Herdecker pendelt für sein großes Ziel

Lennart Potocki aus Herdecke spiele Handball in der Oberliga bei Tusem Essen.
Lennart Potocki aus Herdecke spiele Handball in der Oberliga bei Tusem Essen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Lennart Potocki fährt viermal die Woche mit der Bahn von Herdecke nach Essen. Dort spielt er in der Nachwuchsmannschaft von Tusem Essen.

Herdecke..  Was viele Erwachsene beruflich machen, macht Lennart Potocki in seiner Freizeit: er pendelt. Viermal die Woche fährt der 15-Jährige mit der Bahn von Herdecke nach Essen. Hinzukommen die Ligaspiele am Wochenende, die er mit der B-Jugend des Tusem Essen in der Oberliga Niederrhein bestreitet. Sein Ziel verliert er dabei nicht aus den Augen, Lennart möchte Handball-Profi werden. Und vielleicht sogar einmal für die Deutsche Nationalmannschaft auflaufen.

WM als Auslöser

Die Handball-Leidenschaft packt den jungen Herdecker im Jahr 2007. Damals findet die Weltmeisterschaft in Deutschland statt und lockt zahlreiche Menschen vor den Fernseher und in die Hallen. Vor einem begeisterten Publikum gewinnt die deutsche Mannschaft das Finale gegen Polen mit 29:24. „Als ich das gesehen habe, wollte ich auch Handball spielen“, sagt Lennart heute.

Er beginnt mit dem Sport bei der HSG Herdecke/Ende. Schnell wird sein Talent deutlich, außerdem ist er Linkshänder. „Das ist etwas besonderes, denn es gibt nur wenige, die mit der linken Hand werfen“, erklärt Lennart und ergänzt: „Für die Position Rechtsaußen und Rückraum rechts braucht man sie aber.“ Bereits im Jahr 2012 wechselt das Talent zum VfL Eintracht Hagen, wird dort Mannschaftskapitän und spielt mit der C-Jugend in der Oberliga: „Mit diesem Wechsel wurde mir bewusst, dass ich etwas in dem Sport erreichen kann.“

Seit etwa einem halben Jahr wirft Lennart nun seine Bälle für den Tusem Essen. Er spielt im Rückraum rechts, seine Mannschaft belegt derzeit als Jungjahrgang den vierten Platz in der Oberliga. „Ich bereue es nicht, nach Essen gegangen zu sein“, erklärt der Herdecker.

Auch die Schule leidet nicht unter dem vielen Training. Lennart besucht die Realschule: „Meine Klassenlehrerin unterstützt mich sehr und fragt immer nach den Ergebnissen.“ Auch die Eltern, Manuela und Markus Potocki, bestätigen, dass es noch keine Schwierigkeiten gibt. „Im Gegenteil, ich finde, Lennart hat sich weiterentwickelt und ist selbstständiger geworden“, sagt Markus Potocki. Die Eltern unterstützen ihren Sohn bei seinem Hobby. Am Wochenende fährt der Vater meistens mit zu den Ligaspielen, unter der Woche holt Manuel Potocki ihren Sohn montags und mittwochs vom Training ab, „da es ansonsten zu spät werden würde.“

Die anderen Tage fährt Lennart die gesamte Strecke mit der Bahn. Ein typischer Trainingsdienstag beginnt für ihn um 16 Uhr mit der Abfahrt am Bahnhof in Vorhalle. Ab 17 Uhr trainiert er mit seiner Mannschaft anderthalb Stunden, in Herdecke kommt er dann erst wieder gegen 20 Uhr an. Viel Aufwand, der Lennart aber wichtig ist: „Training hat bei mir einen hohen Stellenwert, da müssen auch schon mal Verabredungen mit Freunden platzen.“

Nächste große Aufgabe

Die nächste große Aufgabe erwartet den 15-Jährigen nun in Ruit bei Stuttgart. Dort trainiert er bei der Sichtung des Deutschen Handballbundes (DHB) mit, die Besten kommen in die Jugendnationalmannschaft. „Das würde ich sehr gerne schaffen“, sagt Lennart.

Es wäre ein weiterer Schritt in Richtung Profi-Karriere und natürlich auch in Richtung A-Nationalmannschaft.