Stolte verabschiedet sich auf dem Höhepunkt

Der FC Wetter 10/30 steigt mit einem 3:0-Sieg gegen die SG Hemer in die Fußball-Landesliga auf.
Der FC Wetter 10/30 steigt mit einem 3:0-Sieg gegen die SG Hemer in die Fußball-Landesliga auf.
Foto: Valentin Dornis
Walter-Julius Stolte, Vorsitzender des FC Wetter, zieht aus gesundheitlichen Gründen die Reißleine und tritt zurück. Nachfolger wird Marc Albert.

Wetter..  Eigentlich läuft auf dem Harkortberg gerade alles rund. Die erste Fußball-Mannschaft des FC Wetter steigt nach 105 Jahren in die Landesliga auf, der Kader für die kommende Spielzeit kann sich schon jetzt sehen lassen, und auch die Jugendabteilung professionalisiert sich weiter. Doch mitten in den Höhenflug platzt eine kleine Bombe: Der Vorsitzende Walter-Julius Stolte legt aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder. Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Marc Albert.

Warnung des Arztes

Der Abschied beginnt mit einer Gelben Karte. Die bekommt Stolte von seinem Arzt. „Er meinte, dass ich irgendwann körperliche Probleme bekommen werde. Ich müsste also selber verantworten, ob ich weiter als FC-Vorsitzender arbeiten möchte“, sagt der bald 72-Jährige. Zum Gespräch hat er ins Vereinsheim „Zum Berggeist“ eingeladen, das unter seiner Regie restauriert wurde. Neben ihm liegt sein Smartphone, der ehemalige Verkaufsmanager einer Schokoladenfirma und Hotelinhaber ist immer mit der Zeit gegangen.

Doch die Warnung seines Arztes nimmt Stolte ernst: „Ich habe den Vorstand zusammengerufen und wollte nur noch ein halbes Jahr tätig sein.“ Doch als ihm kurz darauf bei einem FC-Spiel schwindelig wird, er die Tribüne hinunter fällt und sich nur mit Glück keinen Knochen bricht, ist klar: „Es macht keinen Sinn mehr.“ Auf dem Höhepunkt muss der Vorsitzende aufhören. „Das schmerzt, ist doch klar“, sagt Stolte.

Demografischer Wandel

2011 hat er sein Amt mit einem großen Ziel übernommen: Der FC Wetter soll modernisiert werden. Der Unternehmer denkt analytisch: „In einem Verein gibt es heutzutage mehrere Probleme: den demografischen Wandel, die Ganztagsschule und die Technik.“ Deswegen soll der FC Wetter attraktiver werden. In seiner Amtszeit beginnt die Jugendoffensive 2020, in der die Kinder gemeinsam mit der Sekundarschule in Wetter ganzheitlich gefördert werden. Es wird die Bonuscard eingeführt, mit der FC-Mitglieder Vergünstigungen bei Unternehmen in der Stadt bekommen. Außerdem werden alle Jugendtrainer besser qualifiziert. Stolte: „Wir müssen uns fragen, was sind die Bedürfnisse des Nachwuchses?“

Die Maßnahmen tragen Früchte. Im Jugendbereich kann sogar wieder eine Meisterschaft (D-Jugend) gefeiert werden. „Wir sind auf einer guten, erfolgreichen Welle momentan“, sagt Stolte, dem aber ganz wichtig ist zu betonen: „Das alles geht nur mit einem starken Team. Wir haben hier Top-Leute, die alle im Verein groß geworden sind.“

Deswegen ist auch schnell ein Nachfolger für Walter-Julius Stolte gefunden worden. Marc Albert, bisheriger Stellvertreter, übernimmt das Amt. „Er hat die Fähigkeiten, ich wünsche ihm alles Gute“, sagt sein Vorgänger, dem Albert einige Jahre über die Schulter schauen konnte.

Vereinsheim gepachtet

Außerdem bleibt Stolte dem FC noch erhalten. Das Vereinsheim „Zum Berggeist“ hat er schließlich selbst gepachtet, deswegen geht er nach wie vor fast jeden Tag rauf auf den Harkortberg. „Ich wünsche mir, dass die Kontinuität bleibt und sich der Verein weiterentwickelt“, betont Stolte. Vielleicht kann er dann auch irgendwann den Westfalenliga-Aufstieg feiern, nicht als Vorsitzender sondern als Vereinsheim-Pächter. Viel wichtiger wäre ihm aber, dass die Jugend erfolgreich spielt.