In Frankfurts Hitze schafft Peter Müller seinen ersten Ironman

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Was wir bereits wissen
Als Neuling stellt man sich andere Bedingungen vor: Doch der erste Ironman-Start von Peter Müller fiel auf das heißeste Wochenende des Jahres. Nach elfeinhalb Stunden kam der ehemalige Fußballer in Frankfurt ins Ziel.

Frankfurt/Hagen..  Noch vor fünf Jahren, sagt Peter Müller, habe er gar nicht kraulen können. „Ins Hestert-Bad sind wir früher ja eigentlich nur zum Kicken gegangen“, erklärt er. An seinem Schwimm-Defizit hat der gebürtige Hasper allerdings seitdem nachhaltig gearbeitet. Am Sonntag jedenfalls schwamm er zügige 3,8 Kilometer durch den Langener Waldsee. Und nicht nur das, der 42-Jährige ließ bei großer Hitze auch noch 180 Kilometer auf dem Rad und einen Marathonlauf (42,195 km) folgen. In Frankfurt - bei der Europameisterschaft der Langdistanz-Triathleten - bestritt der ehemalige Fußballer seinen ersten Ironman. Und kam nach knapp elfeinhalb Stunden als Schnellster des kleinen Trupps vom Tri-Team Hagen ins Ziel. „Das wird meine Bestzeit bleiben“, ist Müller sicher, denn eine Wiederholung ist nicht geplant: „Das war eine einmalige Geschichte.“ Sein langer Weg bis zum Frankfurter Römerberg in Etappen.

3,5 Kilometer Schwimmen

Um sieben Uhr in der Frühe, drei Stunden nach dem Aufstehen, geht es für Peter Müller mit der Masse der insgesamt 2643 Teilnehmer - mehr als 300 haben angesichts der großen Hitze abgesagt - ins Wasser. Ein paar Minuten nach den Profis, von denen Jan Frodeno später in neuer Bestzeit (7:49:48 Stunden) gewinnen wird. Den ersten kleinen Schreck hat es für Müller schon zwei Tage zuvor bei der ersten Ironman-Besprechung gegeben. Das Tragen von Neoprenanzügen wurde untersagt, 26,5 Grad im Langener Waldsee sind dafür zu warm. „Das war schon Kopfsache“, räumt er ein, „so ein Anzug gibt nicht nur Auftrieb, sondern auch eine gewisse Sicherheit in der Menge.“

Das gilt gerade für ihn, der - wie erwähnt - erst 2010 das Kraulen gelernt hat. Weil er, nach dem durch Knieprobleme bedingten Ende einer langen Zeit als Fußballer bei Hasper SV, SuS Volmarstein und anderswo, Spaß am Ausdauersport gefunden hatte. „Ich habe fast 30 Jahre Fußball gespielt, ich brauchte mal was Neues“, denkt er zurück. Nach seinem ersten Marathon 2008 wollte er es mit Triathlon versuchen. Im Selbstversuch klappte das mit dem ungewohnten Schwimmstil nicht, nach dem Spezialtraining beim Tri-Team indes ging es stetig besser: „Ohne Trainer hast du da verloren.“

Der Respekt vor dem nassen Ironman-Auftakt ist dennoch groß, obwohl Müller die halbe Renn-Distanz zuvor schon dreimal bezwungen hat. „Das Schwimmen war meine größte Sorge“, räumt er ein. So hält er sich aus den Drängeleien der schieren Triathleten-Masse weitgehend heraus: „Nur an den Wendebojen ist das schwierig, da kriegt man schon den ein oder anderen Ellbogen ab.“ Nach 1:23,57 Stunden steigt Müller gegen halb neun aus dem See in die Wechselzone, er liegt auf Gesamtrang 1443. Und fühlt sich gut.

