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Phoenix Hagen düpiert Vizemeister mit mehr Spielkultur

17.02.2013 | 21:51 Uhr
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Phoenix Hagen düpiert Vizemeister mit mehr Spielkultur
Foto: Michael KLEINRENSING

Hagen.   Phoenix Hagen besiegte den deutschen Vizemeister Ulm überraschend mit 90:78 (49:36). „Das war ein verdienter Sieg“, betonte Ulms Trainer Thorsten Leibenath, „nicht nur aufgrund der größeren Intensität sondern auch der höheren Spielkultur der Hagener.“

Mehr Tempo wird ihnen regelmäßig attestiert, an guten Tagen auch größerer Kampfgeist oder enorme Treffsicherheit. Der Trainer des deutschen Vizemeisters indes hatte für die Bundesliga-Basketballer von Phoenix Hagen ein ganz besonderes Lob parat. „Das war ein verdienter Sieg“, betonte Thorsten Leibenath, „nicht nur aufgrund der größeren Intensität sondern auch der höheren Spielkultur der Hagener.“ Seinem Team - vier Tage zuvor Triumphator bei der europäischen Top-Adresse Roter Stern Belgrad - bescheinigte der Chefcoach von ratiopharm Ulm dagegen eine „nicht akzeptable Performance“. Resultat des Rollentauschs war ein überraschender 90:78 (49:36)-Sieg, der die Gastgeber ganz nebenbei erstmals auf Playoff-Rang acht spülte.

Es hätte genug Anlass gegeben, einen der üblichen Verdächtigen auf die Stehplatzränge in der ausverkauften Enervie Arena zu bitten, um von dort mit dem Megaphon die Sieges-Feierlichkeiten anzustimmen. Davin White etwa, der - abgesehen von seinem notorischen Freiwurfzittern - erneut herausragte und seinen Bundesliga-Bestwert von 33 Punkten auflegte. Oder den mit sieben Offensiv-Rebounds glänzenden Adam Hess. Doch die Phoenix-Fans bewiesen feines Gespür, dirigierten den größten Malocher auf den „Heuboden“: Dino Gregory - ohne den erkrankten Bernd Kruel die personifizierte Einmann-Centerrotation der Hagener - spielte als einziger 40 Minuten durch, engte den Aktionsradius von Liga-Topwerfer John Bryant maßgeblich ein - und stand sinnbildlich für den enormen Einsatzwillen der Gastgeber. Zu einem „kleinen Lob an Dino“ ließ sich selbst Phoenix-Trainer Ingo Freyer hinreißen: „Er ist jedem Rebound hinterhergegangen, hat gekämpft und gerackert.“

Dass die Hagener den Sieg mehr wollten und gerade defensiv mehr investierten, war vom Hochball weg zu spüren. Mit Youngster Ole Wendt in der Startfünf, der gegen National-Spielmacher Per Günther gut verteidigte, störten sie die Ulmer Offensive - bisher mit dem zweithöchsten Schnitt der Liga - nachhaltig. Selten musste sich ein Gegner am Ischeland die Punkte so hart erarbeiten, was auch Leibenath anerkannte. „Ingo Freyer hat seine Mannschaft sehr gut auf uns eingestellt. Wir haben offensiv nicht aufs Parkett gebracht, was wir uns vorgenommen hatten“, bedauerte Ulms Coach: „Man muss sich immer fragen: Bin ich bereit, mich bis ins Letzte zu quälen. Die Hagener waren es.“

So konnten die Gastgeber verschmerzen, dass sie sich im Angriff - allen voran Larry Gordon - einige Flüchtigkeitsfehler erlaubten. Zwei frühe Dreier von Abe Lodwick brachten ihnen die 12:6-Führung (6. Minute), danach war der eingewechselte White Garant für die 26:14-Viertelführung. Bis zum 33:14 (12.) zog Phoenix weg, ehe Günther den ersten Ulmer Dreier traf. Am Brett kamen die Gäste kaum zum Zuge, mit allen Kräften stemmten sich die Hagener gegen den gefürchteten Bryant - und gewannen das Reboundduell (47:37) am Ende klar. Und auch wenn bis zur Pause Steven Esterkamp und danach Allan Ray aus der Distanz trafen, setzten sich die Hagener weiter ab. Beim 72:51 (27.) durch Whites Dreier nahm der Überraschungs-Coup gegen den Vizemeister allmählich Gestalt an.

Doch Phoenix wäre nicht Phoenix, hätte man den begeisterten Fans nicht noch etwas Drama geboten. Viereinhalb Minuten blieb man im Schlussviertel ohne Feldkorb, angetrieben von Günther kam Ulm bis zum 79:74 (37.) bedrohlich heran. Dann aber vergab ausgerechnet der Ex-Hagener beim Fastbreak, auf der Gegenseite machte es White endlich besser (81:74). Und nun ließen sich die Hagener den Vorsprung nicht mehr nehmen, Sieg eins gegen einen Titelkandidaten war perfekt. Zur Freude gerade von Freyer, der trotz des erreichten Playoff-Rangs weiter nach unten blickt - und auf den nächsten Gegner: „Das war ein Zeichen an die Liga - und an Frankfurt.“ Der Tabellenvorletzte, am nächsten Samstag in Hagen zu Gast, hatte zwei Stunden zuvor einen Heimsieg gegen Tübingen vorgelegt.

Phoenix Hagen - ratiopharm Ulm 90:78 (49:36)

Phoenix Hagen: Bell (20, 3/7 Dreier, 3 Assists), Hess (11, 8 Rebounds), Dorris, Wendt (3), Gordon (10, 6 Rebounds, 5 Ballverluste), Lodwick (8, 2/4 Dreier), Gregory (5, 14 Rebounds, 2 Blocks), White (33, 3 /5 Dreier).

ratiopharm Ulm: Günther (15, 8/8 Freiwürfe, 8 Assists), Gausa, Theis (8), Ray (11), Esterkamp (20, 2/9 Dreier), Schwethelm (4), Jeter (8, 2/2 Dreier), Nankivil (6, 7 Rebounds), Bryant (6, 10 Rebounds, 3 Ballverluste, 2 Blocks).

Spielviertel: 26:14, 23:22, 27:24, 14:18.

Teamstatistik: 44:41 % Wurfquote, 9/27:7/23 Dreier, 19/26:15/16 Freiwürfe, 47:37 Rebounds, 14:11 Ballverluste, 8:16 Assists, 4:2 Ballgewinne, 3:5 Blocks.

Zuschauer: 3145 (ausverkauft).

Axel Gaiser

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