Namen hat: „BiB - Bewegung in Berge“. Was schwerpunktmäßig im rund 300 Quadratmeter großen BiB-Zentrum in der Vollbrinkstraße 3 geschieht.

Hierhin ist man im vergangenen Sommer umgezogen, weil das erste im Jahr 2011 bezogene BiB-Domizil am Hasper Hüttenplatz in eine Kindertagesstätte umgewandelt wurde. Aber die Gemeinnützige Wohnstätten Genossenschaft (GWG) sorgte für Ersatz. Die heutigen Räumlichkeiten beherbergten einst ein Textilgeschäft, wie TSV-Klubchef Dieter Friedhoff zu berichten weiß. Beim Umbau für die sportliche Nutzung konnten er und BiB-Abteilungsleiterin Eveline Lausch ihre Vorstellungen mit einfließen lassen. Farben, Vorhänge und Bodenbeläge laden zum Wohlfühlen ein. Durch das Einziehen einer Wand entstanden ein kleiner und ein großer Raum, der gerade mit einer Bühne ausgestattet wird, außerdem wurden Toiletten installiert. „Ich hoffe, dass wir dieses Dach über dem Kopf lange behalten“, sagt Dieter Friedhoff.

Allein elf Osteoporose-Gruppen

Bei vollem Sportbetrieb sind pro Woche an die 300 Personen im BiB-Zentrum aktiv. Längst nicht alle Klubmitglieder: „Leute, die mit einer ärztlichen Verordnung zum Rehasport kommen, dürfen wir ja nicht in unseren Verein drängen“, erläutert der 1. Vorsitzende. Dass mal einer hängen bleibt, weil es ihm so gut gefällt, ist eher die Ausnahme. Allerdings, erzählt Eveline Lausch, komme es häufiger vor, dass Rehasportler nach Ende eines Kurses mit einer neuen Verordnung zum nächsten wiederkommen. Und was die Vereinsmitglieder betrifft, die ja auch im BiB-Zentrum aktiv sind, so sei der familiäre Wohlfühlfaktor unübersehbar: „Man freut sich, wenn man sich sieht.“

Ein Angebotsschwerpunkt der „Bewegung in Berge“ ist die Wirbelsäulen-Rehabilitation. Allein elf Osteoporosegruppen sind pro Woche im Hasper Zentrum aktiv. Hinzu kommen zwei Wirbelsäulengymnastik-Präventionskurse. Vier speziell geschulte Physiotherapiekräfte sind in den Bereichen Reha- und Präventionssport im Einsatz.

Darüber hinaus reicht die Palette der BiB-Aktivitäten von den B-O-P (Bauch-Oberschenkel-Po)-Gruppen mit insgesamt 60 Teilnehmern über Frauenpower bis Männerfit. Ein Teil des Angebots findet in diversen Hasper Turnhallen statt, Reha-Diabetes beispielsweise auch in der Hasper Bezirkssportanlage.

Lungensport in Vorbereitung

„Als wir 2011 richtig anfingen, haben wir uns gesagt, wir wollen in Haspe etwas bewegen“, denkt Abteilungsleiterin Eveline Lausch zurück, die mit drei Gruppen begann. „Wir wollen den Leuten im wahrsten Sinn des Wortes auf die Füße helfen.“ Dass dies zunehmend gelingt, ist für sie wie für den 72-jährigen Klubchef Dieter Friedhoff ausreichend Belohnung für das zeitaufwendige Engagement, das von der Abrechnung mit den Krankenkassen bis zu „Hausmeistertätigkeiten“ im BiB-Zentrum reicht. „Es ist schön zu sehen, dass die Leute zufrieden zu uns kommen und glücklich nach Hause gehen“, so Lausch.

Einig sind sich Klubvorsitzender und Abteilungschefin darüber, dass Stillstand Rückschritt ist. „Man muss die Angebote immer weiterentwickeln“, sagt Friedhoff. Trends kippen, neue Bedürfnisse tauchen auf. Ab dem 3. Juni wird der TSV Berge-Westerbauer im Pflegewohnstift Harkorten Orthopädie-Rehasport „auf dem Stuhl“ anbieten. Im August kommt als weiteres Reha-Angebot „Lungensport“ hinzu. Atemwegspatienten und Lungenerkrankte, die schnell in Luftnot geraten, gehen körperlicher Betätigung meist aus dem Weg. Dieser Kreislauf soll durchbrochen werden.

Das große Gesundheitssportangebot des kleinen Vereins wird also weiter wachsen. Ein Wachstum, das vielen Menschen gut tut.

Krankenkassen achten auf Qualitätssiegel

„Der gesamte Bereich ist im Kommen! Es gibt immer mehr Vereine, die sich einbringen.“ Verena Pickshaus ist zwar erst seit Jahresbeginn beim Stadtsportbund Hagen Fachfrau für „NRW bewegt seine Kinder“, „Bewegt gesund bleiben“ und „Gesund älter werden“, aber von einem unverkennbaren Trend kann die Handballerin schon berichten. Sie ist das Bindeglied zwischen den heimischen Vereinen und jenen Organisationen, bei denen die Angebote der Klubs zertifiziert werden können.

Das Qualitätssiegel „Sport Pro Gesundheit“, wurde vom Deutschen Olympischen Sportbund und der Bundesärztekammer entwickelt. Es wird von einer zentralen Prüfstelle vergeben, wenn Kriterien wie entsprechende Ausbildung der Übungsleiter für die angebotenen Schwerpunkte (Herz-Kreislauf, Muskel- und Skelettsystem etc.), geeignete Räumlichkeiten und Materialien erfüllt sind. Sport Pro Gesundheit-Angebote können bis zur 100 Prozent von den Krankenkassen bezuschusst werden.

Informationen über die Angebote der heimischen Vereine gibt es in einer Broschüre mit dem Titel „Bewegt GESUND bleiben in NRW“, die beim Stadtsportbund Hagen (Freiheitsstraße 3 in Hohenlimburg) erhältlich ist. Grundsätzlich wird zwischen Präventionssport (Vorbeugung) und Rehabilitationssport (Wiederherstellung) unterschieden. Die einzelnen Angebote sind vielfältig und reichen von Aquafitness über Herzsport bis zu Krebsnachsorgeaktivitäten. In der heute beginnenden Serie informieren wir über den großen Bereich „Gesundheitssport“.