Sein Glück liegt auf dem Rücken der Pferde

Dr. Bernd Springorum hat eine sehr erfolgreiche Reiterkarriere hinter sich und engagiert sich auch heute noch für den Pferdesport.
Dr. Bernd Springorum hat eine sehr erfolgreiche Reiterkarriere hinter sich und engagiert sich auch heute noch für den Pferdesport.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Bernd Springorum aus Herdecke hat im Reitsport viele Erfolge gefeiert. Wichtiger ist ihm aber die Beziehung zu seinen Tieren.

Herdecke..  Die Sonne hat gerade erst den Horizont erklommen. Kein Mensch und Tier verirrt sich zu dieser Zeit auf dem Springparcours. Das Herz von Dr. Bernd Springorum klopft, vielleicht noch mehr als vor seinen zahlreichen Vielseitigkeitsprüfungen und Geländeritten, die er absolviert hat. Mit einem Klaps lässt er sein Pferd frei in dem Parcours laufen. Und dann passiert das für viele Unglaubliche. Unter den Augen eines Journalisten, der dies nicht für möglich gehalten hat, springt das Pferd alleine über die Hindernisse – immer wieder.

„Ich wollte dem Journalisten zeigen, dass es dem Tier auch Spaß machen kann“, erklärt Springorum viele Jahre später im Arbeitszimmer seines Hauses. Der bald 80-Jährige ist bei den Europameisterschaften mitgeritten, hat als Bundestrainer die Deutschen bei den Olympischen Spielen in Los Angeles angeleitet und war anschließend als Richter bei drei weiteren Spielen tätig. Trotzdem strahlen seine Augen vor allem bei dieser Geschichte, die zeigen soll, dass Pferde nicht nur aus Zwang über die Stangen springen. „Ansonsten liegt es eher an den Menschen“, sagt der Herdecker.

Bernd Springorum ist mit Pferden aufgewachsen. Seine Eltern hatten einen Hof im Kreis Lippstadt. Schon damals „sind meine Freunde und ich auf Ponys durch die Gegend gestolpert.“ Reiten, das gehört zu seinem Leben einfach dazu. Nach dem Abitur macht er einen Lehrgang an der deutschen Reitschule in Warendorf. „Dort habe ich mit Spitzensportlern trainiert und sehr viel gelernt“, erklärt Springorum.

Er wird aktiver Vielseitigkeitsreiter – das bedeutet, dass ein Wettkampf aus den Disziplinen Dressur, Gelände und Springen besteht.

Die Pferde für diese Wettbewerbe bildet Springorum selbst aus: „Dazu braucht es viel Geduld und man darf die Ruhe nicht verlieren.“ So schafft er es, sich 1957, 1962 und 1975 bei den Deutschen Meisterschaften zu platzieren, 1975 nimmt er sogar an den Europameisterschaften teil. Doch seine aktive Karriere endet zwei Jahre später ausgerechnet mit einem Sturz. „Es war mein eigener Fehler“, so Bernd Springorum heute. Bei einer mittleren Prüfung fällt er mit seinem Pferd und bricht sich das Bein. Die Ärzte operieren nicht direkt, der Knochen entzündet sich, mit dem Leistungssport ist es ab da vorbei.

Bronze bei Olympia

Doch Springorum bleibt dem Reiten treu. Von 1980 bis 1985 trainiert er die deutschen Vielseitigkeitsreiter. 1984 holen diese bei den Olympischen Spielen die Bronzemedaille, trotzdem erklärt der Herdecker: „Für Teilnehmer sind die Olympischen Spiele nicht sehr lustig, weil alles durchorganisiert ist.“

Bei den Spielen in Seoul (88), Barcelona (92) und Atlanta (96) wird er Mitglied der Richtergruppe, die sich im Vorfeld und während des Wettkampfes um den Ablauf und die Wertung kümmert.

Die Jahre sind an Bernd Springorum nicht spurlos vorbeigegangen: Er humpelt und benötigt zum Gehen einen Stock. Trotzdem spürt man auch heute noch seine Tatkraft, die ihn im Pferdesport nach oben getragen hat. Die dafür gesorgt hat, dass er sein Jura-Studium abgeschlossen hat, dass er auf eine erfolgreiche Berufslaufbahn beim Bankhaus Lampe zurückblicken kann und dass er das Haus Mallinckrodt in Herdecke von seinen Großeltern übernommen und weitergeführt hat.

Immer noch engagiert

Und auch 2015 will er als Mitglied beim Stiftungsrat Deutscher Spitzenpferdesport seine Begeisterung für das Reiten weiter einbringen. Er hofft, dass der Sport neue Finanzierungsmöglichkeiten erschließt, denn „der Staat wird nicht ewig zahlen können.“ Die erfolgreichste Reitnation soll ihre Sportart besser vermarkten, damit sich deutsche Athleten auch in Zukunft olympische Medaillen um den Hals hängen können.

Für Bernd Springorum war der Erfolg allerdings nie ausschlaggebend: „Es hat mir von Anfang an Spaß gemacht, eine Beziehung zu dem Tier zu entwickeln.“ Er hat gespürt, wann sein Pferd rennen wollte und wann es Ruhe brauchte. Und er wusste, dass es auch von alleine über die Hindernisse springt, wenn man die Bereitschaft und die Freude an den Sprüngen erhält.