„Hallennutzungsgebühren werden kommen“

Herdecke..  Wir treffen Thomas Bieber im Vereinsheim des Ruderclubs Westfalen. Das graue Wetter passt ein wenig zu der Stimmung des ersten Vorsitzenden des Stadtsportverbandes Herdecke. Denn Thomas Bieber sieht, dass fast alle Herdecker Vereine mit Problemen zu kämpfen haben.


Frage: In den letzten Wochen haben wir die Herdecker Vereinsvorsitzenden gefragt, was für ihren Verein unter dem Weihnachtsbaum liegen soll. Nun ist Weihnachten zwar vorbei, aber was wünscht sich denn der Stadtsportverband zu Jahresbeginn für die Sportwelt der Ruhrstadt?

Thomas Bieber: Wir wünschen uns, dass wir den Herdeckern weiterhin die Sportstätten, die momentan da sind, zur Verfügung stellen können. Das wird immer schwieriger, weil Herdecke einen Nothaushalt hat. Da bleiben Investitionen, die nicht unbedingt nötig sind, erstmal liegen. Bei allem anderen müssen wir sehen, was die Zukunft bringt.


Noch gibt es in Herdecke keine Hallennutzungsgebühren. Wie lautet ihre Prognose?

Ich wünsche mir, dass es so bleibt. Für 2015 hat Herdecke keine Gebühren erhoben, noch sind wir da einzigartig im Ennepe-Ruhr-Kreis. Wenn die großen Vereine wie der TuS Ende mögliche Hallennutzungsgebühren bezahlen müssten, würden sie dies vermutlich an die Mitglieder weitergeben. Das könnte zu weiteren Austritten führen. Ich klopfe auf Holz, dass dies nicht passiert.


Aber Sie glauben, dass die Hallennutzungsgebühren 2016 eingeführt werden?

Ich denke, es wird kommen. Wie die Gebühren dann auch immer heißen. Wenn man die Zeichen deutet, kann man davon ausgehen, dass die Hallennutzung in Herdecke für die Vereine nicht umsonst bleibt. Dann soll uns die Stadt aber möglichst früh Bescheid sagen, damit wir Maßnahmen ergreifen können.


Fast alle Vereine beklagen schwindende Mitglieder. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?

Die Gesellschaft hat sich verändert. Jugendliche können heutzutage viel Zeit in der virtuellen Welt verbringen. Sie müssen nicht vor die Tür oder in den Verein gehen, um jemanden zu treffen. Außerdem glaube ich, dass die Gesellschaft nicht mehr alles reglementiert haben will. Ein Verein hat aber Regeln. Die Menschen wollen freier sein. Das bekommen sie zum Beispiel im Fitnessstudio.


Was könnten die Vereine tun?
Auch die Vereine müssen umdenken. Gerade um die immer älter werdenden Menschen für den Club zu interessieren. Man kann sich nicht einfach zurücklegen.


Der Ruderclub Westfalen hat mit Johannes Weißenfeld auch einen Spitzensportler. Können sich die Vereine diese Sportler in Zukunft noch leisten?

Das große Geld haben die Vereine nicht. Ich glaube, dass Länder wie die USA den richtigen Weg gehen, weil sie ihre Sportler in der Schule fördern. Wenn Deutschland in Zukunft noch Spitzensportler haben möchte, müssen diese anders gefördert werden.


Gab es denn auch positive Dinge im letzten Jahr?

Es war gut, dass das Schrabergbad saniert wird. Auch dass immer noch eine Laufserie stattfindet. Außerdem sind wir zwar nur eine kleine Stadt, doch wir feiern trotzdem internationale Erfolge. Darauf können wir stolz sein. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt gefällt mir sehr gut.


Glauben Sie denn, dass das Schrabergbad rechtzeitig fertig wird?

Es sollte eigentlich nach den Weihnachtsferien wieder genutzt werden können. Da wird es wohl Verzug geben.


Und was sind ihre Ziele für das Jahr 2015?

Es wäre gut, wenn die Vereine mehr miteinander sprechen und versuchen, gemeinsam Lösungen für ihre Probleme zu finden. Wenn es eng wird, muss man zusammen rücken.