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In den Grundschulen fehlen Sportlehrer

23.01.2015 | 18:24 Uhr
In den Grundschulen fehlen Sportlehrer
Wer in der Schule Sport unterrichtet, muss jetzt höhere Anforderungen erfüllen. Wie das ohne Stundenausfall passieren soll, kann niemand sagenFoto: ARCHIV, Sonneborn

Herdecke/Wetter. Der Erlass „Sicherheitsförderung im Schulsport“ des Landes-Schulministeriums sorgt für Unruhe. Mit ihm werden die Vorgaben, wer Schulsport unterrichten darf, deutlich verschärft. Vor allem für die Grundschulen ist das ein Problem, manche Stunde ist bereits ausgefallen. Die Schulleiter wünschen sich eine Übergangsregelung.

Der Schulsport soll sicherer werden, so schreibt NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann in ihrem Vorwort zum Erlass. Zum Beispiel, wenn Geräte eingesetzt werden oder bei neueren Sportarten wie Parcours. Gegen dieses Anliegen sperrt sich niemand. Im Gegenteil, es gibt Zustimmung. So sagt Sabine Jessinghaus, Leiterin der Grundschule Schraberg in Herdecke: „Dieser Grundsatz ist richtig.“

Nur: Die neuen Qualifikationsregeln stören dabei. Das sieht auch Jessinghaus so. „Landesweit werden Schulen Probleme bekommen.“ Denn die sportspezifischen Fortbildungen mancher Lehrer reichen nicht mehr als Qualifikation, trotz teils jahrelanger Erfahrung. Und Sport- sind ja manchmal auch Klassenlehrer, so dass sie nicht alle ihre Stunden in der Sporthalle oder auf dem Sportplatz verbringen.

Verschiedene Antworten kursieren

Julia Vincent, Rektorin der katholischen St.-Rafael-Grundschule in Wetter, sagt: „Wir haben das Glück, eine Fachfrau zu haben. Grundsätzlich hat man aber an einer Grundschule das Problem, dass alle Lehrer alles machen müssen und sich das Wissen dafür meist in Fortbildungen holen.“

Heike Schnell, Leiterin der Robert-Bonnermann-Grundschule, berichtet, an ihrer Schule hätten bereits Sportstunden ausfallen müssen. „Wir haben studierte Sportlehrer, aber damit können wir nicht alles auffangen“, so Schnell. Ihre Einrichtung trägt die Landesauszeichnung „Bewegungsfreudige Schule“ und biete anstelle von drei gar vier Stunden Sport in der Woche an.

Es gibt auch eine Menge Unsicherheit. Der Erlass ist zwar zu den gefragten Qualifikationen eindeutig. Aber auf Nachfragen, wie die Löcher denn gefüllt werden sollten und ob im Sport erfahrene Lehrer nicht trotz fehlender Qualifikation nicht doch unterrichten dürften, kursierten verschiedene Antworten, berichten Schulleiter.

Deswegen fordert Sabine Jessinghaus: „Es muss eine klare Linie geben.“ Jessinghaus selbst dürfte an ihrer eigenen Schule wie zwei studierte Sportlehrer übrigens Sport unterrichten, da sie eine so genannte Quex-Fortbildung absolviert hat.

Diese Quex-Fortbildung habe ein Jahr in Anspruch genommen, so Sabine Jessinghaus. Und auch das ist ein großes Thema, denn wenn keine neuen studierten Sportlehrer zu bekommen sind, muss man die bereits tätigen weiterbilden. Nur: In welchem Zeitraum und Umfang und durch wen soll das geschehen? Denn man braucht die Lehrkräfte ja eigentlich sofort. Deswegen regt Heike Schnell zweierlei an: „Man könnte eine Karenzzeit einräumen, gegen eine Qualifikation hat ja niemand etwas einzuwenden“, sagt sie. Und: „Man könnte schulinterne, abgespeckte Schulungen durchführen.“ Damit wäre auch dafür gesorgt, dass genügend Qualifizierte zur Verfügung stehen.

Man sieht: Der Erlass existiert, wie er genau umgesetzt werden soll, ohne dass Stunden ausfallen, ist aber noch völlig unklar. Mittlerweile hat es allerdings einen Sturm der Entrüstung gegeben. Und so ist man vielleicht bereits kommende Woche ein bisschen schlauer, denn dann soll es eine Informationsveranstaltung für die Schulsportleiter geben. Aus Dortmund etwa ist inoffiziell bereits zu hören, man habe eine Regelung gefunden, mit der auch die Schulen leben könnten.

Dass entweder am Erlass nachgebessert wird oder aber die Schulen qualifizierte Fachkräfte bekommen, ist eigentlich unerlässlich. Denn dass der Sportunterricht an manchen Schulen dauerhaft auf der Strecke bleibt, kann sich ja auch das Schulministerium nicht ernsthaft wünschen.

Die Robert-Bonnermann-Schule hat einen kreativen Weg gefunden, ihren Kindern Bewegung zu verschaffen. Sie können außerhalb des Unterrichts – ohne aufgestellte Geräte – turnen. Denn der Erlass gelte nicht für ein „Bewegungsangebot“, so Heike Schnell.

Sebastian Schneider

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2015-01-23 18:24
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