Mit der Wuppertal-Fahne auf der Radrennbahn

Der Hohenlimburger Gastronom Karsten Krüger (48) ist leidenschaftlicher Fußballfan. Sein Lieblingsverein ist der Wuppertaler SV.
Der Hohenlimburger Gastronom Karsten Krüger (48) ist leidenschaftlicher Fußballfan. Sein Lieblingsverein ist der Wuppertaler SV.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Mitte der 70-er Jahre erlebt der Wuppertaler SV seine Blütezeit, steigt 1972 in die Fußball-Bundesliga auf und qualifiziert sich ein Jahr später sogar für den UEFA-Pokal. Der Hohenlimburger Gastronom Karsten Krüger (48) erinnert sich gern an diese Zeit zurück.

1967 wird er in Wuppertal geboren, zehn Minuten Fußweg sind es vom Hause Krüger bis ins Stadion am Zoo. Der Besuch der Heimspiele ist natürlich ein Pflichttermin. „34000 Zuschauer hat das Stadion gefasst, aber drin waren damals immer 40000. Das ist heute ja gar nicht mehr möglich“, sagt Karsten Krüger, der mit Ehefrau Natalie das Café Kännchen am Elseyer Dorfplatz betreibt.

Der Gastronom spielt in seiner Kindheit und Jugend auch selbst Fußball, zunächst beim BV 1885 Wuppertal, dann bei SV Bayer Wuppertal und zuletzt bei Borussia Wuppertal, schafft sogar den Sprung in die Niederrhein-Auswahl. „Ich war lauffaul“, gesteht Karsten Krüger, spielt als rechter Stürmer, denn Tore schießen macht ja schließlich Spaß. „Es war eine tolle Sache, beispielsweise in der Duisburger Wedau zu spielen.“

Stadion am Zoo

Das Stadion am Zoo war seinerzeit eines der größten und modernsten Stadien Westdeutschlands. Dies lag insbesondere an der imposanten Radrennbahn, die zwischen der Aschenbahn und den Zuschauerrängen in das Stadion integriert war. „Dort stand ich immer mit meiner Wuppertal-Fahne“, erinnert sich Karsten Krüger.

In der ersten Bundesliga-Saison erreicht der Wuppertaler SV einen beachtlichen vierten Platz, der zur Teilnahme am UEFA-Pokal berechtigt. In der ersten Runde trifft der WSV auf den polnischen Vertreter Ruch Chorzów, unterliegt dort jedoch deutlich mit 1:4. Das Rückspiel im bislang einzigen Europapokalspiel im Stadion am Zoo zieht gerade noch 13000 Zuschauer an – Karsten Krüger ist natürlich dabei. Die Aufholjagd, in welcher der WSV einen 1:3-Rückstand noch in einen 5:4-Sieg umbiegt, hätte wohl größeren Zuspruch verdient, bedeutet aber trotz allem das Aus.

Die goldene Zeit des WSV ist geprägt durch das Wuppertaler „Urgestein“ Günter Pröpper. In der Saison 1971/72 erzielt „Meister Pröpper“ 52 der 111 Tore des Vereins in der damaligen Regionalliga, in der ersten Bundesliga-Saison ist er mit 21 Toren drittbester Torjäger hinter Gerd Müller und Jupp Heynckes. „Ich habe damals gegen seinen Sohn und seinen Neffen gespielt. Da hat Günter Pröpper immer zugeschaut. Ich habe sehr viel Respekt vor ihm gehabt“, so Karsten Krüger. „Bei einem Bundesliga-Spiel gab es einen Freistoß für den WSV. Günter Pröpper trat an, und mein Vater hat gesagt: Gleich fällt einer aus der Mauer. Und er hat einen getroffen.“

1975 muss sich der Wuppertaler SV als Schlusslicht aus der Bundesliga verabschieden. „Die Mannschaft ist nicht verjüngt worden, zudem haben Sponsoren gefehlt“, sieht Karsten Krüger die Ursachen.

In der Folgezeit durchläuft der WSV ein ständiges Auf und Ab. Karsten Krüger, der mittlerweile 22 Jahre in Hohenlimburg wohnt, besucht aber weiterhin die Spiele, so oft er kann, informiert sich regelmäßig über Neuigkeiten aus dem Verein. „Spiele gegen Fortuna Düsseldorf oder RW Essen waren immer etwas besonderes. Das ist vergleichbar wie Dortmund gegen Schalke. Solche Spiele darf man nicht verlieren“, sagt Karsten Krüger.

Ein Highlight für den leidenschaftlichen Fußballfan ist das DFB-Pokal-Achtelfinale 2008 zwischen dem Wuppertaler SV und Bayern München. Das Spiel in der Gelsenkirchener Veltins-Arena ist mit 61 482 Zuschauern ausverkauft und stellt somit einen neuen vereinsinternen Zuschauerrekord des WSV auf. „Das war sehr aufregend. Zur Halbzeit stand es nämlich 2:2. Aber dann haben die Bayern ernst gemacht“, weiß Karsten Krüger. München siegt am Ende mit 5:2.

2013 muss der Wuppertaler SV Insolvenz anmelden. „Das war sehr bitter, da ist man als Fan natürlich down“, klagt Karsten Krüger. Der Verein muss den Zwangsabstieg in die Oberliga Niederrhein in Kauf nehmen. „So tief hat der Verein noch nie gespielt.“

Aber einmal Fan, immer Fan – Karsten Krüger bleibt dem Wuppertaler SV treu. „Ich stell mich auch auf einen Ascheplatz hin und gucke zu“, so der Gastronom. In Zukunft will er auch versuchen, wieder öfters in Wuppertal zu Gast zu sein. „Vergangene Saison war ich berufsbedingt nur zweimal da.“

Gute Nachwuchsarbeit

Kommen in Wuppertal wieder bessere Zeiten? „Die Nachwuchsarbeit ist klasse, die U19 spielt in der Bundesliga. Aber die großen Talente werden natürlich von anderen Vereinen geholt“, weiß Karsten Krüger. Immerhin gelang es in der abgelaufenen Saison, vier Jugendliche in die ersten Mannschaft zu integrieren. „Aber zurzeit fehlt ein Präsident und ein Geldgeber. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ich würde mir wünschen, den Wuppertaler SV noch einmal in der zweiten Liga zu sehen.“