Eintrachtler nach Aufstieg außer Rand und Band

Außer Rand und Band: Jens Reinarz, Lukas Tebbe, Jan Wilhelm, Johannes Sonnenberg und Dirk van Walsem (von links) auf der Bühne vor der Enervie Arena beim Empfang. „2. Handball-Bundesliga - Wir sind dabei!“Foto:Michael Kleinrensing
Außer Rand und Band: Jens Reinarz, Lukas Tebbe, Jan Wilhelm, Johannes Sonnenberg und Dirk van Walsem (von links) auf der Bühne vor der Enervie Arena beim Empfang. „2. Handball-Bundesliga - Wir sind dabei!“Foto:Michael Kleinrensing
Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen..  Davon haben sie geträumt. Manch einer seit 15 Jahren. „De Zoch kütt!“, lautet die Durchsage auf dem Vorplatz der Energie Arena. Die Musik wird angepasst: „So sehen Sieger aus!“, hallt es aus den Lautsprechern. Es ist Pfingstsonntag, kurz vor Zwölf. High Noon am Ischeland. Der Autokorso trifft ein, mit dem die Handballer des VfL Eintracht durch Hagen unterwegs waren. Vom Sparkassen-Karree nach Wehringhausen und dann zum Höing. Anlass der unvergesslichen Dienstfahrt ist der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Perfekt gemacht am Tag zuvor durch einen 27:26-Sieg gegen den HC Elbflorenz beim Aufstiegsturnier in Dresden.

Dieses denkwürdige Spiel (Bericht nächste Seite) hat nicht nur rund 130 mitgereiste Eintracht-Anhänger in der EnergieVerbund-Arena bis zur letzten Sekunde in Atem gehalten. Jene Handball-Freunde, die die Partie in Hagen per Internet-Radio verfolgten, wurden noch mehr auf die Folter gespannt. „Ich habe Blut geschwitzt“, gesteht Bürgermeister Hans-Dieter Fischer tags darauf beim Empfang der Mannschaft am Ischeland. Bis der Reporter die Schlusssekunden herunter zählte: „Fünf, vier, drei, zwei, eins, Aus!“ Am Samstag um 16.35 Uhr war Handball-Hagen wieder zweitklassig. Erstmals seit dem Jahr 2000, als nach elf Jahren in Deutschlands zweithöchster Liga der Abstieg nicht zu vermeiden war.

Auch Rene Röspel hat das finale Bemühen um den Wiederaufstieg unterwegs via Web-Radio verfolgt. „Als die Verbindung bei einer 25:22-Führung für den VfL Eintracht abbrach, dachte ich, das sieht ja gut aus, das schaffen sie ja wohl“, berichtete der Bundestagsabgeordnete. Dann sei der Reporter noch einmal kurz zu hören gewesen. Beim engen Spielstand von 25:24. Letztlich habe es gut eine halbe Stunde gedauert, bis er vom Happy End erfahren habe. „Ich werde versuchen, meine Sitzungen so zu legen, dass ich in der 2. Liga öfter bei Spielen vorbeischauen kann“, so der SPD-Politiker am Pfingstsonntag.

Natürlich ist der Aufstieg ein Erfolg der ganzen Mannschaft. Almantas Savonis lässt sich auf dem Lkw vor der Halle, der als Bühne dient, das Mikrofon geben, um die Teamleistung zu betonen. Zuvor ist der 45-jährige Torwart aus Litauen von den Kameraden gefeiert worden, weil er den letzten Ball gehalten und damit den Triumph abgesichert hat. Auch wenn „Alma“, der seine Handball-Karriere beendet und in die Heimat zurückkehrt, die Mannschaftsleistung hervorhebt - etwas Besonderes war der entscheidende Moment am Samstag für ihn doch. „Ich habe bei Welt- und Europameisterschaften gespielt, mit Magdeburg den Europapokal gewonnen und bin in die 1. Liga aufgestiegen. Aber zum Ende meiner Karriere Sekunden vor Schluss so einen wichtigen Ball zu halten, das war unheimlich schön“, hatte der Litauer am Abend zuvor Manager Jörg Brodowski gestanden. Noch ein Jährchen dranzuhängen, dazu ließ er sich nicht überreden.

Gute Torhüter wird der VfL Eintracht nächste Saison gebrauchen können. „Wir gehören jetzt zu den besten 40 Mannschaften Deutschlands“, erinnerte Klubchef Detlef Spruth daran, dass im Gegensatz zu früheren Hagener Zweitliga-Zeiten die erreichte Spielklasse heute eingleisig ist. Hier mitspielen zu dürfen, das war eine Feier wert. Und auch der Autokorso war angemessen.