„Möchte in nächster Saison wieder angreifen“

David Becker, SC Berchum/Garenfeld
David Becker, SC Berchum/Garenfeld
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Berchum/Garenfeld..  Beruflich hat er einen großen Schritt nach vorne gemacht, sportlich klebte ihm förmlich das Verletzungspech an den Fußballschuhen. David Becker (24) vom SC Berchum/Garenfeld musste mehr als ein Jahr pausieren. Zur neuen Saison will der Defensivakteur wieder angreifen. Dieser Zeitung hat er im Interview der Woche verraten, was ihm Mut macht, wieder auf das Geläuf zurückzukehren.


Frage: David, was ist eigentlich genau passiert?
David Becker: Ich habe mir im Mai vergangenen Jahres einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen. Aufgrund meiner beruflichen Situation habe ich mich nicht direkt operieren lassen. Zuvor hatte ich im rechten Sprunggelenk lange Probleme mit dem Syndesmoseband. Aber der Kreuzbandriss war natürlich heftig.


Wie geht es Ihnen jetzt?
Es läuft richtig gut. Seit Anfang des Jahres fahre regelmäßig Fahrrad und gehe ins Fitnessstudio. Damit habe ich parallel nach der Krankengymnastik begonnen. Vergangene Woche stand ich zum ersten Mal wieder mit den Jungs auf dem Fußballplatz. Das hat richtig gut getan.


Ist vielleicht im letzten Saisonspiel ein Kurzeinsatz drin?
Lieber nicht, ich lasse es langsam angehen. Ich möchte in der kommenden Saison wieder angreifen.


Hatten Sie einmal den Gedanken, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen?
Nein, nie. Ich war bei 80 Prozent der Spiele meiner Mannschaft immer dabei. Ich hatte immer die Hoffnung, dass ich wieder Fußball spielen kann, habe hart an mir gearbeitet und auch gemerkt, dass ich Fortschritte mache.


Hatten Sie beim ersten Fußballtraining Angst?
Ja, beim ersten Training waren bei den Zweikämpfen schon Kopfblockaden da, aber das wird sich mit der Zeit geben.


Woher nehmen Sie Ihre Motivation, wieder Fußball zu spielen?
Ich war nahezu fast jede Woche auf dem Platz und bin immer wieder gefragt worden, wann ich wieder spiele. Mein Wille ist es, unbedingt wieder mit den Jungs Fußball zu spielen. Am Spielfeldrand zu stehen und zuschauen zu müssen, ist die Höchststrafe.


Streben Sie im Jahr 2015/16 wieder die Bezirksliga an oder wollen Sie in der zweiten Mannschaft weiterspielen?
Nach der langen Pause möchte ich erst Mal wieder Fußball spielen. Danach möchte ich meinen Platz beim SC B/G II wieder bekommen. Dass ich von der ersten in die zweite Mannschaft gewechselt bin, habe ich nie bereut. Das war kein Rückschritt. Ich habe dort meine Spielanteile und Selbstvertrauen bekommen. Und die Zweite ist charakterlich genauso in Ordnung wie die Erste.


Sie wohnen in Dortmund-Hörde. Spielen Sie mit dem Gedanken, vielleicht mal bei einem räumlich näheren Verein aufzulaufen?
Das steht überhaupt nicht zur Debatte. Ich spiele seit den Minikickern beim SC und kann mir überhaupt nicht vorstellen, woanders zu spielen. Von Hörde bis zum Waldstadion sind es 20 Minuten Fahrt, das ist keine Entfernung.


Sie sind Sozialarbeiter und betreuen psychisch kranke Menschen. Ist das Ihr Traumberuf?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe im vergangenen Jahr mein Studium der Sozialarbeit mit dem Bachelor beendet, davor vier Jahre lang Suchtkranke betreut. Mir macht mein Beruf viel Spaß. Jetzt habe ich auch die Zusage für einen unbefristeten Vertrag bekommen. Das ist ein Jahr nach dem Studium schon riesig.


Sie sind Fan vom TSV 1860 München. Wie kam das?
Als ich sechs Jahre alt war, war ich mit meinem Opa dort im Stadion. Die Leidenschaft der Fans hat mich so überzeugt, dass ich dabei geblieben bin. Einmal 60-er, immer 60-er.


Jetzt müssen die 60-er in der Relegation um den Zweitligaerhalt bangen. Packen sie es?
Es wird schwer. Man kann den TSV 1860 mit dem Hamburger SV vergleichen (lacht). Auch beim TSV ist beim Management und in Sachen Spielerverpflichtungen einiges schiefgelaufen. Man hätte früher auf die jungen Spieler setzen müssen, welche sich mit dem Verein identifizieren. Sie spielen gegen Holstein Kiel, die im Saisonfinale kräftig Selbstvertrauen getankt haben. Die Chancen stehen 50:50.