In Halden fliegen Kugeln mit Plaisir

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Hagen..  „Stellen Sie sich das so vor, als wenn Roger Federer nach Hagen kommen würde, um hier Tennis-Einsteiger zu trainieren.“ Der Vergleich von Utz Hanning ist, gemessen an den Erfolgen, durchaus angebracht. Immerhin handelt es sich bei Philippe Suchaud um einen zehnmaligen Weltmeister und elfmaligen französischen Champion. Nur die Bekanntheit außerhalb seiner Heimat lässt zu wünschen übrig. In Halden hat sich das nachhaltig geändert, der 45-jährige Franzose demonstriert dort bei Petanquesport Hagen - vermittelt durch Klubmitglied Hanning - seine Fertigkeiten.

Während Petanque in Frankreich als Nationalsport gefeiert wird und Philippe Suchaud in den sozialen Medien allgegenwärtig ist, hat die wettkampfmäßigen Variante des beliebten Strandspieles Boule in Deutschland noch ein Nischendasein. „Das Ziel ist es, seine eigene Kugel möglichst nah an das Schweinchen heranzubekommen“, erklärt der 1. Vorsitzende von Petanquesport Hagen, Bernd Deipenwisch und ergänzt: „Schweinchen wird die kleine Zielkugel genannt.“ Um die Annäherung an das Schweinchen zu perfektionieren, hat der Verein ein dreitägiges Training mit dem französischen Profi und seinem Trainingskameraden Manolo Pintado angeboten.

Unter dem Motto „Avec Plaisir“ (Mit Freude) reisten Petanque-Begeisterte an: „Nicht nur Spieler aus Hagen, sondern aus ganz NRW“, erzählt Organisator Hanning, „es ist ja auch etwas Besonderes, mit so einem Profi zusammen spielen zu können.“ Gespielt wurde jeweils von neun bis 16.30 Uhr, die beiden Franzosen standen mit Tipps zur Seite. Und gingen dabei auf jeden einzelnen Teilnehmer individuell ein, auch wenn die Verständigung nicht immer ganz reibungslos verlief. „Ja, es gab zum Teil Verständigungsschwierigkeiten“, gibt Suchaud zu, „aber man kann sich immer irgendwie mit Händen und Füßen verständigen.“

Zur Vorbereitung sahen sich Sauchand und Pintado eigens ein Ligaspiel in Bochum an - dabei fielen ihnen die Unterschiede zur Heimat auf. „Die deutschen Spieler sind alle sehr ernst in ihrem Sport, lachen weniger als die Franzosen“, sagt Suchaud. Das war während der Trainingstage auf der Sportanlage „Im alten Holz“ aber nicht der Fall. „Die Spieler hier sind sehr sympathisch, aber auch konzentriert bei der Sache“, loben die Trainer: „Es ist eine Freude, sie zu trainieren.“

Auch die Teilnehmer sind von dem Spiel mit den Profis begeistert, wie etwa Alfred Hovekamp, der extra aus Brühl anreiste. Gefragt nach der Besonderheit des Petanquesports, gerät er beinah ins Schwärmen, „Es bietet einen besonderen Reiz, wenn auf jedem Gelände gespielt werden kann“, sagt er, „es macht keinen Unterschied, wie alt oder jung man ist. Und es kann immer alles passieren. Manchmal kann man dann auch einen Weltmeister schlagen.“ Im Trainingsspielchen gelang das auch den Hagenern. Wettkampfmäßig tritt Suchaud schon am Wochenende wieder an: In Chartres will er sich für die französischen Meisterschaften qualifizieren - und dort dann den zwölften Titel gewinnen.