Mit den Autogrammen kam die Liebe zum Club

Dieter Wollenweber ist seit 50 Jahren Fan des 1. FC Nürnberg.
Dieter Wollenweber ist seit 50 Jahren Fan des 1. FC Nürnberg.
Foto: Michael Schuh

Hohenlimburg..  Es ist schon erstaunlich, wie vermeintliche Kleinigkeiten einen Menschen prägen. So geschehen 1965, als der damals zwölfjährige Dieter Wollenweber alle Fußball-Bundesligisten mit der Bitte um Autogrammkarten anschrieb. Die meisten Clubs schickten ihm vorgedruckte Karten, einige meldeten sich überhaupt nicht, ein Verein teilte ihm lapidar mit, das beigelegte Rückporto sei zu gering. Doch eine rühmliche Ausnahme gab es: den 1. FC Nürnberg.

Die Franken schickten nicht nur mehrere handsignierte Einzelbilder und Mannschaftsfotos, sondern entschuldigten sich in einem persönlichen Brief auch noch dafür, dass nicht alle Aktiven unterschrieben hätten – einige wären aufgrund von Verletzungen nämlich nicht mit im Trainingslager gewesen. Dieter Wollenweber war von dieser sympathischen Reaktion derart begeistert, dass er Nürnberg-Fan wurde. Und bis heute geblieben ist.

„Fußball war mein Leben“

„Fußball war damals mein Leben“, denkt der 62-Jährige gern an seine Kinder- und Jugendzeit zurück. Als kleiner Junge war der gebürtige Hohenlimburger mit seinen Eltern und sechs Geschwistern nach Veserde gezogen, von wo er zweimal die Woche zu Fuß zur Weinhof-Kampfbahn marschierte. Denn Dieter spielte beim SV Hohenlimburg 1910 und Training sowie Spiel bedeuteten ihm so viel, dass er den langen Weg gern dafür in Kauf nahm. An seine Mannschaftskameraden wie Willi Strüwer, Wolfgang Zittlau oder Berni Winzler kann er sich noch genauso gut erinnern wie an die ersten Fußballschuhe: „Da hat mein Papa Zwillingsstollen mit Stahlkappen drunter genagelt.“

Und was ein richtiger Fußballer ist, der hat auch einen Lieblingsverein in der Bundesliga . Dass dies bei Wollenweber der FCN wurde, war zwar in erster Linie der Freundlichkeit des Vereins bei der Beantwortung des Autogrammwunsches geschuldet, hatte aber noch zwei weitere Gründe. „Meine Mutter stammt aus Hof und so fühlte ich mich schon immer als halber Bayer“, erzählt der Hohenlimburger und fährt fort: „Außerdem war der Nürnberger Toni Allemann der erste Spieler, der beim Torwandschießen im Aktuellen Sportstudio vier Treffer erzielte.“

Deutscher Rekordmeister

Und einen weiteren, nicht minder überzeugenden Grund für die Liebe zu den Franken fügt er hinzu: „Nürnberg war deutscher Rekordmeister. Vom FC Bayern hat damals doch noch keiner gesprochen.“

Das sahen im westfälisch geprägten Hohenlimburg aber offenbar nicht allzu viele Menschen so, „denn ich war weit und breit der einzige Nürnberg-Fan.“ Um einen Gleichgesinnten zu treffen musste Wollenweber bis nach Australien fliegen: „1993 habe ich meine ausgewanderte Schwester dort besucht und dabei den Deutschen Franz Feldmaier kennengelernt – und der stammte aus Nürnberg. Es war herrlich, sich endlich mal so richtig über den Club auslassen zu können.“

Als die Nürnberger 2007 den DFB-Pokal gewannen, war Dieter Wollenweber hellauf begeistert und rief Feldmaier in Australien an. Das ausführliche Telefonat sollte Folgen haben: Der Hohenlimburger hatte sich beim Eingeben einer Billig-Vorwahl nämlich vertippt und bekam wenig später eine Telefonrechnung in Höhe von über 100 Euro. „70 Euro hat allein das Gespräch nach Australien gekostet“, erinnert sich Wollenweber, „aber das war mir im Endeffekt auch egal.“

Mit Begeisterung Radio gehört

Als Kind verfolgte der junge Dieter die Konferenzübertragung der Bundesliga mit Begeisterung am Radio, später schaute er sich die Spiele im Fernsehen an. Und auch ins Stadion ging er dann und wann – allerdings nur bis in die 80iger-Jahre. „Damals spielte Nürnberg auf Schalke“, denkt der 62-Jährige zurück, „und ich war mit einer FCN-Fahne dabei. Als mich deshalb jemand angespuckt hat, war mir klar, dass ich nie wieder in ein Fußballstadion gehen werde.“