180 Kilometer Radfahren

Spät aus dem Wasser kommen, dann aufholen, ist Müllers Devise. Auf dem Rad bei der Tour durch das Frankfurter Umland und die Wetterau gelingt das gut. Die lange Vorbereitung zahlt sich aus. Nachdem er in Frankfurt schon zweimal beim Ironman am Streckenrand dabei und fasziniert war, hatte der mittlerweile in Volmarstein lebende Ausdauerathlet einen eigenen Start beschlossen. Acht Monate dauerte die akribische Vorbereitung, im Schnitt etwa 15 Stunden pro Woche Schwimmen, Radfahren und Laufen - neben seinem normalen Vollzeit-Job als Autolackierer. „Man muss sich seiner Sache sehr sicher sein“, sagt er und gibt zu: „Im Winter habe ich schon manchmal überlegt, ob das alles so richtig ist.“

Jetzt ist er - nach der Zahlung von 545 Euro allein an Startgeld - hier in Frankfurt, am achten Hochzeitstag wird er von Gattin Tina und einigen Freunden begleitet. Und fühlt sich auch auf dem Rad noch wohl, trotz der zunehmenden Temperaturen. „In der zweiten Runde gab es keine Abkühlung durch Fahrtwind mehr, ich hatte einen ziemlich heißen Kopf“, sagt er später. Doch die Beine sind locker, 5:35,20 Stunden benötigt Müller für die 180 Kilometer. Und hat fast 500 Mitstreiter überholt, auf Rang 986 zieht er mittags um zwei die Laufschuhe an.

42,195 Kilometer Laufen

Der Marathon ist eigentlich die Disziplin des Ex-Fußballers. Doch auf der Strecke am Mainufer, die viermal zu absolvieren ist, lässt Peter Müller es in der Mittagshitze von bis zu 40 Grad langsamer angehen. „Ich hatte großen Respekt davor, was man seinem Körper zumutet“, sagt er, „und das war schon grenzwertig.“ Jede Verpflegungsstation nimmt er mit, versorgt sich regelmäßig mit Flüssigkeit und Mineralien. Als er in die zweite von vier Marathon-Runden einbiegt, sind die besten Profis schon im Ziel, auf der großen Leinwand werden die Sieger-Interviews von Frodeno und Co. übertragen.

Der persönliche Sieg Müllers ist noch ein paar Stunden entfernt, doch mit relativ konstantem Tempo nähert er sich dem Ziel. Seine drei Klubkollegen - ursprünglich wollten zehn Tri-Team-Mitglieder starten, die meisten sagten indes wegen diverser Blessuren vorzeitig ab - hat er mittlerweile überholt. Norbert Kraft, wie er Ironman-Debütant, muss nach einem Radsturz aufgeben, Michael Brylka trotz Magenbeschwerden und Adrian Rewig kämpfen sich bei ihrer dritten Teilnahme ins Ziel. Sie alle laufen durch das enge Spalier der Zuschauer auf den Römerberg, auf der Tribüne die insgesamt etwa 20 mitgereisten Angehörigen, bis in den Zielbogen. „Rookie“ Peter Müller hat dies abends um halb sieben geschafft. Nach genau 11:28,15 Stunden ist er noch auf Gesamrang 637 - also ins vordere Viertel - und Platz 124 seiner Klasse M40-44 vorgeprescht. „Du hast das Gefühl, du könntest noch ewig laufen“, schildert er die letzten Meter, „einfach überwältigend. Da kriegst du alles wieder, wofür du vorher gelitten hast.“ Ein einmaliges Erlebnis eben.

Drei Tri-Team-Starter erreichen das Ziel

Mit vier Teilnehmern ging das Tri-Team Hagen beim Ironman in Frankfurt an den Start. Neben Peter Müller (11:28,15 Stunden, 637. Platz gesamt, 124. M40-44) erreichten auch Michael Brylka (12:09,19, 958. gesamt, 156. M30-34) und Adrian Rewig (13:11,07, 1413. gesamt, 202. M30-34) das Ziel.

Dagegen musste Norbert Kraft (M55-59) nach einem Sturz beim Radfahren vor dem Marathon aufgeben.