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Basketball

Für Anzeigetafel kommt die Wende zu schnell

30.12.2012 | 22:36 Uhr
Für Anzeigetafel kommt die Wende zu schnell
Ausgerechnet der 31-Punkte-Mann David Bell traf mit seinem letzten Versuch nur den Ring. An der Freiwurflinie zeigte er keine Schwäche. Alle sieben Versuche fanden ihr Ziel.Foto: Michael Kleinrensing

Hagen. Basketball ist ein schnelles Spiel. Manchmal sogar zu schnell für die Technik.

Beim Bundesliga-Westduell zwischen Phoenix Hagen und den Telekom Baskets Bonn, das die Gäste am Sonntag Abend überglücklich mit 103:101 (48:52) gewannen, zeigt die Anzeigetafel in der Enervie Arena eine verbleibende Spielzeit von 26 Sekunden und eine 101:95-Führung der Gastgeber an. Tatsächlich liegen die Hausherren zu diesem Zeitpunkt aber nur noch mit einem Punkt vorn.

Bonn hat binnen fünf Sekunden durch einen Dreipunktewurf von Kyle Weems und einen Zweier von Robert Vaden auf 101:100 verkürzt, was elektronisch erst mit Verspätung erfasst wird. Weil Vaden beim Anschlusskorb gefoult worden ist, bekommt er noch einen ­Bonusfreiwurf zugesprochen, den er zum Ausgleich nutzt.

Der neue Spielstand von 101:101 überrascht nicht nur die meisten der 3145 Zuschauer in der ausverkauften Arena. „Wir haben doch kurz vor Schluss noch mit sechs Punkten geführt - und plötzlich stand es unentschieden“, wird Hagens Trainer Ingo Freyer nach dem Spiel die schnelle Wende kaum nachvollziehen können.

Aber Phoenix hat ja den Ball und noch 25,9 Sekunden Zeit für einen Sieg bringenden letzten Angriff, der allerdings binnen 24 Sekunden abgeschlossen sein muss. So lange indes mag der Amerikaner David Bell nicht warten. Sechs Sekunden vor Schluss übernimmt er die Verantwortung, setzt aus der Mitteldistanz zum Wurf an - und trifft nur den Ring. Der Abpraller landet bei den Bonnern, die noch einen Schnellangriff inszenieren. Als erneut Kyle Weems in letzter Sekunde den Siegkorb erzielt, kennt der Jubel bei den Rheinstädtern keine Grenzen. Die „Feuervögel“, die nach einem schwachen Startviertel (24:29) immer stärker geworden waren und im Schlussabschnitt sogar mit 13 Punkten führten (95:82), sind am Ende völlig konsterniert.

„Das Spiel lag doch schon für uns da, wir hätten es nur nehmen müssen“, trauerte nicht nur Phoenix-Geschäftsführer Oliver Herkelmann nach der Schlusssirene einer verpassten Gelegenheit hinterher. „Wir hätten auf einem Play-off-Platz ins neue Jahr gehen können.“

Gut, dass Ingo Freyer diese Worte nicht hörte. „Von den Play-offs muss hier niemand sprechen. Wer solche Spiele verliert, kann sich nicht in diese Richtung orientieren“, wies der Phoenix-Trainer, der am Ende „zu wenig Aggressivität“ monierte, derartige Ansprüche weit von sich. „Wir kämpfen um die Plätze zehn bis 14 - und nichts anderes.“

„Sport kann manchmal sehr gerecht sein“, zeigte sich Phoenix-Geschäftsführer Oliver Herkelmann als fairer Verlierer. Er verwies darauf, dass die Bonner drei Tage zuvor bei ihrer 94:96-Niederlage gegen Tübingen in den letzten 90 Sekunden eine Zehnpunkte-Führung verspielt hatten. „Die heutige Partie war ein Spiegelbild des Tübingen-Spiels, nur mit umgekehrten Vorzeichen“, konnte sich Bonns Trainer Michael Koch folglich gestern Abend „gut in alle Hagener Spieler und Fans hineinversetzen.“

Nach dem 101:103 hatte Phoenix übrigens noch fünf Zehntelsekunden Zeit für einen allerletzten Angriff. Davin White versuchte, mit seinem finalen Einwurf den in Korbnähe postierten Dino Gregory zu finden, um diesem Gelegenheit zu geben, per Blitzaktion vielleicht doch noch ein gutes Ende zu erzwingen. Aber der US-Amerikaner bekam den Ball nicht unter Kontrolle, bevor die Schlusssirene ertönte.

Basketball ist ein schneller Sport, aber so schnell geht es dann doch nicht.

Phoenix Hagen: Bell (31, 6/10 Dreier) , Hess (17, 1/2 Dreier, 13 Rebounds), Dorris (12, 2/3 Dreier), Kruel (3, 6 Rebounds), Wendt (3, 1/1 Dreier), Gordon (13, 2/4 Dreier), Gregory (1), White (21, 2/6 Dreier), Lodwick.

T. Baskets Bonn: Veikalas (10, 3/5 Dreier), Jordan (9), Weems (16), Vaden (22, 3/7 Dreier), Wohlfahrth-Bottermann (23, 12 Rebounds), McCray (13), Ensminger (8), Mangold, Thülig (2).

Spielviertel: 24:29, 28:19, 30:27, 19:28.

Teamstatistik: 47:53 % Wurfquote, 14/26:8/18 Dreier, 17/26:15/19 Freiwürfe, 42:39 Rebounds, 16:21 Assists, 14:11 Ballverluste, 6:3 Ballgewinne, 2:2 Blocks.

Zuschauer: 3145 (ausverkauft).

Rainer Hofeditz



Kommentare
31.12.2012
08:58
Flucht in die Kabine
von astrah | #1

Diese Niederlage tat sehr weh. Deshalb aber muss die Mannschaft noch lange nicht die Halle sang und klanglos verlassen und die treuen Fans so ins neue Jahr schicken.

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