Eine schrecklich sportliche Familie

Die Geschwister der Familie Brammen betreiben fünf Sportarten (v. li.): Mirko, Sara, Jonas, Lena und Oliver.
Die Geschwister der Familie Brammen betreiben fünf Sportarten (v. li.): Mirko, Sara, Jonas, Lena und Oliver.
Foto: Michael Schuh

Hohenlimburg..  Eines vorweg: Die komplette sportliche Laufbahn der fünf Brammen-Geschwister niederzuschreiben, ist fast unmöglich. Und sollte es doch gelingen, könnte man damit ein Buch füllen. In drei Sätzen zusammengefasst lässt sich der Werdegang so beschreiben: Oliver, Mirko, Lena und Sara haben alle mit Fußball angefangen, diverse andere Sportarten ausprobiert und nun ihre ganz eigene Disziplin gefunden. Nur Jonas begann als Fußballtorwart und steht noch immer zwischen den Pfosten. Und da ist er ebenso erfolgreich wie seine Brüder und Schwestern im Handball, Hip-Hop, Triathlon und Eishockey.

Die Eltern Sandra und Jürgen Brammen wären bestimmt erstklassige Speditionskaufleute geworden. Denn die Organisation der Fahrten zu Trainingseinheiten, Spielen und Wettkämpfen ihrer Kinder verlangt gewaltiges logistisches Talent. Und trotzdem: „Wenn Oma, Opa und Onkel nicht mithelfen würden, wäre das nicht zu stemmen“, weiß Vater Jürgen, der früher für den SV 10 vor den Ball getreten hat. Der Schlachtplan für das Wochenende sieht wie folgt aus: Oliver startet beim Triathlon in Carolinensiel, Jonas trainiert mit den Profis des Zweitligisten SC Paderborn, Sara nimmt an einem Eishockey-Trainingslager teil. Ein überschaubares Programm – es sind ja Ferien.

Mit dem Team nach Petersburg

Beginnen wir also mit Sara, der Jüngsten im Bunde. Nach Fuß-, Hand-, Basketball und Hip-Hop kam sie zum Schlittschuhlaufen. „Und da habe ich gesehen, wie die Großen Eishockey gespielt haben – das wollte ich auch“, erzählt die Zehnjährige. Als Torhüterin der Young Roosters macht sie ihre Sache als eines von nur zwei Mädchen unter lauter Jungs offenbar sehr gut: Die Teilnahme an Turnieren führte sie schon bis Petersburg, wo sie gegen russische Eishockeyspieler antrat. Wie es sich für eine ehrgeizige Sportlerin gehört, ist Saras Ziel für die Zukunft durchaus ambitioniert: „Nationalmannschaft!“

Daneben mutet Jonas’ Wunsch von späteren Bundesligaeinsätzen geradewegs bescheiden an. Wovon Millionen Jugendliche träumen, ist bei ihm allerdings gar nicht so unrealistisch. Denn über Eintracht Hohenlimburg, SC Berchum/Garenfeld und RW Ahlen kam der Torhüter zum SC Paderborn, wo er in der vergangenen Saison sogar am Trainingslager des Bundesligisten teilnahm. Momentan ist der 1,86 Meter große Modellathlet Keeper der U23 und trainiert bei den Profis mit, so dass er auf vier bis fünf Einheiten pro Woche kommt. Plus Spiele, versteht sich. Und hier liegt das Problem: Wenn der 17-Jährige gegen 15 Uhr aus der Schule kommt, hat er gerade mal eine halbe Stunde Pause, ehe ihn ein anderes Familienmitglied nach Paderborn fahren muss. Denn Jonas hat sich zwar in einer Fahrschule angemeldet, „aber ich habe ja gar keine Zeit, den Führerschein zu machen.“ „Wie Marco Reuß“, klingt es aus der Geschwisterrunde.

Da hat es der 21-jährige Oliver schon leichter – zumindest, was das Auto fahren angeht. Beim Anblick seines Tagesablaufs würde so mancher trotzdem zusammenzucken. Denn das Programm des Mathematik-Studenten, der für die Triathleten des Tri-Teams Hagen in der 2. Bundesliga startet, sieht nicht selten so aus: Aufstehen, Training, Uni, Pause, Training, Lernen, Training, Schlafen. Puuuh. Der Sieger des NRW-Juniorencups sieht’s gelassen: „Ich habe meine Herausforderung gefunden.“ Vermutlich muss man diese Sportart so diszipliniert betreiben, wenn man solche Ziele hat: „Die 1. Liga und später mal den Ironman.“

Sechs Einheiten die Woche

Auf sechs Einheiten die Woche bringt es der 15-jährige Mirko, der bei der HSG Hohenlimburg in der B-Jugend Handball spielt, bei der Reserve mittrainiert und zusätzlich die E-Junioren coacht. Trotz dieses Engagements bereitet der kräftige Kreisläufer aus logistischer Sicht die wenigsten Probleme: Er kann die paar Meter aus Henkhausen zur Rundturnhalle laufen.

Nicht allzu kompliziert gestaltet sich die Fahrerei auch bei Lena, die – man höre und staune – meist nur einmal wöchentlich in Eilpe Hip-Hop trainiert. Hinzu kommen allerdings Auftritte bei diversen Festen, wo die Zwölfjährige einstudierte Choreografien zum Besten gibt. Da eine wöchentliche Einheit aber natürlich viel zu wenig ist, betreibt Lena nebenbei ebenfalls Triathlon. „Einmal die Woche gehe ich schwimmen und einmal laufen“, sagt sie – und fügt verschmitzt hinzu: „Radfahren eher weniger. Das ist nicht so mein Ding.“

Diese bei weitem nicht komplette Aufzählung der sportlichen Aktivitäten verdeutlicht zumindest ansatzweise,welche Strapazen die Eltern auf sich nehmen. Doch sie tun es gern. „Man braucht sich keine Sorgen darüber zu machen, an welcher Ecke die Kinder gerade betrunken abhängen“, sagt Mutter Sandra, was Oliver sogleich kommentiert: „Dafür sind wir abends nämlich viel zu müde.“

Vater Jürgen bringt es auf den Punkt: „Wir wollen glückliche Kinder.“ Deshalb gibt es auch einen außersportlichen Termin im Kalender: Der Sonntagabend steht im Zeichen der ganzen Familie. „Wenn nicht einer ein Spiel oder Training hat“, wirft Oliver ein. Und alle lachen.