Regen schreckt viele Herdecker ab

Damit die abgehärteten Kanuten nicht an den Start gehen, müsste die Ruhr schon zufrieren. Doch aufgrund des schlechten Wetters schauten sich nur wenige Herdecker die Rennen an.
Damit die abgehärteten Kanuten nicht an den Start gehen, müsste die Ruhr schon zufrieren. Doch aufgrund des schlechten Wetters schauten sich nur wenige Herdecker die Rennen an.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Zwei sportliche Großveranstaltung an einem Wochenende – nach Herdecke kamen zahlreiche Sportler. Doch viele Zuschauer hatten der Citylauf und die Regatta nicht.

Herdecke..  Zehn Grad und Regen. In Hamburg würde man kurz über das „Schietwetter“ schimpfen und dann trotzdem raus gehen. In Herdeckes Fußgängerzone ist die Toleranz schlechtem Wetter gegenüber nicht so groß wie in der Hafenmetropole. Das zeigt sich vor allem hinter den Absperrgittern des 12. Herdecker Citylaufs. Denn dort ist die Sicht auf die schönen Fachwerkhäuser zur Mittagszeit noch frei – die Zeit der Schülerinnen- und Schülerläufe. Viele Eltern wagen sich nicht an den Streckenrand.

„Das ist ganz klar dem Wetter geschuldet“, meint Maike Arning, die Tochter Maja und Sohn Nils ins Rennen schickt. „Es ist hier zwar nicht der Berlin-Marathon, aber in den letzten beiden Jahren waren viel mehr Leute an der Strecke“, stellt sie fest. Dass sie dem Wetter getrotzt hat, belohnt Tochter Maja schließlich. Die Zehnjährige erreicht in ihrer Altersklasse den ersten Platz. Gesamtsieger bei den Schülern über 1100 Meter ist Luis Peglau von der TGH Wetter. Den Schülerlauf über 2000 Meter gewinnt Elias Schreml von der Blote-Vogel-Schule in Witten, dicht gefolgt von dem besten Herdecker Schüler Tom-Luca Wyludda.

Steine wie Schmierseife

Die ohnehin schon anspruchsvolle Strecke durch die Innenstadt ist bei Regen noch ein bisschen anspruchsvoller. Immer wieder warnt Citylauf-Moderator Thomas Biermann vor dem regennassen und damit rutschigen Kopfsteinpflaster und ruft dazu auf, langsam zu starten, um sich nicht zu verletzen. Das erklärt vielleicht, warum die Zeiten insgesamt etwas schlechter ausfallen als in den letzten Jahren. Schnellster Läufer über die Zehn-Kilometer-Distanz ist Tillmann Goltsch, der für das Dortmunder Bunert Running Team an den Start geht. Er läuft die Strecke in 34:27 Minuten. Als Zweiter erreicht Andre Müller von der TGH Wetter das Ziel. Als schnellste Frau kommt Christl Dörschel von der SG Wenden als Gesamtfünfte ins Ziel. Bester Herdecker Läufer ist Philipp Biermann vom TSV 1863, der als Siebter ankommt. Den Jedermannlauf bringt Sieger David Schönherr in 16:22 Minuten hinter sich. Jessica Meyer ist als Gesamtsiebte schnellste Frau.

Bei fast winterlichen Außentemperaturen schlüpft sogar Deutschlands erfolgreiche Langstreckenläuferin Sabrina Mockenhaupt unter ihre blaue Pudelmütze. Der Stargast begleitet die Läufe anders als bei ihrem letzten Besuch 2013 vom Streckenrand aus. Sie hat keine Wahl. Eine kürzlich überstandene Operation am Sprunggelenk verbietet ihr, sich zusammen mit den 168 Läuferinnen und Läufern, die sich allein für den zehn Kilometer langen Hauptlauf gemeldet hatten, auszupowern (insgesamt starteten mehr als 900 Läufer). Für ein Training ist sie aber fit genug. Unsere Redaktion hatte zusammen mit Orthomol Sport einen besonderen Tag mit der Läuferin verlost.

Die Sonne kommt raus

Die beiden Gewinner Petra Schölling und Jürgen Behnecke, beide selbst erfahrene Sportler, haben die Kraft- und Ausdauerübungen zusammen mit dem Profi genossen. Während Behnecke selbst krankheitsbedingt auf seinen Start beim Hauptlauf verzichtet, geht Petra Schölling für den fünf Kilometer langen Lauf an den Start, zu dessen Startschuss dann sogar noch die Sonne rauskommt.

Die wenigen warmen Strahlen sind auch bei der zweiten großen Sportveranstaltungen an diesem Wochenende willkommen: der 41. Herdecker Kanu-Regatta mit 647 Teilnehmern. Nachdem die Sportler und Besucher stundenlang viel Wasser von oben abbekommen haben, strecken sie nachmittags kurz mal die kalte Nasenspitze Richtung Sonne. Einige wärmen sich mit Trockenübungen am Ufer auf. Die vier jungen Sportlerinnen vom Kanu-Ring Hamm lassen sich trotz des schlechten Wetters den Spaß nicht nehmen. „Es gibt Schlimmeres“, sagt Hanna Schönrath.

Nass bis auf die Haut, hätte das gemeinsame Motto des Citylaufs und der Kanu-Regatta auf der Ruhr auch lauten können. Immerhin erledigte sich durch das Wetter eine Befürchtung von allein: Die Parkplatzsuche war die kleinste Hürde an diesem sportlichen Wochenende in Herdecke.