Ringer aus Rumänien hat in Herdecke eine große Chance

Seit rund zwei Jahren trainiert der Rumäne Szabolcs Hatos-Dragut auf den Ringermatten der TSG Herdecke. Dazwischen musste er allerdings wieder zurück in seine Heimat, bis sich die TSG wieder meldete
Seit rund zwei Jahren trainiert der Rumäne Szabolcs Hatos-Dragut auf den Ringermatten der TSG Herdecke. Dazwischen musste er allerdings wieder zurück in seine Heimat, bis sich die TSG wieder meldete
Foto: Jürgen Theobald
Was wir bereits wissen
Szabolcs Hatos-Dragut kämpft seit etwa zwei Jahren für die TSG Schwerathletik. Von den Deutschen hat er ein spezielles Bild.

Herdecke..  Was ist typisch deutsch? Viele beantworten diese Frage mit Adjektiven wie pünktlich, pflichtbewusst, pedantisch. Szabolcs Hatos-Dragut hat da eine weitere Theorie: „Alle sind so fröhlich hier. Sie lächeln und sind freundlich. Das wäre in meiner Heimat undenkbar.“ Herdecke, das ist für den Ringer der TSG Schwerathletik die Stadt der Frohnaturen.

Der 28-Jährige stammt aus Rumänien, seit etwa zwei Jahren kämpft er nun für die TSG und hat mittlerweile eine Wohnung und einen Job in der Ruhrstadt. Jetzt soll auch seine Frau Anca in die Stadt ziehen, in der „ich so viele tolle Leute kennengelernt habe“.

200 Euro für zehn Stunden Arbeit

Anfang 2013 lebt Hatos-Dragut noch im rumänischen Sfantul Gheorghe. Er arbeitet zehn Stunden am Tag, verdient aber nur 200 Euro im Monat, nebenbei büffelt er für sein Studium und ringt in der einzigen Liga des Landes. Ein hartes Leben, aus dem er ausbrechen möchte. „Ich habe deswegen einen Vermittler gefragt, damit er mir einen Verein in Deutschland sucht“, erzählt Hatos-Dragut in einer Mischung aus deutsch und englisch. Nur kurze Zeit später bekommt er einen Vertrag von der TSG Herdecke und zieht an die Ruhr.

„Alle haben mir direkt geholfen. Die Mannschaft ist super“, sagt der Rumäne und ergänzt: „Ich hätte vorher nicht gedacht, dass in Deutschland alle so freundlich sind.“ Doch nach der ersten Saison 2013 muss Hatos-Dragut zurück nach Rumänien. Das kurze Abenteuer scheint vorbei zu sein. „Ich hatte in Herdecke keine Arbeit, so ging es nicht weiter.“

Plötzlich ein Job

Bis sich 2014 plötzlich wieder die Verantwortlichen der TSG melden. Mit der guten Nachricht: Sie haben einen Arbeitsplatz für Szabolcs Hatos-Dragut. „Alles ging ganz schnell, schon Mitte Juni habe ich bei „Tinte Toner Medien“ angefangen zu arbeiten“, erzählt der Ringer, der nun seit knapp einem Jahr fest in Deutschland lebt. Seine Wohnung hat er ebenfalls über den Verein bekommen. In ihr stehen alte Möbel, „die wurden mir geschenkt“. Wertvolle Starthilfe für den 28-Jährigen, der dabei ist, sich ein neues Leben aufzubauen. Nie hätte er gedacht, dass er dabei so unterstützt wird.

Und natürlich verstärkt Habos-Dragut auch in der kommenden Saison die Oberliga-Mannschaft der TSG: „Ich übe den Sport mit meinem Herzen aus.“ Sein Vater ist Trainer einer rumänischen Ringer-Mannschaft, deswegen hat auch Habos-Dragut schon in jungen Jahren gekämft. „In Rumänien habe ich oft zweimal am Tag trainiert, wenn die Zeit da war. Hier in Herdecke stehen wir nur drei- bis viermal auf der Matte. Da ist mir manchmal sogar ein bisschen langweilig“, sagt der TSG-Ringer.

Gutes Deutsch

Der Rumäne hofft nun, dass auch seine Frau Anca bald zu ihm zieht: „Sie lernt aber momentan noch die Sprache, damit sie in Deutschland mehr Chancen auf eine Arbeit hat.“ Hatos-Dragut spricht für die kurze Zeit, die er in Herdecke lebt, schon gutes Deutsch. Die vielen Gespräche mit seinen Mannschaftskollegen helfen dabei. Er betont: „Ich will arbeiten und mich integrieren. Ich bin nicht hier, um Sozialleistungen zu bekommen.“ Der 28-Jährige will wie viele in seinem Alter eine Familie gründen und den Grundstein für eine tolle Zukunft legen.

In Herdecke hat er dazu die Chance seines Lebens.