Trotz Äppelwoi ein eingefleischter Eintracht-Fan

Karsten Menzel ist seit 1974 Fan der Frankfurter Eintracht.
Karsten Menzel ist seit 1974 Fan der Frankfurter Eintracht.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Die meisten Jungs in seinem Alter begeisterten sich seinerzeit für den Bomber Gerd Müller und den Kaiser Franz Beckenbauer. Doch Karsten Menzel zeichnete schon damals, bei der Fußball-WM 1974, ein sehr eigener Geschmack aus: „Ich fand Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein gut.“ Was mit einer Schwärmerei für die beiden Frankfurter Weltmeister begann, hat sich zu einer echten Leidenschaft entwickelt: Auch 41 Jahre später ist Menzel noch immer eingefleischter Eintracht-Fan.

Wir schreiben das Jahr 2015. Karsten Menzel und sein Vater Wolfgang sitzen im Keller und hören eine alte Radioaufzeichnung des Bundesliga-Finales der Saison 1998/99, als die Frankfurter so gut wie abgestiegen waren. „Sie mussten mit vier Toren Unterschied gewinnen“, denkt der 50-Jährige zurück, während sich die Stimme des Reporters im Hintergrund ob der unglaublichen Dramatik im Abstiegskampf überschlägt. Und was unmöglich erschien, passierte: Jan Age Fjörtoft traf kurz vor Schluss zum 5:1 für die Frankfurter, die somit tatsächlich den Klassenerhalt schafften. „Geil“, lautet Menzels trockener Kommentar.

Der Ur-Hohenlimburger ist den heimischen Sportfans vornehmlich als Bundesliga-Wasserballer und Galionsfigur des HSV bekannt. Doch in jungen Jahren war das Wasser noch nicht sein Element; vielmehr spielte er Handball und Fußball beim SV Hohenlimburg 1910. Klar, dass der Allroundsportler so auch die große Fußballbühne stets im Blick hatte. Gern erinnert er sich an einzigartige Momente seines Lieblingsvereins, wie jene Szene im Jahr 1979, als der auf dem Hosenboden sitzende Hölzenbein gegen Dynamo Bukarest den Ball per Kopf ins Tor beförderte.

Kritik an der Finanzpolitik

Einige Jahre war Menzel sogar Mitglied bei der Eintracht – und Spiele seines Vereins besucht er ohnehin häufiger; sowohl in Dortmund, Schalke oder Leverkusen als auch in Wattenscheid, wo er einst direkt neben „dem schönen Eintracht-Präsidenten“ Matthias Ohms saß. Und auch der Frankfurter Commerzbank-Arena stattete er so manchen Besuch ab. „Das ist ein tolles Stadion“, befindet der Hohenlimburger – um sogleich einschränkend hinzuzufügen: „Auch wenn es an einigen Ständen nur Äppelwoi gibt.“ Kritik übt er zudem an der Finanzpolitik des hessischen Clubs: „Die Stadt bietet eigentlich hervorragende Möglichkeiten, aber der Verein hat in den vergangenen Jahren jede Menge Geld verbrannt.“

Nichtsdestotrotz durfte der 50-Jährige seit 1974 vier DFB-Pokalsiege sowie einen Erfolg im UEFA-Cup bejubeln. Eine Deutsche Meisterschaft blieb ihm indes verwehrt: Den einzigen nationalen Meistertitel errangen die Frankfurter 1959. Doch Menzel wäre nicht Menzel, könnte er dem nicht sogar etwas Positives abgewinnen: „Immerhin geht es uns besser als Schalke. Die waren 1958 das letzte Mal Meister.“

Wie es sich für einen echten Fan gehört, besitzt er zahlreiche Devotionalien; dazu gehört ein Schal, auf dem zu lesen ist: „Wenn ich einmal sterbe, begrabt mich in Frankfurter Erde.“ Ob der eingefleischte Hohenlimburger das aber wirklich ernst meint, bleibt abzuwarten.