Leser paddeln mit dem Kanu-Club Herdecke auf der Ruhr

„So nah haben sie da wohl noch nie drauf geschaut“, sagt Tourleiter Thomas Spenner, als das Boot an der Stauanlage Stiftsmühle schwimmt.
„So nah haben sie da wohl noch nie drauf geschaut“, sagt Tourleiter Thomas Spenner, als das Boot an der Stauanlage Stiftsmühle schwimmt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Bei unserer Sommertour kommen Leser und der Verein zusammen. Der Regen stört dabei nicht, aber eine Entenfamilie kreuzt den Weg.

Herdecke..  Und plötzlich kämpfen sich doch ein paar Sonnenstrahlen durch die dichte Wolkendecke. Gerade noch hat der Regen den Rasen vor der Bootshalle des Herdecker Kanu-Clubs aufgeweicht, nun erinnert die Sonne daran, dass ja eigentlich Juli ist – Sommer. „Das sollten wir ausnutzen“, sagt Thomas Spenner, langjähriges Mitglied im Kanu-Club. Er leitet die Sommertour, bei der unsere Leser eigentlich in einem Drachenboot über die Ruhr fahren sollten. Doch das Wetter und Erkältungen haben viele dazu bewogen, die Tour abzusagen. Vier Unerschrockene sind trotzdem gekommen. „Ich will es mal versuchen“, sagt Irmgard Wirth stellvertretend für die anderen.

Und so geht es für unsere Leser, ein paar Mitglieder des Kanu-Clubs und den Autor dieser Zeilen los. Gepaddelt wird im Canadier anstelle des Drachenbootes, die Ruhr ist dieselbe. Mit dabei ist auch Siegfried Fröhlich, 82 Jahre alt, er trägt Regenjacke, eine Kappe und Handschuhe. Fröhlich weiß, wie man sich bei Regenwetter kleiden muss, denn er ist früher viel gesegelt – auf dem Harkortsee. „Jetzt war ich aber sechs oder sieben Jahre nicht mehr auf dem Wasser“, erklärt der Herdecker: „Deswegen wollte ich unbedingt mitfahren.“ Gudrun und Michael Goldau sind aus Wetter angereist: „Wir wollen Spaß haben.“ Michael Goldau hat schon ein paar Mal in einem Paddelboot gesessen: „Ich werde also nicht seekrank.“

Mit allen an Bord setzt sich der Canadier langsam in Bewegung. Thomas Spenner gibt den Takt vor. Das Boot schippert in Richtung Stauanlage Stiftsmühle. Unter der B54-Brücke erzählt Spenner, dass die Kanuten hier schon mal eine Pause einlegen, jedenfalls wenn es stark regnet. Das ist jetzt aber nicht nötig, denn das Unwetter lässt sich gerade nicht blicken. Deswegen geht es weiter, vorbei am Tennis Event Center (rechts) und der ehemaligen Anlegestelle der Friedrich Harkort (links). An der Stauanlage stoppt der Canadier. „So nah haben sie da wohl noch nie drauf geschaut“, sagt Spenner. Kopfnicken.

Der Kanute erzählt davon, wie bei Hochwasser das Wasser über die Anlage schießt. Und wie wagemutige Wassersportler manchmal versuchen, mit der starken Strömung darüber zu fahren. „Das halte ich für zu gefährlich.“ Kopfnicken.

Entenfamilie kreuzt den Weg

Auf der Rückfahrt kreuzt eine Entenfamilie den Weg des Canadiers. Vor allem die Küken scheinen sich sehr dafür zu interessieren, was denn der große Bruder mit der ungewöhnlichen Besatzung vor hat. Begegnungen, die jeder Paddler kennt, wie Spenner erklärt. Sport in einer Naturidylle, die nur durch einen Kinderschuh gestört wird, der in der Ruhr schippert. „Wir finden hier so einiges, vor allem Pfandflaschen“, sagt Spenner.

Als alle Beteiligten wieder festen Boden unter den Füßen haben, prasselt der Regen wieder vom Himmel. Irmgard Wirth strahlt trotzdem: „Das war sehr schön.“ Ihre Enkel sind Mitglieder im Kanu-Club und fahren regelmäßig auf der Ruhr, „jetzt habe ich das auch mal gemacht“. Siegfried Fröhlich schaut ebenfalls zufrieden: „Durch die Tour bin ich mal dahin gekommen, wo ich noch nie war.“ Auch das Ehepaar Goldau bereut die Entscheidung nicht, trotz des Aprilwetters an der Tour teilgenommen zu haben. „Die Erklärungen von Thomas Spenner haben mir besonders gut gefallen“, sagt Michael Goldau und seine Frau ergänzt: „Hinhören und paddeln, das war nicht so leicht.“

Für die Leser liegen da schon die ersten Würstchen auf dem Grill. Sport macht schließlich hungrig.