Ein Wetteraner und ein Hagener überqueren die Alpen

Die Radreisen führten die Hobby-Radfahrer auch über stillgelegte Bahntrassen. Hier fährt Rainer Neuhaus über eine  Eisenbahnbrücke.
Die Radreisen führten die Hobby-Radfahrer auch über stillgelegte Bahntrassen. Hier fährt Rainer Neuhaus über eine Eisenbahnbrücke.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wolfgang Schmiedel und Rainer Neuhaus sind zweimal mit dem Fahrrad über die Alpen gefahren. Sie verbindet auch ein spezieller Humor.

Wetter/Hagen..  Eines war für Wolfgang Schmiedel und Rainer Neuhaus von Anfang an klar: „Es kann viel passieren, aber wir bleiben zusammen.“ Denn auf Hunderten von Kilometern durch die Alpen kann der Reifen platzen, der Lenker brechen oder auch einfach die Kraft schwinden. Doch durch eine gute Vorbereitung und eine große Portion Willen haben es der mittlerweile 70-jährige Schmiedel und der 61-jährige Neuhaus geschafft, vor zwei Jahren die „Via Claudia Augusta“-Tour und vor einem Jahr den „Alpe-Adria-Radweg“ zu bewältigen. Nun haben sie eine klare Botschaft: „Das kann jeder schaffen.“

Der Humor verbindet

Wolfgang Schmiedel ist ein ehemaliger Schulleiter aus Wetter. Rainer Neuhaus hat früher eine Bank in Herdecke geleitet und lebt in Hagen. Der Lehrer und der Banker haben sich schon in den 80er Jahren beim Surfen kennengelernt, beide frotzeln viel miteinander. Neuhaus spottet dann schon mal genüsslich über das nicht ganz so professionelle Fahrrad von Wolfgang Schmiedel oder über die gut zehn Jahre Altersunterschied. Der Humor war ein Grund dafür, dass sich beide auf ihren Touren gut verstanden haben.

Entstanden ist der Plan, die Alpen zu überqueren, durch einen gemeinsam Bekannten. „Er wusste, dass wir gerne so eine Radtour machen wollten – und hat uns zusammengebracht“, erzählt Schmiedel. Nach einer kurzen Besprechung war für beide klar: Die erste Tour soll zum Gardasee führen, auf dem beide früher gesurft sind.

Die „Via Claudia Augusta“ führt von Donauwörth in Deutschland bis ins italienische Trento. Dort gabelt sich der Weg und bringt die Radfahrer einmal nach Ostigiia oder nach Venedig. Schmiedel und Neuhaus starteten in Landsberg und bogen kurz hinter Trento in Richtung Gardasee ab. Über 450 Kilometer und mehr als 2500 Höhenmeter mussten beide überwinden. „Aus dem Stand kann man das nicht“, erklärt Schmiedel. Deswegen trainierten der Wetteraner und der Hagener im Vorfeld in der Umgebung.

Die Augen leuchten

Ein Aufwand, der sich gelohnt hat. Denn auch wenn einige Stellen am Körper die ersten zwei Tage auf der Radreise zwickten, leuchten die Augen von Wolfgang Schmiedel und Rainer Neuhaus noch heute, wenn sie von ihren Erlebnissen erzählen. Von der „wunderschönen“ Landschaft und von den Leuten, die sie getroffen haben. Wie ein älteres Ehepaar, das mit einem Tandem über 9000 Kilometer durch Europa fuhr; oder eine 65-jährige Frau, die ganz allein von der Schweiz bis nach Wien in Österreich radelte. Auch die Personen, die beiden halfen, wenn sie nach einer langen Tour ausgepowert ein Hotel suchten, begeisterten die Hobby-Radfahrer. Nach der ersten Tour planten sie deswegen direkt die zweite Reise über die Alpen.

Im letzten Jahr radelten beide den „Alpe-Adria Radweg“. Von Salzburg (Österreich) geht er 475 Kilometer bis nach Grado (Italien). Der schönste Teil beginnt nach Villach, der zweitgrößten Stadt in Kärnten. „Wir sind über eine alte Bahnstrecke gefahren, an kleinen stillgelegten Bahnhöfen vorbei“, schwärmt Neuhaus, der im Zielort Grado noch eine ganz besondere Begegnung erlebte. „Ich habe einen jungen Mann getroffen, dessen Vater direkt in meiner Nachbarschaft in Hagen lebt“, erzählt er: „Dem Vater habe ich dann von seinem Sohn eine Ansichtskarte mitgebracht. Er hatte Tränen in den Augen.“

Gerade wegen solcher Momente planen beide im kommenden Jahr schon die nächste Tour. Schmiedel: „Mir ist wichtig zu sagen, dass man keine Top-Ausrüstung braucht. Ich habe ein normales Tourenrad.“ Der 70-Jährige legt deswegen jedem Hobby-Radfahrer eine mehrtägige Tour nahe – auch im hohen Alter: „Sogar meine Kniebeschwerden sind weggegangen.“