Herdecker Matthias Mellinghaus lebt nun in Kanada

Kurz nach dem olympischen Rennen jubelt die Mannschaft des Deutschlandachters mit den Goldmedaillen in Seoul. Auf dem Bild (v. links): Wolfgang Maenning, Thomas Domian, Armin Eichholz, Matthias Mellinghaus, Manfred Klein, Eckhard Schultz, Bahne Rabe, Ansgar Wessling und Thomas Möllenkamp.
Kurz nach dem olympischen Rennen jubelt die Mannschaft des Deutschlandachters mit den Goldmedaillen in Seoul. Auf dem Bild (v. links): Wolfgang Maenning, Thomas Domian, Armin Eichholz, Matthias Mellinghaus, Manfred Klein, Eckhard Schultz, Bahne Rabe, Ansgar Wessling und Thomas Möllenkamp.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
1988 gewann Matthias Mellinghaus mit dem Deutschlandachter die Goldmedaille in Seoul. Mittlerweile arbeitet er in der Filmbranche in Kanada.

Herdecke..  Die Goldmedaille befindet sich noch in einem Safe in Herdecke. Ihr Besitzer Matthias Mellinghaus aber hat in Kanada längst eine neue Heimat gefunden. Doch auch viele Kilometer entfernt, versucht er den Kontakt zu seinen alten Freunden und seinen in der Ruhrstadt lebenden Eltern zu halten. „Ich will mindestens alle zwei Jahre auf ein Pilsken vorbeikommen“, erklärt Mellinghaus.

Auf der Ruhr trainiert

Denn in Herdecke ist der heute 49-Jährige aufgewachsen, hier hat er im Ruderclub Westfalen auf der Ruhr trainiert, und hier kommen im Sommer 1988 viele zusammen, um Mellinghaus’ größten sportlichen Erfolg live im Fernsehen zu verfolgen. Bei den Olympischen Spielen in Seoul sitzt er im Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes – dem Deutschlandachter.

Das Team hat damals bereits 13 Saisonsiege gefeiert und geht als Favorit auf die 2000 Meter lange Strecke. Doch nach 900 Metern führen die USA vor der UdSSR. Erst ein Schlussspurt, der an den Kräften zerrt, sichert dem Deutschlandachter den Sieg. Mellinghaus weiß noch heute: „Es hat rund fünf Minuten gedauert, bis ich aus dem ‘Schwarzen Tunnel’ kam, eine Entkräftung am Ende des Rennens, die den Blickwinkel einschränkt.“ Und er ergänzt: „Erst mit klarem Verstand hatte ich das befriedigende Gefühl von Genugtuung und Stolz auf unser Team.“

Mellinghaus selbst wird in Herdecke nach den Olympischen Spielen feierlich empfangen. Viele Bürger kommen zum Rathausplatz, um den Goldmedaillengewinner zu sehen. Dieser trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Der Deutschlandachter wird von den Sportjournalisten 1988 zur Mannschaft des Jahres gewählt. Sogar in Paraguay werden die acht Ruderer und der Steuermann mit einer Sonderbriefmarke gehuldigt. Die Sportler sind weltbekannt.

Doch für Matthias Mellinghaus beginnt schon damals ein neuer Lebensabschnitt. Er zieht nach Berlin, studiert Germanistik und Geschichte. Zwei Jahre später ergattert er einen Platz in der Regieklasse der ehemaligen DDR Filmhochschule „Konrad Wolf“. „Das war ein Traum für mich“, erzählt Mellinghaus.

Vielleicht zeigt der Umgang mit der Goldmedaille, dass der Sport nicht die alleinige Hauptrolle im Leben des Matthias Mellinghaus spielt. Denn er sagt: „Meine Eltern waren damals so weise, die Medaille umgehend in einem Safe unterzubringen und mir eine Doublette anfertigen zu lassen. Sonst wäre die echte sicher längst weg.“

2001 zieht Mellinghaus nach Kanada, sein Filmstudium hat er da bereits abgeschlossen. Rund zwölf Flugstunden von Herdecke entfernt, arbeitet er bei zahlreichen Filmen mit, darunter zum Beispiel „A Single Shot – Tödlicher Fehler“ oder „What goes up“. In Kanada lernt er auch seine Frau Sarah kennen. Beide haben zwei Kinder, Ella und Anton.

Im März letzten Jahres besucht die Familie Herdecke. „Dabei fiel mir auf, dass sich die Stadt gut entwickelt hat“, sagt Mellinghaus: „Mein Vater kennt ja jeden Stein mit Vornamen und hat den kanadische Mellinghäusern die alte Heimat nahe gebracht.“

In seiner neuen Heimat rudert Matthias Mellinghaus noch heute. Jeden Samstagmorgen trainiert er am Stanley Park in Vancouver. Seit 13 Jahren ist er auch Mitglied beim Vancouver Rowing Club, gelegentlich nimmt er noch an Alt-Herren-Rennen teil. Mellinghaus: „Momentan bin ich aber etwas aus der Form, da ich einen neuen Job in einem Filmstudio habe.“ Der Sport spielt eben nicht die Hauptrolle.