Finale vor 2200 Fans hat Suchtpotenzial

Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen..  Um kurz vor 19 Uhr erlosch am Samstagabend das Licht in der Enervie Arena. Die Live-Performance der deutsche Nationalhymne und „Hells Bells“ von AC/DC stimmten die 2200 Zuschauern auf ein großes Spektakel ein. Auf dem Feld sorgten die Kicker von Holzpfosten Schwerte und den Hamburg Panthers im Finale um die erste deutsche Meisterschaft im Futsal vor der Rekordkulisse später auch sportlich für einen besonderen Abend am Ischeland. Dass die Gastgeber am Ende in der Verlängerung 4:7 unterlagen, trübte die Schwerter-Stimmung nur bedingt.

Der Heuboden, wo sonst die treuen Basketballfans von Phoenix Hagen stehen, war wie die gesamte Halle fest in rot-weißer Hand. Weil in Schwerte nur rund 400 Zuschauer Platz gefunden hätten, war das vom Deutschen Fußballbund (DFB) organisierte Endspiel nach Hagen verlegt worden. Die Größe der Holzpfosten-Fangemeinde und die frenetische Unterstützung ist im Futsal deutschlandweit einmalig, weiß auch Jörg Meinhardt zu berichten: „Das, was die Schwerter in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt haben, ist bemerkenswert und verdient höchsten Respekt.“ Der gebürtige Berliner und Inhaber einer Sport- und Eventmanagement-Agentur in der Schweiz ist Futsal-Experte und setzt sich seit Jahren für eine wachsende Akzeptanz in Deutschland ein. „Die Entwicklung im DFB ist sehr erfreulich“, sagte Meinhardt, der hofft, dass im kommenden Jahr endlich die erste deutsche Futsal-Nationalmannschaft an den Start geht.

Wie groß aktuell allerdings noch der Abstand zur europäischen Konkurrenz ist, zeigt die Tatsache, dass im deutschen Finale am Ischeland Fußballer von Kreis- bis Oberliga um die Meisterschaft gekämpft haben. In anderen Nationen hat der Futsal dabei schon vor Jahren klangvolle Namen wie Christiano Ronaldo, Lionel Messi oder Neymar hervorgebracht.

Zurück zum Spiel: Die Schwerter, die sich als Vizemeister der WLFV-Futsal-Liga ins Finale kämpften, gingen nach 13 Minuten verdient in Führung. Die Halle bebte, die Atmosphäre auf den Rängen stand einem Profi-Wettkampf in nichts mehr nach. Fünf Minuten später konnten die Gäste aus der Hansestadt allerdings ausgleichen. Die bis dahin zaghaften „Panthers“-Rufe der rund 100 mitgereisten Hamburger wurden allmählich lauter. Sean Paul aus den Boxen und die Cheerleader des Phoenix Dance Teams auf dem Feld heizten die tolle Stimmung auf den Rängen in der Halbzeitpause noch einmal zusätzlich an. Dass der Verlauf der Partie an Spannung kaum noch zu überbieten sein würde, ahnte da noch niemand.

Es dauerte allerdings bis zur 31. Minute, ehe Holzpfosten erneut in Führung ging. Mit einem Doppelschlag innerhalb von nur 30 Sekunden sorgten die Gäste dann für Entsetzen unter den 2000 Schwerter Anhängern. Umso größer war die Freude, als Holzpfosten zwei Minuten vor dem Ende noch egalisieren konnte.

In der Verlängerung war die erneute Hamburger Führung zum 4:3 dann spielentscheidend. Schon längst saß in der Halle kein Fan mehr auf seinem Sitz. Schwerte nahm Keeper und Trainer Daniel Otto aus der Partie, um durch einen zusätzlichen Feldspieler Überzahl zu schaffen. Gebracht hat es nichts, denn die Panthers-Treffer fünf und sechs jeweils aus der Distanz entschieden die Partie. Der Anschluss zum 4:6 kam zu spät, sieben Sekunden vor dem Anpfiff machte Hamburg den Endstand perfekt und sicherte sich den Pokal, der von Rainer Milkoreit, DFB-Vizepräsident für Breitensport, übergeben wurde.

Holzpfosten-Coach Otto war nach der zweiten Final-Niederlage in Folge enttäuscht: „Wenn man so nah dran ist, will man den Titel natürlich auch gewinnen.“ Dennoch überwogen am Ende die positiven Eindrücke des Abends: „Was die Kulisse angeht, fehlen mir die Worte. Als Amateursportler erlebt man so etwas sonst nicht ansatzweise. Solche Erlebnisse machen süchtig. Und genau deswegen werden wir auch wiederkommen!“