Oberlinschüler profitieren sehr von Inklusions-Projekt

Tobias Doberstein muss nicht nur den Ball treffen, sondern auch noch seinen Rollstuhl lenken.
Tobias Doberstein muss nicht nur den Ball treffen, sondern auch noch seinen Rollstuhl lenken.
Foto: WP
Dafür fahren sie zweimal die Woche aus Volmarstein in Richtung Vorhalle. Doch die dortige Hauptschule soll im Sommer dieses Jahres schließen.

Wetter/Hagen..  Wenn Tobias Doberstein von seinem Hobby erzählt, sagt er nicht nur, dass ihm das Tennisspielen Spaß mache. Der 18-Jährige spricht von einer Herausforderung, der er sich dienstags in der Sporthalle der Hauptschule Vorhalle stellt. Denn Tobias Doberstein sitzt im Rollstuhl und muss nicht nur darauf achten, den Ball präzise zu treffen, sondern sich erst einmal mit dem Rollstuhl in die richtige Position bewegen. „Tobias hätte wohl nie daran gedacht, einmal Tennis zu spielen, aber es funktioniert“, sagt Kuros Namvar, Förderschullehrer an der Oberlinschule.

Dass Tobias Doberstein und seine Schulkollegen überhaupt in Vorhalle Sport treiben können, liegt an einem besonderen Inklusions-Projekt, dem nun das Ende droht. Seit zwei Jahren spielen Schüler der Oberlinschule gemeinsam mit Schülern der Hauptschule Vorhalle Fußball, Tischtennis oder Tennis. Doch nicht nur das, besonders geeignete Schüler betätigen sich freiwillig als Sporthelfer. „Wo gibt es das schon?“, fragt Namvar.

Vier Oberlinschüler und acht Jugendliche aus Vorhalle helfen bei den Übungen oder schieben auch schon mal Tobias Dobersteins Rollstuhl. „Das ist etwas ganz anderes und ich lerne sehr viel“, sagt etwa Jonathan Ruhwald. Der 15-jährige Oberlinschüler nennt sich seit anderthalb Jahren Sporthelfer, wie es auch auf seinem schwarzen Pullover steht, den er mit Stolz trägt.

Doch das Inklusions-Projekt steht nun vor dem Aus. Der Grund: Die Hauptschule Vorhalle soll im Sommer dieses Jahres geschlossen werden. „Wir haben momentan keinen Ersatz, das macht uns betroffen“, erklärt Kuros Namvar und ergänzt: „Es sollte weitergehen, unsere Schüler profitieren sehr von dem Projekt.“

Transfer kostet Geld

Dafür fahren sie jeden Dienstag und Mittwoch aus Volmarstein in Richtung Vorhalle. „Den Transfer mussten wir organisieren und natürlich bezahlen“, sagt Namvar und unterstreicht so die Bemühungen seiner Schule für das Projekt.

Mit im Bus sitzt dann auch immer Förderlehrer Matthias Hoppe. Er trainiert mit Tobias Doberstein und weiteren Schülern Tennis. Dafür nutzen sie spezielle Lernbälle, die langsamer ticken und so leichter zu erreichen sind. Außerdem baut Hoppe gemeinsam mit den Sporthelfern ein Feld mit langen Hallenbänken auf. Gespielt wird darin mit großen Gummibällen. „Es soll das Ballgefühl gefördert werden“, erklärt er.

So wurde auch aus Tobias Doberstein ein guter Tennisspieler, der mit seiner rechten Vorhand die Bälle genau auf das andere Spielfeld befördert. Und der seinem Hobby natürlich auch im Herbst dieses Jahres weiter nachgehen möchte. „Wir wollen die Hauptschule Vorhalle und die perfekten Bedingungen in der Sporthalle nicht verlieren“, erklärt Kuros Namvar: „Aber im schlimmsten Fall müssten wir uns einen neuen Kooperationspartner suchen.“