Sina Schielke kehrt zum TSV Herdecke zurück

Die Medien liebten Sina Schielke, die auch deswegen während ihrer Sprintkarriere mit lukrativen Werbeverträgen belohnt wurde.
Die Medien liebten Sina Schielke, die auch deswegen während ihrer Sprintkarriere mit lukrativen Werbeverträgen belohnt wurde.
Foto: imago sportfotodienst
Sie war der Star der Laufbahn, doch erlebte auch eine Karriere mit vielen Tiefen. Nun hilft Schielke ihrem Heimatverein.

Herdecke..  Vielleicht hat Sina Schielke „zu schnell gemacht“. Nach ihrer Leistungsexplosion wurde die Leichtathletin in den Profisport hineinkatapultiert. Das war 1999. Es folgten Deutsche Meistertitel, eine Silbermedaille bei den Europameisterschaften, aber auch zahlreiche Verletzungen. Eine Karriere mit Höhen und Tiefen, die durch Fotos für den Playboy von der deutschen Öffentlichkeit sicherlich noch etwas genauer beobachtet wurde. Und heute? Da sitzt Sina Schielke in ihrem Herdecker Haus und bereut nichts: „Ich hatte eine schöne Zeit.“

Große Fußstapfen

Es passt zu der 33-Jährigen, dass sie ohne Scheu und Zurückhaltung in ihr Zuhause an der Schanze einlädt. An den Wänden hängen zahlreiche Bilder ihrer sechjährigen Tochter, die dabei ist, in die großen Fußstapfen ihrer Mutter zutreten. Zumindest nimmt sie nun auch am Leichtathletik-Training des TSV Herdecke teil. Dem Verein, „dem ich sehr viel zu verdanken habe“. Hier begann die Karriere von Sina Schielke. Und hier kehrt sie nun zu ihren Wurzeln zurück: „Ich werde den TSV bei der Pressearbeit unterstützen.“ Sie will etwas zurückgeben, denn vom Bleichstein aus eroberte die Herdeckerin die deutsche Sportwelt.

Sina Schielke war dabei mehr als eine schnelle Sprinterin. Sie war der Blickfang der Laufbahn. Auf der Internetseite der Bild-Zeitung wurde sie 2002 zur zweiterotischsten Frau Deutschlands gewählt. Das Fachmagazin Leichtathletik bezeichnete sie als „schön schnell“. Für den Kölner Express war sie ein „Glamour-Girl“. Schielke war mit ihrem Rückentattoo und Bauchnabelpiercing der ideale Star der Medien. Und die Herdeckerin spielte dieses Spiel mit. Sie ließ sich für Männermagazine wie den Playboy und Maxim ablichten. Das alles sorgte für eine enorme Popularität und lukrative Sponsorenverträge. „Ich habe gut gelebt“, berichtet Schielke.

Dabei darf bei dem ganzen medialen Schein nicht in Vergessenheit geraten, dass hinter der Sprintkarriere viel Arbeit steckte. „Ich musste mich quälen“, sagt Schielke: „Wenn meine Freunde ausgegangen sind, konnte ich oft nicht mit.“

Doch der ganz große Erfolg stellte sich nicht ein. 2002 rannte sie bei dem DLV-Meeting in Dortmund die 100 Meter in 11,16 Sekunden. Bis heute ihre Bestzeit. Doch schon in diesem Jahr hinderte sie ein Muskelfasseriss daran, bei den Europameisterschaften in München eine Medaille im Einzel zu gewinnen. Immerhin holte sie mit der Staffel noch die Silbermedaille. Bei den olympischen Spielen in Athen 2004 schied sie mit einer Plantarsehnenverletzung schon im Vorlauf aus. Von da an gehörten körperliche Probleme zur Karriere der Top-Sprinterin dazu.

Persönliches Loch

Als sie nach der Geburt ihrer Tochter im Juli 2008 nicht mehr die alte Leistungsstärke erreichte, beendete sie ihre Karriere. Der Star der Laufbahn musste plötzlich einsehen, dass der sportliche Erfolg nicht mehr eintreten würde. „Ich war nach dem Karriereende nicht gut drauf“, erzählt Schielke. Aber ihr Ehrgeiz, der sie schon über die 100-Meter-Bahn getragen hat, half ihr auch, aus dem persönlichen Loch herauszuklettern. „Mir war klar, dass ich selbstständig arbeiten möchte“, so Schielke. Mit diesem Ziel vor Augen machte sie eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau und hat mittlerweile mit acht Kollegen eine eigene Firma gegründet.

Sina Schielke wirkt aufgeräumt, wenn sie über ihr bisheriges Leben spricht. Nach einem plötzlichen Start der Sportkarriere, der sie direkt auf die 100-Meter-Bahn wirbelte, ihr viel Ruhm brachte, der aber vielleicht auch den großen Erfolg verhinderte, führt die Herdeckerin nun ein deutlich entspannteres und selbstbestimmtes Leben in ihrer Heimat. „Ich wollte immer hier bleiben“, sagt Schielke. Sie bereut nichts – warum sollte sie auch?

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