Schluss mit langen Tennis-Tagen

Lange Tennis-Spieltage können sehr belastend sein. Neue Regeln sollen Abhilfe schaffen.
Lange Tennis-Spieltage können sehr belastend sein. Neue Regeln sollen Abhilfe schaffen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Um das Tennisspielen planbarer zu machen, gibt es einige neue Regeln. Die sind teilweise kurios - es gibt etwa eine Vorschrift für Toilettenpausen.

Wetter/Herdecke..  Elf Stunden und fünf Minuten – so lange dauerte das längste Grand-Slam-Spiel der Tennis-Geschichte. Nicolas Mahut und John Isner bekämpften sich 2010 in Wimbledon so lange, dass das Match zweimal wegen Dunkelheit unterbrochen werden musste.

Solche ausufernden Tennisspiele können im professionellen Sport häufiger vorkommen. Allerdings nicht nur da: Auch Amateure verbringen an so manchem Mannschafts-Spieltag elf Stunden oder mehr auf dem Platz, obwohl sie nur zwei Spiele absolvieren müssen. Um das Tennis etwas planbarer zu machen, hat der Westfälische Tennisverband in dieser Saison strengere Regeln für Pausen festgelegt, die der Tennisbezirk Südwestfalen an seine Sportler weitergab.

Toilettenpausen und Krampf-Regel

Und die scheinen teilweise etwas kurios: So ist etwa festgelegt, dass nur eine Toilettenpause pro Person und Spiel erlaubt ist; diese darf maximal fünf Minuten dauern. Krämpfe seien keine Verletzungen, ist in den Regeln weiterhin zu lesen, deshalb dürften diese „höchstens zwei Mal“ und auch nur während des Seitenwechsels oder nach dem ersten Satz behandelt werden.

Müssen sich Amateure mit Wadenkrämpfen und Neigung zu übermäßigem Harndrang in dieser Saison also zusammenreißen? „So schlimm ist es nicht“, sagt Ulrich Steinbach, zweiter Vorsitzender des Tennisbezirks Südwestfalen. „Diese Regeln haben ihren Ursprung im Profibereich. Bei den Amateuren in den unteren Klassen sind sie eher Empfehlungen.“

Das erlebt auch Yannic Aurandt so. Er ist Cheftrainer der Tennisabteilung des TuS Ende und findet den Ansatz, die Spieltage etwas zu verkürzen, sinnvoll: „Ich habe auch schon extrem lange Spieltage erlebt“, sagt er. Allerdings habe er bisher noch nie Probleme mit gegnerischen Mannschaften gehabt, wenn es um Zeiten ging: „Wir spielen schließlich nicht in der höchsten Klasse, da kann man eher mal ein Auge zudrücken.“

Theoretisch wäre es allerdings möglich, auf die Einhaltung der Regeln zu pochen, betont Ulrich Steinbach: „Es kann natürlich passieren, dass sich zwei Mannschaften nicht so gut verstehen und so etwas dann zur Sprache kommt.“ Dann kann allerdings nur darauf hingewiesen werden, dass zum Beispiel Toilettenpausen von nun an nicht mehr erlaubt sind – Strafen gibt es nämlich keine.

Das Ziel, Tennis planbarer zu machen, wird in den Verbänden von oben nach unten durchgegeben. Mit Blick auf die Popularität des Sports und damit auch auf mögliche Fernsehübertragungen von Bundesliga-Spielen sollen die Spielzeiten überschaubar gehalten werden. „Das ist ja auch verständlich. Welcher Fernsehsender sagte denn: Wir fangen um zehn Uhr an und dann mal gucken, wie lange es dauert?“, sagt Steinbach.

Kurze Spiele in der Jugend sinnvoll

Allerdings scheint es noch unwahrscheinlicher, dass ein Fernsehsender unbedingt Spiele der Ü40-Damen der Bezirksklasse übertragen will. Hier geht es eher um die Rahmenbedingungen, die sich geändert haben: „Viele haben schlicht nicht mehr die Zeit, einen kompletten Tag auf dem Platz zu verbringen“, so Steinbach. Deshalb gebe es immer wieder Überlegungen, die Spielzeiten durch neue Spielmodi weiter zu verkürzen.

„Im Jugendbereich kommt uns das sehr entgegen“, sagt Tennis-Trainer Aurandt. „Die Kinder sind durch lange Schulzeiten und viele Hobbies schon sehr ausgelastet. Da macht es Sinn, Tennis besser in den Alltag zu integrieren.“

Eine Regel, nach der schon gespielt wird, ist der Match-Tiebreak: Dabei wird der dritte Satz nicht mehr klassisch ausgespielt, sondern jeder Punkt sofort gezählt. Wer zuerst die zehn Punkte erreicht, gewinnt. „Das ist natürlich angenehmer für die, die nicht so viel Kondition haben“, gibt Ulrich Steinbach zu. „Allerdings wird so vermieden, dass sich ein Spiel durch einen immer neuen Einstand in die Länge zieht.“

Dabei – da sind sich alle Beteiligten einig – können lange Tennis-Tage auch etwas Schönes sein. Denn im Gegensatz zum Profi-Tennis in Wimbledon sei bei den Amateuren auch die Geselligkeit sehr wichtig – zum Beispiel ein gemeinsames Abendessen mit dem Gegner am Ende eines anstrengenden Elf-Stunden-Spieltages.