Sport stärkt auch vorbelastetes Herz

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Hagen..  Die Teilnehmer dieser Sportgruppe haben eine besondere Vorgeschichte. „Man darf sich nichts vormachen: Viele waren schwer krank, hatten einen oder mehrere Herzinfarkte“, weiß Übungsleiterin Kerstin Meyer: „Dass sie heute wieder mit so viel Spaß zusammen Sport machen können, ist einfach nur schön.“ Die Trainingsgruppe der Herzsportgruppe des SC Concordia Hagen, um die es hier geht, umfasst bis zu 30 Sportler zwischen 50 und 85 Jahren. Das Alter ist der Gruppe aber nicht immer anzumerken. Kerstin Meyer: „Manchmal geht es hier zu wie in der Schule.“

Was passiert im Kurs?

Bevor es los geht, erfolgt erst ein Gesundheits-Check durch Dr. Rüdiger Meyer. Bei allen Teilnehmern wird der Blutdruck genommen. „Dabei kann man auch immer gut einmal in jedes Gesicht schauen und sehen, ob alles in Ordnung ist“, sagt der Arzt. Nachdem alle Teilnehmer nach Leistungsniveau in zwei Gruppen geteilt wurden, werden Karten mit Aufgaben an sie verteilt. So weiß jeder, was er im Notfall zu tun hat. Dr. Meyer: „Wir können wirklich auf Holz klopfen, in den letzten 25 Jahren kam es nicht einmal zum Extremfall, nur zu kleineren Sportverletzungen.“

Danach geht es dann los mit dem Aufwärmprogramm: Laufen, gehen, Arme kreisen, vier Schritte vor, zwei zurück, bevor Übungsleiterin Kerstin Meyer kreativ wird: Die Sportler sollen in unterschiedlichen Kleingruppen eine von ihr aufgemalte Figur ablaufen. Vor der Übung muss natürlich erstmal die Kunstfertigkeit der Übungsleiterin beurteilt werden. „Das Ganze hat etwas von einem Elefanten - dann aber von einem ohne Rüssel.“ Bei dem Bild Krone sind sich dann alle einig: „Also wir haben eindeutig die schönste.“ Nach verschiedenen Spielen mit Soft-Frisbees endet die Übungseinheit mit einer Dehnübung.

Wir wirkt sich Training aus?

Das Herzsporttraining hilft den Teilnehmern, unter fachmännischer Aufsicht und in angepasster Menge Sport zu treiben und so ihr Herzkreislauf-System zu stärken. „Früher war man der Ansicht, dass man mit einem schwachen Herz keinen Sport machen sollte. Davon ist man heute abgewichen“, weiß Dr. Meyer, „auch mit einer Vorbelastung kann man Sport machen um seinen Körper und sein Herz zu stärken.“ Natürlich sollte dieses Training wohl dosiert und unter Aufsicht stattfinden.

Neben den gesundheitlichen treten auch die sozialen Aspekte nicht zu kurz: „Wir sind eine richtige Gemeinschaft hier, jeder wird herzlich aufgenommen“, weiß Wilfred Eisenberg, der seit 1995 der Gruppe angehört. Und Marianne Malsbrender, die sich nach zwei Herzinfarkten und drei Bypässen der Herzsportgruppe des SC Concordia angeschlossen hat, nimmt dafür seit 15 Jahren jeden Dienstag den Weg aus Hohenlimburg nach Hagen auf. Nicht nur, wenn Kurse stattfinden: „Wenn Ferien sind, gehen wir um den Hengsteysee oder treffen uns in privater Runde.“

Wie sind die Rahmenbedingungen?

Bei jeder Übungseinheit sind ein Arzt und geschultes Übungspersonal anwesend. Auch auf Notfallkoffer und Defibrillator wird nicht verzichtet (Meyer: „Bisher kam beides Gott sei Dank noch nicht zum Einsatz“). Neben den Sicherheitsmaßnahmen wird jedem Teilnehmer besondere Aufmerksamkeit zu Teil. Jeder verfügt über eine eigene Kursmappe, die eine Pulskarte beinhaltet sowie persönliche Daten über Diagnosen, Medikamente, Hausärzte, Belastbarkeit sowie Entlassungen aus Reha-Aufenthalten. „Natürlich ist es viel Papierkram, aber so können wir immer optimal nachvollziehen, wie sich ein Sportler entwickelt“, weiß Kerstin Meyer: „Und falls es ihm schlecht geht, schauen wir, wie seine Werte in den letzten Wochen waren.“

Wann wird trainiert?

Trainiert wird außerhalb der Ferien an jedem Dienstagabend von 20 bis 21.30 Uhr in der Sporthalle des Fichte-Gymnasiums.