In Hoheleye verbessern Diabetiker auch im Schritt-Tempo Werte zügig

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Hagen..  Es muss ja nicht gleich Bundesliga-Basketball sein. Wie bei Fabian Bleck, dem jungen Phoenix-Profi, der es trotz der Diagnose Diabetes zum Hochleistungssportler gebracht hat. Im Megacourt der Hoheleye geht es weit gemächlicher zu, trainiert wird im Geh-Tempo. Und bester Laune. „Nicht so schnell, heute ist doch Blitz-Marathon“, flachst Ulrich Kühling. Erst seit sechs Wochen nutzt der Hasper das Diabetessport-Angebot des TSV Hagen 1860 - und sieht schon Erfolge: „Ich spritze abends schon ein Drittel weniger.“ Und nicht nur auf Blutzuckerspiegel und Insulinbedarf wirkt sich die körperliche Aktivität positiv aus. Überhaupt empfiehlt die Deutschen Diabetes-Gesellschaft ein abgestimmtes Bewegungsprogramm zur Vorbeugung und Mitbehandlung der Zuckerkrankheit.

Was passiert im Kurs?

Alles beginnt und endet am Puls-Messgerät. Vor, mehrfach während und nach dem Kurs werden die aktuellen Werte ermittelt und eingetragen. Vor allem nach dem Ausdauerteil in der Mitte der Stunde, wie Übungsleiterin Katharina Tiemann betont: „Damit die Teilnehmer merken, wie weit sie gehen können.“ Bei Anzeichen der Überforderung kann so schnell reagiert werden. Optimal wäre es zudem, das räumt sie ein, wenn auch der Blutzuckerspiegel gemessen würde. Allerdings finanzieren die Krankenkassen die Teststreifen nicht mehr, nun messen die Teilnehmer vor Kursbeginn daheim. „Sie haben sich alle gut unter Kon-trolle“, ist Tiemann sicher. Und gegen die Unterzuckerung hat jeder Traubenzucker, Cola oder ähnliches dabei.

Dem lockeren Aufwärmen im Schritt-Tempo lässt sie Zweckgymnastik folgen. „Bei Diabetikern ist das speziell für die Füße wichtig“, sagt sie. Nach Koordinationsübungen mit dem Ball etwa wird über verschiedenfarbige Matten in Kreis-, Dreiecks- oder Quadratform - an jeder muss eine Aufgabe erfüllt werden - gegangen. Übungen für die Sturzprophylaxe, erklärt die Übungsleiterin: „Damit die Teilnehmer im Alltag bewusster die Beine hochheben.“ Kontrolliert außer Atem geraten diese im anschließenden Ausdauerteil, bevorzugt in Spielform. „Zehn Minuten durchpowern, damit der Puls hochgeht“, fordert Katharina Tiemann, im folgenden Cooldown beruhigt sich die Herzfrequenz dann schnell wieder. Und Teilnehmer, die bei diesem Programm eine Pause brauchen, nehmen zwischenzeitlich auf der Bank Platz.

Wie wirkt sich Sport aus?

Gerade bei Typ-2-Diabetikern („Altersdiabetes“) wird Sport empfohlen, da Bewegungsmangel und Übergewicht zu den Risikofaktoren gehören. Körperliche Aktivität verbessert Blutzuckerwerte, senkt Gewicht, Blutdruck, Cholesterinspiegel. „Das Immunsystem wird gestärkt, man ist nicht mehr so anfällig für Infektionen“, ergänzt Katharina Tiemann. Die Knochendichte wird positiv beeinflusst, auch vor Schlaganfällen und Herzinfarkte schützt das Training. „Und im Vordergrund steht auch das Miteinander, der soziale Kontakt“, sagt Tiemann, „Gleichgesinnte können miteinander darüber sprechen, wie andere mit dem Problem umgehen.“

Wer ist Zielgruppe?

„Alle, die die Diagnose Diabetes und die Zusage der Krankenkasse zur Kostenübernahme bekommen haben“, sagt Tiemann. In ihren Kursen hat die Gymnastiklehrerin mit Zusatzqualifikation Diabetessport aber auch einige „Selbstzahler“, die seit Jahren dabei sind. Vor der Aufnahme eines Sportprogrammes sollte sich der Patient ausführlich von seinem Arzt beraten lassen. „Zum Herzsport kommen die Leute automatisch, bei Diabetikern ist es schwerer, sie zu bewegen“, hat Katharina Tiemann festegestellt: „Dabei merken die Teilnehmer, dass sie schon nach ein paar Wochen Urlaub vom Kurs schlechtere Werte haben.“

Wann wird trainiert?

Der Diabetessport beim TSV Hagen 1860 findet dienstags von 9.30-10.30 Uhr und donnerstags von 10-11 Uhr im Megacourt der Hoheleye statt. Informationen gibt es bei der TSV-Geschäftsstelle ( 67777, info@tsvhagen1860.de).

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