Jugendarbeit bei Zelluloid-Künstlern braucht wieder ein neues Leben

Manfred Welzel (links) und Gustav Plötz erinnern sich mit Fotoalben an die goldenen Tischtennis-Zeiten.
Manfred Welzel (links) und Gustav Plötz erinnern sich mit Fotoalben an die goldenen Tischtennis-Zeiten.
Foto: WP

Nahmer..  Seit 1946/1947 wird im ATS Nahmer Tischtennis gespielt. Zu Spitzenzeiten drängen sich mehr als 100 Jugendliche in die kleine Adler-Halle – ganz genau genommen 102. Heute steht beim ATS gerade mal ein Jugendlicher an der Platte, der bei den Erwachsenen mittrainiert. Ein Zustand, den die Nahmeraner gerne wieder ändern möchten.

Die Jugendarbeit beim ATS ist untrennbar mit Gustav Plötz verbunden. Am 1. Januar 1953 tritt der heute 76-Jährige in den Verein ein, ist bis 2014 mit zweijähriger Unterbrechung dort tätig. Unterstützung erhält er später von den Brüdern Manfred und Siegfried Welzel sowie Jochen Laqua – auch sie kann man als „Urgesteine“ des ATS bezeichnen.

Tischtennis bei Germania Reh

Im Gespräch dieser Zeitung mit Gustav Plötz und Manfred Welzel erinnern sie sich gerne an die goldenen Zeiten. Gustav Plötz spielt zunächst Tischtennis beim TSV Germania Reh – in der alten Turnhalle am Henkhauser Freibad. „Auswärts haben wir oft in Kneipen gespielt. Beim Doppel standen wir direkt an der Wand. Ballonabwehr war nicht möglich“, so Plötz mit einem Schmunzeln. „Einige Mannschaften haben zu Auswärtsspielen sogar ihre eigenen Platten mitgebracht.“

Die Heimspiele und das Training in der Adler-Halle haben auch ihre Besonderheit. Es gibt damals keine Duschen. „Nach dem Training ging es mit dem Fahrrad zum Koenigsee. Dort haben wir gebadet, das war dann die Zusatzeinheit“, sagt Gustav Plötz.

1954 wird Plötz Jugendkreismeister, mit 16 Jahren spielt er schon in der ersten Mannschaft des ATS Nahmer. 1956 wird er Kreismeister im Doppel mit Erich Hufeisen, 1961 holt er den gleichen Titel im Mixed mit Ingrid Schaar. Das zweijährige Intermezzo beim TTVg Schwerte (1963 bis 1965) endet mit einem Kreuzbandriss. Seit dem liegt der Schwerpunkt der Arbeit von Gustav Plötz auf der Trainertätigkeit.

„Ich habe 179 Teams trainiert, 16 Teamtitel und 48 Pokalsiege geholt“, erzählt der 76-Jährige mit berechtigtem Stolz. Dazu zählen der Landesliga-Aufstieg der Damen-Mannschaft 1962 und der Bezirksliga-Aufstieg der Jugend 1979, damals die höchste westdeutsche Klasse. Mit dabei Meinhard Skupsch und Achim Scholz, die heute noch Tischtennis beim ATS spielen.

Jugendarbeit Selbstläufer

„Die Jugendarbeit beim ATS war damals ein Selbstläufer“, sagt Gustav Plötz. Viele Schulen absolvieren ihren Sportunterricht in der Adler-Halle, so die damalige Hauptschule an der Gasstraße und das Gymnasium. Die Väter der meisten Kinder arbeiten bei „Krupp“ um die Ecke. Auch der Oeger Stadtteil ist nicht weit. „In einem Jahr hatten wir 13 Jungen- und vier Mädchen-Mannschaften“, sagt Gustav Plötz. „Sie trainierten auf 13 Tischtennisplatten in der Adlerhalle.“ Immer beliebt – das Rundlauf-Turnier auf der Bühne. Dort gibt es Tischtennis-Bälle zu gewinnen.

Unterstützung der Eltern

„Damals hatte ich große Unterstützung der Elternschaft“, weiß Gustav Plötz, der regelmäßig Elternabende veranstaltet. Auch für die Kinder gibt es außerhalb der Halle immer Programm – Tagesfahrten ins Phantasialand, Traumlandpark (heute Movie-World) sowie Fahrten in Sportschulen.

Zweimal muss der ATS sogar ein Aufnahmestopp verhängen – 1980 und 1985, die Kapazitäten der Halle reichen nicht mehr aus. „Als wir 1985 den Aufnahmestopp gelockert haben, haben uns gleich 53 neue Jugendliche die Bude eingerannt“, sagt Manfred Welzel mit einem Schmunzeln. Große Talente bringt der ATS hervor. Hier sind Christian Potthoff und Alexander Laqua zu nennen, die es bis zur westdeutschen Meisterschaft geschafft haben.

Erst ab dem Jahr 2010 ebbt der Zulauf an Jugendlichen ab – und zwar ziemlich ruckartig. „Es gab keinen Schulsport mehr in unserer Halle. Es hat sich alles auf Elsey konzentriert, dort sind die Wege kurz“, so Manfred Welzel. Der Offene Ganztag steuert auch seinen Teil dabei. „Die Jungs kamen direkt von der Schule zum Training. Sie waren schon vor dem Trainingsbeginn müde und kaputt.“ 2012 meldet der ATS Nahmer zum letzten Mal eine Jugendmannschaft zum Spielbetrieb.

„Ich bin froh, dass ich nach wie vor voll im Stoff bin. Sonst würde mich das runterziehen“, sagt Gustav Plötz. Nach wie vor hat er sehr viel zu tun, unter anderem als langjähriger Mitarbeiter des Kaltwalzmuseums auf Schloss Hohenlimburg. Auf alle seine Jugendlichen, die er trainiert hat, ist er sehr stolz. „Ich freue mich, dass aus allen etwas geworden ist.“ Nach wie vor grüßen ihn seine ehemaligen Schützlinge, wenn sie ihn auf der Straße sehen. Ein geplanter Zehn-Minuten-Spaziergang kann so auch mal eine Stunde dauern.

Manfred Welzel hat mit Bruder Siegfried Gustav Plötz nach besten Kräften immer unterstützt. Nun möchte er nur noch ein „bisschen Tischtennis spielen“ und sich aus der Organisation zurückziehen. Das Amt des Leiters der Tischtennis-Abteilung, welches er seit 1992 innehat, wird er bei der Jahreshauptversammlung des ATS am Sonntag, 1. März (10 Uhr, Adlerhalle) abgeben.

Neubeginn nach Ostern

Manfred Fox wird – im Falle einer Wahl – die Leitung der Zelluloid-Künstler übernehmen. Im Jugendbereich will der ATS nach Ostern einen Neuanfang wagen. Die Voraussetzungen sind geschaffen, Trainingszeiten sind da, der Verein ist finanziell gut aufgestellt. „Wir brauchen Übungsleiter, die langfristig zur Verfügung stehen“, so Manfred Welzel. Zwischendurch würden Welzel und Gustav Plötz auch gerne aushilfsweise in die Bresche springen – nicht aber mehr in der Verantwortung.