Phoenix Hagen stemmt sich gegen das Heim-Drama

Phoenix Hagen jubelt über den ersten Heimsieg.
Phoenix Hagen jubelt über den ersten Heimsieg.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Mehr als acht Monate mussten sie warten: Mit 90:81 gegen Tübingen gelang Phoenix Hagen zum Hinrunden-Ausklang der erste Heimsieg in dieser Saison.

Hagen.. Die Sehnsucht der Fans, mit jeder Heimniederlage größer geworden, schien wieder nicht gestillt zu werden. Achtes Spiel am Ischeland, zu dem auch zwei Mannschaften antraten - und die achte Schlappe für Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen nahm bis kurz vor der Pause immer realistischere Züge an. Doch in der spielerischen Not zeigten die Gastgeber Charakter, kämpften sich bravourös zurück. Und verdienten sich so den 90:81 (43:48)-Sieg gegen die Walter Tigers Tübingen. Den ersten in der Enervie Arena seit dem 25. April, als Bernd Kruel gegen Ulm Abschied gefeiert hatte. Auch diesmal setzten mit Fabian Bleck und Niklas Geske zwei „Local Heroes“ die Akzente - und, wie so oft, der Kapitän: „David Bell hat das Spiel dann komplett in unsere Richtung gedreht“, würdigte Geschäftsführer Oliver Herkelmann: „Aber gegen das Drama gestemmt haben sich alle.“

Die kurze Spielpause nutzte Uwe Schröer zur Durchsage. „Das Trikot von David Bell hat die Los-Nummer 606 gewonnen“, verkündete der Hallensprecher. Und in diesem Moment hätte sich der Gewinner das gelbe Hemd vom Besitzer auch fast direkt abholen können. Denn in der 17. Spielminute hatten die Gäste beim 31:44 durch Jimmy McKinney ihre höchste Führung herausgeworfen - und Bell war gerade auf die Bank beordert worden. Drei Punkte hatte der Phoenix-Kapitän erst auf dem Bogen, aber auch schon drei Fouls - wie seine Kollegen Todd Brown und Dino Gregory. Eine kritische Phase für die Gastgeber, die sie mit den jungen Deutschen von der Bank überstanden. Nicht nur Bleck und Geske brachte Coach Ingo Freyer, auch Moritz Krume und für ihn später Arber Tolaj. Und diese Formation - mit Zamal Nixon und Keith Ramsey - brachte die Hagener, bei denen zwischenzeitlich der Distanzwurf von Brown die einzig gängige Offensiv-Option schien, nach holprigem Start Punkt um Punkt heran. Nur noch fünf Zähler betrug der Rückstand zur Pause, gefühlt lagen die vornehmlich über ihre Großen Anatoly Kashirov und Augustine Rubit spielenden Tübinger weit deutlicher vorn. „Wir hatten das Spiel unter Kontrolle und hätten höher führen müssen“, bedauerte Tigers-Coach Igor Perovic später.

David Bell lässt Hoffnung auf ersten Heimsieg aufkommen

So aber war Phoenix noch im Spiel - und allmählich auf Betriebstemperatur. Mit weit mehr Intensität stürzten sich die Phoenix-Spieler in die Zweikämpfe und gingen in der Defensive die nötige Extra-Wege, bei den Rebounds griff gerade Gregory gegen die größeren Tigers-Riesen beherzt zu. Nur drei Minuten benötigten die Hagener zur ersten Führung seit der ersten Minute durch Browns vierten Dreier (53:52). Nun blieb es eng, die 66:61-Führung der Gastgeber (28.) konterte Tübingen wieder, nach der letzten Pause glich Kashirov zum 66:66 aus.

Basketball Doch da war ja noch David Bell. Kurz zuvor hatte der Phoenix-Kapitän endlich den ersten Dreier getroffen, jetzt war seine Zeit. Zuerst provozierte er mit Zug zum Korb das vierte Foul von 2,15-m-Center Kashirov, zwei Freiwürfen ließ er dann zwei ganz freche Distanztreffer der Marke Quakenbrück folgen. Tübingen war ins Mark getroffen, beim 74:68 (32.) bat Perovic zur Auszeit. Und eine Ahnung vom ersten Heimsieg durchwehte die Enervie Arena. Diesen gefährdete Michael Cuffee mit dem 74:72 kurz noch einmal (34.), doch jetzt war Phoenix auf die Premieren-Feier am Ischeland fokussiert. Browns Dreipunktspiel leitete den Endspurt ein, erst nach dem 83:72 (37.) durften auch die Tübinger nochmal. In Gefahr geriet der ersehnte Hagener Sieg indes nicht mehr, spätestens bei Browns finalem Dreier zum 90:79 - mit Brett und Ablauf der Zeit - 30 Sekunden vor der Schlusssirene - klatschten auf der Phoenix-Bank alle erleichtert ab.

Phoenix verschafft sich bessere Ausgangsposition

Und verabschiedeten sich nach „mental und körperlich sehr anstrengender Hinrunde“ (Freyer) tanzend in die Allstar-Pause. „Am Ende haben wir noch das Beste daraus gemacht“, fand der Phoenix-Coach: „Anfangs hatten wir keinen Rhythmus, aber dann haben wir die Körpersprache gefunden, die man in so einem Spiel braucht.“ Für die Rückserie lasse das hoffen, findet auch Kapitän Bell: „Noch sind wir nicht da, wo wir hin wollen. Aber wir sind jetzt in einer guten Position, noch einiges zu erreichen.“

Statistik: Phoenix Hagen - Walter Tigers Tübingen 90:81 (43:48)

Phoenix Hagen: Bell (16, 3/5 Dreier, 5 Assists), Ramsey (11, 8 Rebounds, 5 Steals, 5 Ballverluste, 2 Blocks), Gregory (6, 11 Rebounds), Nixon (19, 1/4 Dreier), Brown (20, 5/8 Dreier), Geske (8), Igbavboa, Bleck (10), Krume, Tolaj.

Walter Tigers Tübingen: Ratkovica (7, 5 Assists, 3 Ballverluste), Rubit (18, 7 Rebounds), Cuffee (9, 1/5 Dreier), McKinney (14, 2/5 Dreier, 3 Ballverluste), Radosavljevic (6, 2 Blocks), Mihailovic (5), Nadjfeji (6), Kashirov (16, 8 Rebounds), Albus, Jönke.

Spielviertel: 18:25, 25:23, 23:26, 24:27.

Teamstatistik: 49:43 % Wurfquote, 10/23:4/17 Dreier, 20/27:19/26 Freiwürfe, 37:37 Rebounds, 14:16 Assists, 8:5 Steals, 14:15 Ballverluste, 4:2 Blocks.

Zuschauer: 3145 (ausverkauft).