Keine Probleme mit dem Mindestlohn

In der Fußball-Bezirksliga kommen in der Regel nur wenige Vertragsspieler zum Einsatz.
In der Fußball-Bezirksliga kommen in der Regel nur wenige Vertragsspieler zum Einsatz.
Foto: Valentin Dornis
Was wir bereits wissen
Viele Vereine zahlen ihren Ehrenamtlichen ohnehin mehr als 8,50 Euro pro Stunde. Für heimische Fußball-Vereine mit Vertragsspielern wäre der Mindestlohn aber ein Problem geworden.

Wetter/Herdecke..  „Nicht geschenkt. Sondern verdient.“ So wirbt das Bundes-Arbeitsministerium für den Mindestlohn. Wenn man den Aufwand betrachtet, den viele Ehrenamtliche in den heimischen Sportvereinen betreiben, ist klar: Verdient hätten auch die einen Stundenlohn von 8,50 Euro. Doch in dem Wort „Ehrenamt“ schwingt mit, was den Unterschied ausmacht: Freiwilliges Engagement, eine gesellschaftliche Aufgabe, Freizeitgestaltung.

Das hat nun auch die Bundes-Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bestätigt. Nach einem Treffen mit dem Deutschen Fußballbund (DFB) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) teilte ihr Ministerium mit, dass auch so genannte Mini-Jobber mit Verträgen im Sport in der Regel vom Mindestlohn befreit seien: Das zeitliche und persönliche Engagement dieser Sportler zeige, dass nicht die finanzielle Gegenleistung, sondern die Förderung des Vereinszwecks und der Spaß am Sport im Vordergrund stehen, hieß es in einer Zusammenfassung der Gespräche.

Für heimische Vereine hat das unterschiedliche Bedeutung: Bei Mehrsparten-Vereinen wie dem TuS Wengern kommen in der Regel keine Vertragskräfte zum Einsatz, erklärt Helge Heisters: „Bei uns läuft fast alles über die Übungsleiterpauschale und Aufwandsentschädigungen. Wir haben ein einziges Minijob-Verhältnis, wo wir allerdings sowieso mehr als den Mindestlohn zahlen.“ Das gelte auch für die Entschädigungen der ehrenamtlichen Übungsleiter. Ähnlich sieht es beim TSV Herdecke 1863 aus: „Wir achten darauf, dass unsere Übungsleiter nach der Pauschale vernünftig entschädigt werden. Auch bei unserem einzigen Vertragsverhältnis mit einer Bürokraft liegen wir deutlich über den 8,50 Euro“, sagt Kassenwartin Antje Meyer.

Besondere Verträge im Fußball

Interessant wird es bei den so genannten „Vertragsspielern“ im Amateurfußball, um die es bei den aktuellen Gesprächen im Ministerium auch ging. Von den klassenhöchsten Vereinen in Wetter und Herdecke gibt es drei Spieler, die betroffen gewesen wären: Rocco Tursi und Ismail Marjan (beide TSG Herdecke) und Thomas Ludwig (FC Wetter). Für die Vereine ist die Befreiung vom Mindestlohn eine gute Nachricht: „Wir haben durch diesen Vertrag sowieso einen erheblichen Mehraufwand im Gegensatz zu Spielern, die nicht als Amateure bei uns unter Vertrag stehen“, erklärte der FC-Vositzende Julius Stolte. „Die Spieler müssen zum Beispiel anders versichert werden. Wenn sie sich verletzen, ist das ein Arbeitsunfall und unheimlich aufwändig. Wenn wir jetzt noch jede Trainingsstunde, die Fahrten zu Auswärtsspielen und alles weitere hätten festhalten und berechnen müssen, hätten wir noch eine Bürokraft einstellen müssen.“ Das sieht auch Harald Beinsen so, stellvertretender Vorsitzender der TSG Herdecke: „Wir haben aktuell zwei Spieler unter Vertrag, das hätten wir uns mit dem Mindestlohn nicht leisten können. Aber oft das Problem, dass man ohne einen Vertrag die nötige Freigabe für den Spieler nicht bekommt.“ Aber für die Zukunft stehe fest: „Wir machen keine Spielerverträge mehr, ob mit oder ohne Mindestlohn.“ So hält es auch der dritte Fußball-Bezirksligist im Bunde, der TuS Wengern. „Wir haben grundsätzlich keine Spieler unter Vertrag“, erklärte der TuS-Vorsitzende Helge Heisters.