Michele Ufer trotzt in Indien Klima und Verkehr

Bloß schnell vorbei am Tuk-Tuk: Der Verkehr war eines der Haupthindernisse für Michele Ufer und die anderen Läufer.
Bloß schnell vorbei am Tuk-Tuk: Der Verkehr war eines der Haupthindernisse für Michele Ufer und die anderen Läufer.
Foto: PRIVAT
Was wir bereits wissen
Wenn Extremsportler Michele Ufer bei einem Wettbewerb an den Start geht, ist der Ort zumeist exotisch. Diesmal war er in Indien unterwegs.

Indien/Herdecke.. Wenn Extremsportler Michele Ufer bei einem Wettbewerb an den Start geht, ist der Ort zumeist exotisch. Diesmal war er in Indien unterwegs, genauer gesagt in der Region Kerala. Dort galt es beim Ultra India Race, in fünf Tagen 200 Kilometer und 5500 Höhenmeter zu bewältigen.

Vom ersten Tag an lieferte sich Ufer ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem alten Bekannten. Denn vor zwei Jahren in der Türkei hatte der Herdecker den Dänen Tomas Sundmann über 250 Kilometer besiegt. Diesmal hatte Sundmann allerdings mehr als nur eine Nase vorne und am Ende einen Vorsprung von 76 Minuten auf Ufer, der Platz zwei belegte. Kein Problem: „Wir gehen sehr freundschaftlich miteinander um, trinken auch mal ein Bier zusammen und fachsimpeln über das Training“, sagt Michel Ufer. Beide haben nämlich ein gemeinsames Thema. Ufer ist Sportpsychologe, Sundmann Fitnesstrainer eines Profifußballteams.

Manche fallen durch Medizincheck

Das Teilnehmerfeld sollte eigentlich 15 Starter umfassen, aber am Ende wurden es nur gut die Hälfte. „Insgesamt waren wir acht Starter“, sagt Michele Ufer. Ein Grund für den kleinen Kreis: Einige bestanden die medizinischen Checks nicht. „So war die Gruppe natürlich recht intim“, sagt Ufer, der sich eigentlich ein paar Teilnehmer gewünscht hätte, da er den Wettkampf auch zur Datengewinnung für seine Dissertation nutzen wollte.

Laufen Jeden Tag bewältigten die Extremsportler zwischen 40 und 50 Kilometern. Gestartet wurde jeden Morgen zusammen, wobei die Athleten eine Pflichtausrüstung im Rucksack auf den Schultern trugen. Dazu gehörten etwa eine Decke, Medikamente, Verpflegung für den Tag, Campingkocher und auch eine Taschenlampe – kurz gesagt alles für den Notfall. „Das Ultra India Race ist eine Halb-Selbstversorger-Veranstaltung und war daher im Vergleich sehr entspannt“, sagt Michele Ufer. Nicht selten müsse man sonst die Verpflegung für das gesamte Rennen auf den Etappen mitschleppen.

Am Abend wurde dann gemeinsam in Zelten auf Sportplätzen kleiner Dorfschulen übernachtet. Das sei schon recht laut gewesen, berichtet Michele Ufer. So sei der Schlafmangel noch zu den anderen Hürden gekommen. Denn natürlich sei das Klima bei Temperaturen von 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit eine Herausforderung gewesen. Selbst voll austrainierte Sportler hätten so ihre Probleme bekommen. So habe der Franzose Antoine Galewski habe das Rennen am dritten Tag völlig dehydriert aufgeben müssen.

Verkehr ist nervtötend

Dazu kam noch der Verkehr. „Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass so viele Abschnitte der Strecke über die Straße führen“, sagt Michele Ufer. „Aber der Veranstalter hat uns erzählt, dass 30 Prozent der Strecke des Vorjahres mittlerweile zugepflastert sind, so stark schreitet die Erschließung dort voran.“

Zwar habe es auch ruhige Streckenabschnitte gegeben, aber häufig habe man sich durch den Verkehr auf der Straße schlängeln müssen – vorbei an Mopeds, Tuk-Tuks oder Lkws. Besonders die quirligen Minitaxen seien abenteuerlich gefahren. „Und das Gehupe war manchmal wirklich nervtötend.“

Laufblog Ein anders Hindernis, das hätte auftreten können, blieb zumindest Michele Ufer erspart: In Kerala sollen laut Statistik Angriffe von Elefanten jeden Monat im Schnitt ein Menschenleben fordern. „Die Elefanten werden in Kerala häufig als Nutztiere im Holzbau eingesetzt. Ich vermute, wenn es den Tieren zu bunt wird, gehen sie auf Menschen los.“

Eine brenzlige Begegnung Auge in Auge mit einem wild gewordenen Elefanten sei aber allen Startern erspart geblieben. Besonders in abgelegenen Gebieten sei ihm trotzdem der Gedanke an die Statistik durch den Kopf geschossen, gibt Michele Ufer mit einem Lachen zu.

Insgesamt hat sich der Start in Indien auf jeden Fall gelohnt: „Der zweite Platz freut mich riesig.“