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Serie: Der etwas andere Sport

Eine junge Herde, die den Boden beben lässt

31.05.2012 | 08:00 Uhr
Eine junge Herde, die den Boden beben lässt
Wer Football spielt, muss hart im Nehmen sein. Als Kontaktsportart kann es dabei zu heftigen Zusammenstößen kommen. Blessuren gehören zum „Berufsrisiko“.Foto: Valtentin Dornis

Hagen. Als sich die Herde in Be-wegung setzt, scheint der Boden zu beben. Schwer atmend und durch-aus bedrohlich bewegt sie sich vorwärts. Die Herde, das ist das Junior-Team der Sauerland Mustangs. Mit ihren dicken Schulterpolstern und den Schutzhelmen macht die American Football-Truppe schon beim Training Eindruck.

Und die Schutzkleidung ist auch nötig: Wer Football spielt, muss hart im Nehmen sein. Als Kontaktsportart kann es dabei zu heftigen Zusammenstößen kommen, Knochenbrüche und Blessuren gehören zum „Berufsrisiko“ eines echten Footballspielers. Dabei täuscht der äußere Eindruck von harten Kerlen, die sich gegenseitig die Köpfe einrennen, über die Komplexität dieses vor allem in den USA beheimateten Sports hinweg. Ein ausführliches Regelwerk beschriebt die Möglichkeiten, Punkte zu machen, die Spieler haben alle ganz spezifische Aufgaben und im „Playbook“ eines jeden Teams sind unzählige Taktiken und Spielzüge aufgeführt, die die Spieler nach Möglichkeit auswendig können müssen.

Neben einem taktischen Verständnis sind allerdings auch Englischkenntnisse durchaus von Vorteil. Als die uramerikanische Sportart schlechthin sind die Begrifflichkeiten im Football meistens in der englischen Sprache festgelegt. Wenn der Headcoach den Quarter-back zu sich holt und der Defense zuruft, sich bereit zu machen, dann will der Trainer mit dem Spielma-cher reden und die Verteidigung soll sich vorbereiten. Und der Ton im Training entspricht den Klischee-Vorstellungen, die der interessierte Deutsche aus zahllosen Footballfilmen zu kennen pflegt: Für zu langsames Anlegen der Schulterpolster gibt es Liegestütze als Strafe, ebenso für Unaufmerksamkeiten. Denn, wie Mustangs-Headcoach Ramon Raabe treffend feststellt: „Hier redet nur einer, und der steht vorne.“

Dass der Headcoach in der Vorbereitung auf ein Saisonspiel das Juniors-Team trainiert, ist selten. Doch das Seniors-Team, das so etwas wie die „erste Mannschaft“ der Mustangs ist, ist in dieser Saison nicht gemeldet. Zu wenige Spieler waren der Hauptgrund – ein Problem, über das der Nachwuchskader nicht zu klagen braucht. Mit über 20 Leuten ist dieser recht gut gefüllt, doch so viele Spieler sind auch vonnöten. Denn beim Football sind zwar immer neun Spieler auf dem 100 mal 50 Meter großen Feld – elf bei den Erwachsenen – doch es spielt jeweils nur die Offense, also der Angriff, oder die Defense. Mit 18 Akteuren ist ein Kader folglich gerade ausreichend besetzt.

Wenn gerade die Offense auf dem Feld steht, hat sie das Ziel, den etwas an ein Ei erinnernden Spielball in die Endzone zu bringen oder ein „Field Goal“ zu schießen, bei dem das Spielgerät zwischen zwei hohen Torstangen hindurch geschossen werden muss. Dazu brauchen die Spieler über Pässe oder Läufe mit dem Ball Raumgewinne in Richtung der gegnerischen Endzone. Die werden, ganz amerikanisch, in Yard gemessen. Die Offense hat vier Versuche, zum Raumgewinn von mehr als 10 Yards zu kommen, dann wird gewechselt. Die Defense, die dann für die Offense auf Feld kommt, versucht, den Gegner von der eigenen Endzone fernzuhalten und am Schuss zu hindern.

Am Wochenende hatten die jungen Mustangs in der U16-Verbandsliga ihr erstes Heimspiel in Boelerheide. Da die Stadt Hagen wegen angeblich zu lauten Zuschauern außer den Angehörigen der Spieler kein Publikum erlaubte, vor bescheidener Kulisse. Das junge unerfahrene Team musste sich den Schiefbahn Riders 0:60 geschlagen geben – doch hinterher bejubelten sich beide Teams gegenseitig. Headcoach Raabe bringt den Teamgeist beim Football auf den Punkt: „Erst hauen sie sich gegenseitig um, und dann feiern sie zusammen.“

Fachbegriffe beim American Football

Quarterback – Spielmacher

(Wide) Receiver – Passempfänger (über lange Strecken)

Runningback – Läufer

Defense Linemen – Verteidiger der ersten Reihe

Linebacker – Verteidiger der zweiten Reihe

Defensive Backs – letzte Verteidigungsreihe

Touchdown – Erreichen der gegnerischen Endzone mit dem Spielball

Field Goal – geschossener Treffer durch die Torstangen

Valentin Dornis



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