HTV-Tennisturnier lockt wieder mit Werner-Richard-Pokal

Nachwuchsspieler Christopher Lemke vom TV Warendorf 1897 schlägt beim Werner-Richard-Pokal des HTV auf.
Nachwuchsspieler Christopher Lemke vom TV Warendorf 1897 schlägt beim Werner-Richard-Pokal des HTV auf.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Nachwuchsspieler aus ganz Deutschland sind wieder beim Turnier in Herdecke. Der HTV schickt als einzigen eigenen Spieler Robin Breuer auf den Platz.

Herdecke..  Wenn am Montag das berühmteste Tennisturnier der Welt in Wimbledon beginnt, dann poliert der deutsche Tennis-Nachwuchs bereits seine Pokale. Seit Donnerstag fliegen wieder Matchbälle über die Anlage des Herdecker Tennisvereins von 1920. In drei Altersklassen kämpfen Kinder und Jugendliche um den Sieg beim traditionsreichen Werner-Richard-Turnier.

Im Gegensatz zu Wimbledon spielen die aufstrebenden Sportler zwar nicht auf einem heiligen Rasen, dafür aber auf Asche, auf der schon echte Karrieren begonnen haben. So wie die von Volker Kaupert, der vor 26 Jahren hier als Sieger vom Platz ging und heute in der Tennis-Bundesliga Herren 30 spielt.

Auch Florian Kohlmann möchte hier seine Karriere beginnen – mit einem Nachnamen, der längst über die Tenniswelt hinaus ein Begriff geworden ist. Michael Kohlmann, Onkel des Tennis-Frischlings, war es, der 1988 kurzzeitig auch beim Herdecker Tennisverein gespielt hat und mit 14 Jahren Europameister mit der deutschen Nationalmannschaft wurde. Heute ist er Teamchef der deutschen Davis-Cup-Elite.

Spiel mit Überlänge

In Herdecke sind an diesem Wochenende alle Plätze ausgebucht. Auf fünf Courts gleichzeitig stehen sich die Konkurrenten gegenüber. Und quasi nebenbei beginnen auch noch die Bezirksmeisterschaften Südwestfalen. „Mein Telefon steht nicht mehr still“, sagt der Sportwart des HTV, Frank Kramer, der das Turnier organisiert. Während die Jungs draußen die Bälle über die Netze bringen, trägt er an seinem Computer im Clubhaus die ersten Ergebnisse ein und verzeichnet auch noch einen neuen Turnier-Rekord. „Ein Spiel ging über zwei Stunden und 45 Minuten, das kam schon an Wimbledon ran.“ Nur die Zuschauerterrasse war zu dem Zeitpunkt nicht mehr gefüllt. „Die Väter saßen gegen Spielende direkt bei ihren Söhnen auf einer Bank auf dem Platz.“ Diese Ausnahme hat Kramer ihnen gegönnt, wenngleich Zuschauer auf dem Platz während des Spiels – streng genommen – verboten sind.

„Boomjahre sind vorbei“

Viele der weißen Gartenstühle vor dem Clubhaus haben außer einer Auflage mit Blumenmuster kein Gewicht zu tragen, selbst das sieht Kramer realistisch: „Die Boomjahre sind eben vorbei.“ Doch mit 32 Meldungen habe der Pokal wieder eine solide Teilnehmerzahl erreicht. Im Laufe der Zeit schrieb Kramer aber auch echte Topzahlen in seinen Block – zum Beispiel 80 Teilnehmer im Jahr 2013. „Das war ein Ausreißer nach oben“, sagt der Sportwart, „es ist und bleibt eben ein Nischenturnier.“ Ein Nischenturnier, bei dem die Spieler Punkte für die Rangliste beim Deutschen Tennisbund sammeln. Und dafür fahren sie mit ihren Turnschuhen, Schlägern und Trainingsanzügen zum Teil weite Strecken. Einer der Teilnehmer kommt aus Thüringen, ein anderer hat den Weg von Bochum nach Herdecke auf seinem Moped zurückgelegt.

Der HTV schickt in diesem Jahr nur einen Spieler auf den Platz. Robin Breuer vertritt seinen Verein in der Altersklasse der U16-Jährigen. Wer am Ende einen Pokal mit nach Hause nimmt, das entscheidet sich dann an diesem Sonntag ab 13 Uhr in der Endrunde vor der idyllischen Kulisse des alten Viadukts.