„Kanadisches Frühstück vermisse ich richtig“

Der Hohenlimburger Adrian Knauf (15) verweilte ein halbes Jahr in Kanada.
Der Hohenlimburger Adrian Knauf (15) verweilte ein halbes Jahr in Kanada.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Ein halbes Jahr mal ein anderes Stück von dieser Welt sehen. Dieser Traum hat sich für den heimischen Gymnasiasten Adrian Knauf erfüllt. Der 15-jährige Tennisspieler des TC Weiß-Rot Hohenlimburg nahm an einem Schüleraustausch teil und verweilte für fünf Monate in Kanada. Genau gesagt in Chilliwack, etwa 100 Kilometer von Vancouver entfernt. Was er dort erlebt hat und warum dieses Abenteuer auch die Persönlichkeit fördert, hat er dieser Zeitung in einem Interview verraten.

Adrian, kennen die Kanadier neben Eishockey und Basketball auch Tennis?

Adrian Knauf: Ja, das kennen die schon, ich habe dort auch Tennis gespielt. Allerdings mit einem 20 Jahre alten Schläger und auf Asphalt.

Wieso Kanada?

Der Trend geht immer noch dahin, dass die Schüler zu einem Austausch in die USA wollen. Das fand ich ziemlich uncool. In Kanada war ich noch nie, habe aber viel davon gehört, zum Beispiel, dass das Land mit seinen Bergen und Seen wunderschön ist, die Kanadier offen und hilfsbereit sind sowie die englische Sprache dort sehr klar ist. Alles hat sich bestätigt. In Kanada konnte ich mir auch die Schule aussuchen.

Wann hast Du Dich für einen Schüleraustausch entschieden und wie lief das Procedere ab?

Das war eigentlich relativ kurzfristig, vielleicht ein dreiviertel Jahr zuvor. Meine Mutter hat mich gefragt, ob ich mir so etwas vorstellen könnte. Dann haben wir Kataloge durchforstet. Die Chance, sich zu bewerben, war relativ gering, daher haben wir private Anbieter gesucht. Ich habe mich dann bei einer Organisation vorgestellt. Dort wurde ich auf Herz und Nieren geprüft, unter anderem auch auf meine Englischkenntnisse. Das Gespräch lief hervorragend, und ich bin genommen worden.

Hat vor dem Abflug Freude oder Nervosität überwogen?

Ich bin mit einem lachenden und einem weinenden Auge durch die Flugkontrolle gegangen. Ich war schon nervös, weil ich keine Ahnung hatte, was mich erwartet. Ich kam in Toronto an, wo ein dreitägiges Orientierungscamp stattfand. Das hat mir den Kick gegeben, dass ich mich auf das vor mir liegende halbe Jahr richtig freue.

Wie war Deine Gastfamilie?

Ich wurde super aufgenommen. Die Familie bestand aus Mutter Trish, Vater Owen sowie Sohn Liam, der ist ein halbes Jahr jünger als ich. Sie haben noch einen 20-jährigen Sohn, der wohnt aber nicht mehr bei seinen Eltern. Mit Liam habe ich mich wie mit einem Bruder verstanden. Mal beste Freunde, mal sind wir uns an die Kehle gegangen (lacht). Mutter Trish war hochschwanger, hat drei Monate nach meiner Ankunft ihre Tochter Alannah zur Welt gebracht. Sie hatte eine schwere Schwangerschaft. Sie hat zudem noch gearbeitet, war dann abends immer völlig fertig. Ich habe mich ihr gegenüber erst etwas unwohl gefühlt, aber wir haben darüber geredet, und dann war alles in Ordnung. Das kann ich übrigens nur jedem raten: Wer Probleme hat, Mund aufmachen!

Durftest Du Dich nach der Ankunft erst ein wenig zurecht finden oder ging es sofort in den Alltag hinein?

Von Toronto bin ich nach Vancouver geflogen, mein Gastvater hat mich abgeholt, und wir sind nach Chilliwack gefahren. Es waren noch Ferien in Kanada, die wurden durch einen Lehrer-Streik sogar noch verlängert (schmunzelt). Ich hatte zwei Wochen volles Programm, wir sind quer durch British Columbia gereist, ich durfte viele Leute kennenlernen. Das war wunderschön.

Wie sah danach ein typisch kanadischer Alltag für Dich aus?

Ich bin um 7 Uhr aufgestanden und habe dann meinen Gastbruder aus dem Bad geschmissen (lacht). Nach einem kanadischen Frühstück mit Bacon und Waffeln ging es mit dem gelben Schulbus in die Schule. Meine Fächer durfte ich selbst wählen, ich belegte unter anderem Englisch, Musik, Sport, Tischlerei und Television. In der Mittagspause sind wir oft nach Tim Hortons gegangen (Anm. der Red.: Fast-Food-Kette mit Sandwiches, Donuts, etc.). Das vermisse ich übrigens sehr. Schulschluss war immer um 14.47 Uhr. Die Zeiten sind so krumm, weil die Pausen zum Raum wechseln meist nur eine Minute betragen. In meiner Freizeit habe ich Saxophon und Gitarre gespielt.

Auch Sport betrieben?

Ja, die Basketball-Saison hat begonnen, spielte im Schulteam. Leider habe ich mir im zweiten Spiel die Bänder angerissen, da war die Saison gelaufen. Ich bin dann später ins Fitness-Studio gegangen.

Wie hat die Verständigung geklappt?

Meine Mitschüler waren freundlich und offen, die sind sofort auf mich zugekommen. So war es auch bei den anderen Austauschschülern. Die Verständigung hat super geklappt, weil die englische Aussprache sehr klar ist. Zu Beginn musste ich noch das ein oder andere Wort auf dem Handy nachgucken.

Wie ist das Verhältnis von Schüler und Lehrer?

Die Atmosphäre ist sehr locker, in Kanada ist der Lehrer dein bester Freund. In Deutschland würde man in dem Fall den Schüler als Schleimer bezeichnen (lacht).

Was gibt die kanadische Küche denn so her?

Das Frühstück werde ich sehr vermissen, da gab es Pancakes mit Ahornsirup. In der Familie haben wir oft Steaks gegessen. Ansonsten gibt es in Kanada viele Fast-Food-Ketten.

Unterm Strich - was hat das halbe Jahr für Dich gebracht?

Meine Englischkenntnisse haben sich verbessert, ich spreche viel flüssiger. Ich habe mich selbst besser kennengelernt und nur positiv gedacht. Mein Umgang mit fremden Menschen ist anders, und ich bin selbstständiger geworden.

Wärst Du gerne länger als ein halbes Jahr in Kanada geblieben?

Im Nachhinein schon, man hatte die Option zu verlängern. Aber ich kann jetzt wieder in die zehnte Klasse einsteigen und brauche das Schuljahr nicht wiederholen, muss aber jetzt viel Stoff aufarbeiten.

Und noch einmal zurück zum Tennis – schafft Ihr mit der ersten Mannschaft des TC den Aufstieg?

Ich habe ja jetzt lange nicht am Training teilgenommen, aber ich habe gehört, dass wir gute Leute haben und alle gut drauf sind. Das packen wir!